Xiaomi Aktie: Gewinn bricht um 42,6 Prozent ein
Xiaomi präsentiert eigenen Chip für Falt-Smartphone, während Kernsparte einbricht. E-Auto-Segment wächst, doch operative Verluste belasten die Bilanz.

- Eigener Prozessor Xring O3 vorgestellt
- Smartphone-Auslieferungen sinken um 26 Prozent
- E-Auto-Absatz steigt auf 104.199 Einheiten
- Aktie notiert 29 Prozent unter Jahresstart
Manchmal sagt ein Nebensatz mehr als eine ganze Bilanz. Xiaomi will mit seinem neuen Falt-Smartphone, das den hauseigenen Prozessor Xring O3 trägt, gerade einmal 200.000 bis 300.000 Einheiten absetzen.
Ein Nischenprodukt für ein Unternehmen, das im vergangenen Quartal noch über 31 Millionen Smartphones ausgeliefert hat. Und genau darin liegt die eigentliche Geschichte dieser Aktie: Xiaomi baut an einer technologischen Zukunft, während das Kerngeschäft der Gegenwart schrumpft.
Der Xring O3, am Montag vorgestellt und bei TSMC im 3-Nanometer-Verfahren gefertigt, ist der Nachfolger des Xring O1 aus dem Vorjahr. Es ist ein Signal an die Branche: Xiaomi will sich von Qualcomm und MediaTek unabhängiger machen, so wie es Apple und Huawei längst vorgemacht haben.
Chip-Souveränität ist derzeit so etwas wie der heilige Gral der chinesischen Techindustrie, getrieben von geopolitischen Spannungen und der Sorge vor US-Exportbeschränkungen. Dass Xiaomi hier mitspielt, ist strategisch nachvollziehbar. Nur: Ein Prozessor für ein Nischen-Faltmodell ändert an den strukturellen Problemen des Massengeschäfts vorerst wenig.
Die Realität hinter dem Chip-Coup
Vor gut einer Woche hatte Xiaomi seine Quartalszahlen vorgelegt, seither hat die Aktie um 10,7 Prozent zugelegt – die Erleichterung darüber, dass es nicht noch schlimmer kam, war offenbar größer als der Schreck über die Zahlen selbst.
Und die hatten es in sich: Der bereinigte Nettogewinn brach um 42,6 Prozent auf 6,22 Milliarden Yuan ein, deutlich unter der Markterwartung von 6,6 Milliarden Yuan. Die Smartphone-Auslieferungen sanken um 26 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte, der Umsatz im Segment Smartphone × AIoT gab um 11,3 Prozent nach.
Die japanische Investmentbank Nomura bestätigte am 19. August ihr „Neutral“-Rating und verwies dabei auf einen Lichtblick: Der durchschnittliche Verkaufspreis bei Smartphones stieg im Jahresvergleich um 26 Prozent, getragen von höheren IoT-Umsätzen. Xiaomi verkauft also weniger, aber teurer – eine Strategie, die kurzfristig die Margen stützen kann, langfristig aber Marktanteile kostet, wenn Wettbewerber günstiger bleiben.
Elektroautos: Wachstum mit Preisschild
Während das Smartphone-Geschäft schrumpft, wächst die Elektroauto-Sparte kräftig – im Berichtsquartal um 28,2 Prozent auf 104.199 ausgelieferte Fahrzeuge. Xiaomi hat sein Jahresziel für 2026 sogar auf 550.000 Fahrzeuge angehoben. Das ist die zweite große Wette des Unternehmens, und sie kostet Geld: Der operative Verlust der Sparte lag im Quartal bei 2,6 Milliarden Yuan.
Genau diese Verluste hatten Goldman Sachs im Frühjahr dazu bewogen, sein Kursziel zu senken, während die Bank ihr Buy-Rating aus langfristiger Überzeugung beibehielt. Jefferies war zur gleichen Zeit deutlich skeptischer und stufte die Aktie auf „Halten“ herunter, mit Verweis auf einen erwarteten Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen.
Es ist dieses Nebeneinander von Zukunftsinvestition und Gegenwartsschwäche, das die Aktie so schwer einzuschätzen macht. Wer an Xiaomis Transformation vom Smartphone-Hersteller zum Ökosystem-Anbieter mit eigenen Chips und eigenen Autos glaubt, sieht in den aktuellen Zahlen Übergangsschmerzen. Wer nüchtern rechnet, sieht ein Kerngeschäft, das binnen eines Jahres ein Viertel seines Volumens verloren hat.
Was der Markt gerade einpreist
Der aktuelle Kurs von 3,09 Euro liegt mehr als die Hälfte unter dem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro, das die Aktie im vergangenen September erreichte. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29 Prozent zu Buche. Zugleich notiert das Papier rund 32 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von Ende Juni – ein Hinweis darauf, dass der Markt zumindest die schlimmsten Szenarien inzwischen eingepreist hat.
Zwischen Anfang Juni und Mitte Juli kaufte Xiaomi zudem in vierzehn Tranchen eigene Aktien zurück, insgesamt rund 79,8 Millionen Stück oder 0,31 Prozent des Kapitals. Ein Signal des Managements, dass man den eigenen Kurs für unterbewertet hält – wobei Rückkaufprogramme dieser Größenordnung selten allein den Ausschlag geben.
Die eigentliche Frage bleibt: Reicht Chip-Prestige und Auto-Wachstum aus, um den Rückgang im Kerngeschäft zu kompensieren? Die Antwort wird sich nicht in einem Quartal zeigen, sondern in der Konsequenz, mit der Xiaomi seine zwei großen Wetten durchzieht.
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