Xiaomi Aktie: Nettogewinn bricht um 20 Prozent ein

Xiaomi verzeichnet im zweiten Quartal weniger Umsatz und Gewinn. Elektroautos wachsen, verursachen jedoch operative Verluste und belasten die Bilanz.

Die Kernpunkte:
  • Quartalsumsatz fällt um 6,1 Prozent
  • Bereinigter Gewinn sinkt um 42,6 Prozent
  • Elektroauto-Sparte schreibt operative Verluste
  • Indiens Marktanteil geht deutlich zurück

Xiaomi hat in den vergangenen Wochen mit Ankündigungen um sich geworfen: neue Foldables, neue SUVs, Milliarden für Forschung, Handelspartner in Deutschland. Wer nur die Schlagzeilen liest, könnte meinen, hier entstehe ein zweiter Tech-Gigant im Zeitraffer. Für mich zeigt der Blick in die Quartalszahlen aber, dass die Ambitionen dem operativen Geschäft derzeit davonlaufen.

Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte

Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz um 6,1 Prozent auf 108,922 Milliarden Yuan gegenüber dem Vorjahr, wenn auch mit einem Plus von 9,9 Prozent zum Vorquartal. Deutlicher schmerzt der Gewinn: Der Nettogewinn brach um 20,3 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar ein, bereinigt sogar um 42,6 Prozent auf 920 Millionen Dollar.

Das Segment Elektrofahrzeuge, KI und neue Initiativen wuchs zwar um 17,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar, produzierte dabei aber einen operativen Verlust von 385 Millionen Dollar. Unterm Strich wächst Xiaomi dort am schnellsten, wo es am meisten Geld verbrennt.

Das SkyNomad-Programm illustriert dieses Muster gut. Die zweite Auto-Baureihe ist gestartet, kumulierte Auslieferungen liegen bei über 800.000 Fahrzeugen – eine beachtliche Zahl. Doch das selbst gesteckte Jahresziel von 550.000 Auslieferungen für 2026 wirkt angesichts von nur rund 220.000 ausgelieferten Fahrzeugen zwischen Januar und Juli kaum erreichbar.

Xiaomi müsste in den verbleibenden fünf Monaten im Schnitt mehr als 60.000 Autos pro Monat ausliefern. Ich halte das für ambitioniert bis unrealistisch, zumal die Fahrzeuge der neuen SkyNomad-Reihe mit Preisen zwischen rund 209.900 und 299.900 Yuan im Premiumsegment liegen und damit nicht die Masse ansprechen, die für solche Stückzahlen nötig wäre.

Investitionsversprechen als Signal, nicht als Beweis

Die auf der IFA angekündigten 24 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung bis 2030, verteilt auf KI, Betriebssysteme, Halbleiter, Fahrzeuge und Robotik, sind ein starkes Signal an den Kapitalmarkt.

Ebenso die Absichtserklärungen mit acht deutschen Autohändlergruppen für einen Europa-Einstieg 2027. Für mich sind das aber Versprechen für die Zukunft, keine Antwort auf die gegenwärtige Margenschwäche.

Der neue Xring-O3-Chip im Xiaomi 18 Fold – gefertigt im 3-Nanometer-Verfahren mit spürbaren Leistungssprüngen gegenüber dem Vorgänger – zeigt technologisches Können. Ob daraus profitables Geschäft wird, ist eine andere Frage, gerade weil das Foldable mit einem Startpreis von 10.999 Yuan zunächst nur in China verkauft wird.

Dazu kommt die Indien-Frage, die zwar schon vor über einem Monat aufkam, aber strukturell weiterwirkt. Das Serious Fraud Investigation Office hatte eine detaillierte Untersuchung von Xiaomis Geschäftsmodell und Devisenkonformität empfohlen. Eine offizielle Untersuchung ist bislang nicht angeordnet, Xiaomi bestreitet, überhaupt kontaktiert worden zu sein.

Doch der Marktanteil in Indien ist bereits von 19 auf 13 Prozent gefallen, die Einnahmen dort liegen 40 Prozent unter dem Niveau von vor drei Jahren. Rund 676 Millionen Dollar auf indischen Konten bleiben seit vier Jahren eingefroren. Das ist kein neues Risiko, aber ein ungelöstes.

Mein Fazit

Xiaomi jongliert mit drei Baustellen gleichzeitig: schrumpfende Gewinne im Kerngeschäft, ein Autoprogramm, das operativ Verluste produziert und sein Jahresziel wohl verfehlt, sowie eine ungeklärte regulatorische Altlast in Indien.

Die Investitionspläne für Chips, KI und Europa-Expansion sind strategisch nachvollziehbar, aber sie kosten Geld, das aktuell schwerer zu verdienen ist als noch vor einem Jahr.

Für mich überwiegen derzeit die Risiken die Wachstumsstory – nicht, weil Xiaomi nichts richtig macht, sondern weil die Rechnung aus Ambition und Ertrag momentan nicht aufgeht. Wer auf den langfristigen Plan setzt, muss bereit sein, die kurzfristige Volatilität und Margenschwäche mitzutragen.

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