Xiaomi Aktie: Rückkauf über 20 Milliarden

Xiaomis größtes Aktienrückkaufprogramm kann den anhaltenden Kursverfall nicht bremsen. Chipkrise und Verluste im EV-Geschäft belasten den Konzern schwer.

Die Kernpunkte:
  • Größtes Rückkaufprogramm der Firmengeschichte
  • Chipkrise belastet Smartphone-Sparte massiv
  • EV-Sparte schreibt hohe operative Verluste
  • F&E-Ausgaben trotz Gewinnrückgang erhöht

Starkes Signal, null Wirkung. Xiaomi legt das größte Aktienrückkaufprogramm der Konzerngeschichte auf — und der Kurs fällt trotzdem weiter. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 45 Prozent verloren, in den vergangenen zwölf Monaten sogar 63 Prozent.

Das größte Rückkaufprogramm reicht nicht

Seit dem 2. Juni 2026 darf Xiaomi eigene Class-B-Aktien für bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar zurückkaufen. Das Mandat läuft zwölf Monate. In einzelnen Handelssitzungen kauft das Unternehmen bereits für über 100 Millionen Hongkong-Dollar zurück.

Unter dem Vorgängerprogramm hatte Xiaomi rund 400 Millionen Aktien für etwa 14,6 Milliarden Hongkong-Dollar erworben. Das neue Programm setzt also noch eine Schippe drauf. Bislang wurden rund 30 Millionen Aktien zurückgekauft — 0,12 Prozent des ausstehenden Kapitals. Der Kurs steht trotzdem bei 2,46 Euro, knapp über dem 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro.

Chip-Krise trifft das Kerngeschäft

Der eigentliche Grund für den Absturz liegt im Speicherchipmarkt. Smartphone-Chips haben sich in den vergangenen Monaten verfünffacht, TV-Chips sogar verzehnfacht. Hyperscaler wie Microsoft, Google und Amazon saugen die Kapazitäten von Samsung, SK Hynix und Micron auf — für KI-Anwendungen zahlen sie mehr. Xiaomis Smartphone-Geschäft geht leer aus.

Das schlägt direkt in die Zahlen. Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz um knapp 11 Prozent auf 99,1 Milliarden Yuan ein. Der bereinigte Nettogewinn fiel um 43 Prozent auf 6,1 Milliarden Yuan — und verfehlte damit die Analystenerwartung von 6,4 Milliarden Yuan. Das operative Ergebnis kollabierte um 70 Prozent.

Jefferies hat darauf reagiert und die Aktie von „Hold“ auf „Underperform“ herabgestuft. Das neue Kursziel liegt bei 25,49 Hongkong-Dollar — rund 10 Prozent unter dem damaligen Kurs. Die Bank rechnet mit einem Umsatzrückgang von 10 Prozent für das Gesamtjahr 2026 und hält das Management-Ziel einer Smartphone-Bruttomarge von 8 Prozent angesichts der gestiegenen Chippreise für unrealistisch.

EV-Sparte: 5.600 Dollar Verlust pro Auto

Xiaomis Elektroauto-Geschäft macht die Lage noch schwieriger. Im ersten Quartal schrieb die Sparte einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan — das entspricht rund 5.600 Dollar je ausgeliefertem Fahrzeug. Zwei Quartale zuvor hatte das Segment noch die Gewinnschwelle erreicht. Die Bruttomarge sank von 23,2 auf 20,1 Prozent.

Das Jahresziel von 550.000 Auslieferungen ist kaum noch erreichbar. Bis Ende Mai lieferte Xiaomi 150.317 Fahrzeuge aus. Von Juni bis Dezember müsste das Unternehmen monatlich rund 57.500 Einheiten absetzen — fast 15 Prozent mehr als der bisherige Monatsrekord von 50.000 Fahrzeugen. Jefferies kalkuliert intern bereits mit nur 495.000 Einheiten.

Counterpoint Research erwartet hohe Speicherchippreise bis Ende 2027. Das ist der strukturelle Rahmen, in dem Xiaomi operiert.

Forschung als Langfriststrategie

Trotz des Ergebnisdrucks dreht Xiaomi an der Investitionsschraube. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben stiegen im ersten Quartal um 33 Prozent auf 9,0 Milliarden Yuan. Das langfristige Investitionsversprechen lautet 200 Milliarden Yuan über fünf Jahre — davon mehr als 60 Milliarden Yuan allein für Künstliche Intelligenz.

Der RSI liegt bei 19,8 und signalisiert einen technisch stark überverkauften Zustand. Der konkrete nächste Prüfstein ist der Quartalsbericht am 26. August 2026. Dort muss Xiaomi zeigen, ob die Smartphone-Margen trotz Chipkrise stabil bleiben und ob das EV-Geschäft wieder in Richtung Gewinnschwelle dreht — sonst dürfte auch das Rückkaufprogramm weiter verpuffen.

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