Xiaomi Aktie: Sky Nomad greift Li Auto an
Xiaomi präsentiert die neue SUV-Marke Sky Nomad mit EREV-Antrieb und greift damit Li Auto und Aito im chinesischen Familiensegment an.

- Neue SUV-Marke Sky Nomad vorgestellt
- EREV-Antrieb mit über 1.500 km Reichweite
- Direkte Konkurrenz zu Li Auto und Aito
- Aktie erholt sich trotz Jahresverlusten
Xiaomi wagt den nächsten Schritt im Automarkt. Der Technologiekonzern hat eine komplett neue Fahrzeugmarke vorgestellt – und tritt damit direkt gegen die bisherigen Platzhirsche im chinesischen SUV-Segment an. Das Timing ist kein Zufall: Im Kerngeschäft mit Smartphones lässt das Wachstum spürbar nach.
Sky Nomad: Neue Marke für Reichweitenverlängerer
Am Donnerstag präsentierte Xiaomi die SUV-Serie „Sky Nomad“, in China unter dem Namen Pengcheng bekannt. Firmenchef Lei Jun kündigte die Modelle auf seinem Weibo-Account an. Es soll sich um „smarte, vielseitige, geräumige“ SUVs handeln.
Technisch setzt Xiaomi auf sogenannte EREV-Fahrzeuge. Das sind Plug-in-Hybride mit einem Verbrennungsmotor, der als Generator die Batteriereichweite verlängert. Diese Antriebsform sitzt zwischen klassischen Hybriden und reinen Elektroautos – und wurde vor allem durch Li Auto in China populär gemacht.
Das erste Modell trägt intern den Codenamen N90 beziehungsweise Kunlun N3. Mit 5,3 Metern Länge und 3,1 Metern Radstand ist es ein großes SUV, verfügbar als Fünf- oder Siebensitzer. Ein 1,5-Liter-Turbo-Reichweitenverlängerer kombiniert sich mit einem Batteriepaket von über 70 kWh. Das Ergebnis: 400 bis 500 Kilometer rein elektrische Reichweite, über 1.500 Kilometer Gesamtreichweite.
Direkter Angriff auf Li Auto und Aito
Mit Sky Nomad bringt sich Xiaomi in unmittelbare Konkurrenz zu Li Auto und dem von Huawei unterstützten Aito. Beide Marken dominieren bislang das lukrative Segment familienorientierter SUVs in China.
Den Markennamen hatte Xiaomi bereits am 8. Juli per Teaser-Post enthüllt. Lei Jun teilte damals nur ein Plakat und kündigte den Marktstart „in Kürze“ an, ohne Details zu nennen. Am Donnerstag lieferte er die fehlenden Informationen nach.
Lei Jun positioniert die neue Marke bewusst neben dem bestehenden Portfolio. Die SU7/YU7-Serie beschreibt er als „Fahrerauto“. Sky Nomad dagegen soll ein „intelligentes, wandelbares SUV mit großem Raumangebot“ sein – eine zweite Antwort auf unterschiedliche Kundenbedürfnisse, die Xiaomi über fünf Jahre Automobilbau entwickelt hat.
Als Begründung nennt Lei veränderte Ansprüche der Käufer. Ein Auto sei für viele längst kein reines Transportmittel mehr. Es solle ein zweites Zuhause sein, ein zusätzlicher beweglicher Raum.
Autosparte wird zum zweiten Standbein
Die neue Marke fällt in eine Phase, in der Xiaomis Autogeschäft rasant an Bedeutung gewinnt. Mit der SU7-Limousine und dem YU7-Crossover hat sich die EV-Sparte binnen zwei Jahren zu einer tragenden Umsatzsäule entwickelt.
Die Nachfragezahlen untermauern das. Bis Ende Juni lieferte Xiaomi in China 258.232 Einheiten des YU7 aus, seit dessen Marktstart im Juni 2025. Zum Vergleich: Tesla verkaufte im selben Zeitraum 471.207 Model Y in China, wie Daten der Handelsplattform DCar zeigen.
Trotz starker Inlandsnachfrage bleibt ein Problem ungelöst. Xiaomi hat seine Fahrzeuge bislang nicht exportiert – anders als viele chinesische Konkurrenten. Der Heimatmarkt schwächelt zusehends. Für kommendes Jahr plant der Konzern den Einstieg in Europa.
Aktie erholt sich, bleibt aber unter Druck
Am Kapitalmarkt zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Xiaomi-Aktie schloss am Donnerstag bei 2,80 Euro, nach einem Plus von 5,79 Prozent auf Wochensicht. Auf Monatssicht steht dagegen ein Minus von 3,86 Prozent zu Buche.
Der langfristige Trend bleibt schwach. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie 37,56 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar 54,80 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,51 Euro aus dem September 2025 ist der Titel damit fast 57 Prozent entfernt.
Zum jüngsten 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro vom 26. Juni beträgt der Abstand knapp 20 Prozent. Der Kurs notiert derzeit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 3,01 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,90 Euro. Ein RSI von 52,8 zeigt eine neutrale Marktlage, weder überkauft noch überverkauft.
Warum das EREV-Segment lukrativ ist
Der Vorstoß ins EREV-Segment hat strategisches Gewicht. Reichweitenverlängerer-SUVs bilden im chinesischen Familienmarkt eine besonders profitable Nische. Li Auto hat mit diesem Konzept schon Jahre vor den meisten batterieelektrischen Start-ups profitabel gewirtschaftet.
Mit über 70 kWh Batteriekapazität und bis zu 500 Kilometern rein elektrischer Reichweite ist der N90 im Alltag faktisch ein großes Elektroauto. Der Benzingenerator dient lediglich als Absicherung für längere Strecken.
Konkrete Preise oder ein Verkaufsstart stehen noch aus. Xiaomi hat dazu bislang keine offiziellen Angaben gemacht.
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