Xiaomi Aktie: Speicherpreise verfünffacht

Xiaomi kämpft mit massiv gestiegenen Speicherpreisen durch den KI-Boom, während das Autogeschäft noch Verluste schreibt und die Aktie weiter fällt.

Die Kernpunkte:
  • Speicherpreise haben sich verfünffacht
  • Handyverkäufe brechen um 24 Prozent ein
  • Autosparte schreibt weiter Verluste
  • Mitgründer plant Milliarden-Aktienverkauf

Nvidia, TSMC und Samsung feiern historische Rekorde. Sie profitieren massiv vom globalen Aufbau neuer KI-Rechenzentren. Die Smartphone-Branche zahlt derweil die Zeche. Kaum ein Großkonzern spürt diese Kehrseite des KI-Booms so schmerzhaft wie Xiaomi.

Wenn der KI-Boom teuer wird

Die Erklärung ist simpel. Speicherchips fließen in Massen in lukrative KI-Server. Zulieferer schichten ihre Produktionskapazitäten um. Die Smartphone-Industrie darbt beim Standard-DRAM.

Xiaomi-Präsident Lu Weibing macht eine bittere Rechnung auf. Die Speicherpreise haben sich seit Herbst 2025 verfünffacht. Die Kosten für TV-Display-Speicher stiegen sogar auf das Zehnfache.

Für Xiaomi ist das kein temporärer Effekt. Konzernchef Lei Jun rechnet mit einer Margenbelastung für mindestens zwei weitere Jahre. Diese bemerkenswert offene Ansage offenbart den strukturellen Druck im Kerngeschäft.

Die jüngsten Verkaufszahlen liefern den Beleg. Während des chinesischen „618“-Shoppingfestivals brachen Xiaomis Handy-Verkäufe um 24 Prozent ein. Der Gesamtmarkt schrumpfte laut Counterpoint Research lediglich um 13 Prozent.

Der Absturz hat einen klaren Grund. Explodierende Einkaufspreise für Module verhindern Rabatte im Handel. Die Folge: Xiaomi stand vor der Wahl zwischen Marge und Marktanteil. Am Ende verlor das Unternehmen preissensible Kunden an die Konkurrenz.

Die Auto-Wette als riskante Flucht

Parallel dazu sucht Xiaomi einen Ausweg im Mobilitätssektor. Die neue Elektroauto-Sparte soll die schwächelnden Smartphone-Margen künftig kompensieren. Die Rechnung geht aktuell noch nicht auf. Das Automobilgeschäft verzeichnet weiterhin operative Verluste.

Derweil muss der Konzern ehrgeizige Auslieferungsziele für seine Fahrzeuge erreichen. Diese Zwei-Fronten-Situation erklärt die anhaltende Schwäche der Aktie.

Ein massiver Insiderverkauf verschärft die Lage. Mitgründer Lin Bin plant laut Berichten den Verkauf von Aktien. Das Volumen liegt bei bis zu zwei Milliarden US-Dollar. Ein solcher Schritt sendet in einer fragilen Marktphase ein fatales Signal.

Charttechnik bestätigt die Misere

Die Börse quittiert dieses Dilemma. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 2,81 Euro. Das bedeutet ein Plus von gut sechs Prozent auf Wochensicht.

Der Kurs löst sich damit leicht vom letzten Tiefpunkt. Diese charttechnische Marke von 2,34 Euro testete das Papier erst Ende Juni 2026.

Die langfristige Bilanz bleibt katastrophal. Seit Jahresanfang verlor Xiaomi rund 37 Prozent an Wert. Binnen zwölf Monaten halbierte sich der Kurs nahezu mit einem Minus von knapp 55 Prozent.

Auch die Trendlinien signalisieren Schwäche. Der Kurs notiert klar unter der kurzfristigen Durchschnittslinie von 3,01 Euro. Der langfristige Trendindikator verläuft bei 3,90 Euro.

Trotz der Kursverluste gehört Xiaomi nicht zu den Zwergen. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 67 Milliarden Euro verteidigt der Konzern sein Gewicht im Technologiesektor.

Eine Frage der Struktur

Das Schicksal des Unternehmens liefert ein Lehrstück über das KI-Zeitalter. Wer Endgeräte baut und keine eigenen KI-Chips verkauft, gerät zwischen die Fronten. Der Konzern kauft teure Bauteile ein, profitiert aber kaum von der enormen KI-Wertschöpfung.

Solange diese Kostenstruktur bestehen bleibt, drängt die Zeit. Lei Jun erwartet keine schnelle Entspannung bei den Chip-Preisen. Das Autogeschäft muss extrem schnell skalieren, um die Lücken im Smartphone-Segment zu schließen. Die jüngste Kurserholung ändert an diesem strukturellen Defizit wenig.

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