Xiaomi vor dem Chip-Debüt: Wird der Eigenprozessor zum Kurstreiber?

Xiaomi stellt eigenen Smartphone-Prozessor vor, während der Nettogewinn um 42,6% einbricht. Der Chip soll das Premium-Segment stützen, doch Analysten bleiben skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Eigenentwickelter Prozessor für Falt-Handy
  • Nettogewinn bricht um 42,6% ein
  • EV-Verluste belasten die Bilanz
  • Aktienrückkauf signalisiert Management-Vertrauen

Ausgangslage

Xiaomi hat am Montag einen selbst entwickelten Smartphone-Prozessor vorgestellt, der im kommenden Flaggschiff-Falt-Smartphone zum Einsatz kommen soll. Für dieses Gerät nennt Xiaomi ein Absatzziel von 200.000 bis 300.000 Einheiten.

Der Zeitpunkt ist heikel: Erst vor gut einer Woche hatte Xiaomi Quartalszahlen vorgelegt, die zeigten, wie sehr das Kerngeschäft unter Druck steht. Der bereinigte Nettogewinn brach um 42,6 Prozent auf 6,22 Milliarden Yuan ein, deutlich unter der Markterwartung von 6,6 Milliarden Yuan.

Gestiegene Speicherchip-Kosten und anhaltende Verluste im Elektroauto-Segment drückten auf die Marge, die von 22,5 auf 19,8 Prozent fiel. Seit der Zahlenvorlage hat sich die Aktie um 9,4 Prozent erholt – die neue Chip-Ankündigung trifft also auf ein Papier, das gerade erst Boden gutmacht.

Für Anleger stellt sich damit eine konkrete Frage: Reicht die Eigenentwicklung im Halbleiterbereich, um die strukturellen Probleme im Smartphone-Geschäft zu kompensieren – oder bleibt sie ein Nischenprojekt ohne kurzfristige Ergebniswirkung?

Die entscheidende Frage

Der Kern der Debatte liegt im Smartphone-Geschäft selbst. Die weltweiten Auslieferungen fielen im Berichtsquartal um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Einheiten, der Smartphone-Umsatz sank um 7,5 Prozent auf knapp 42,119 Milliarden Yuan.

Nomura begründete seine „Neutral“-Einstufung vom 19. August mit einem gegenläufigen Effekt: Der durchschnittliche Verkaufspreis bei Smartphones legte um 26 Prozent zu, gestützt auch durch höhere IoT-Umsätze.

Die entscheidende Kennzahl für die kommenden Quartale ist also, ob Xiaomi den Absatzrückgang weiter durch höhere Durchschnittspreise ausgleichen kann – und ob der neue Prozessor dazu beiträgt, indem er Premium-Geräte wie das Falt-Smartphone stützt, oder ob er wegen der kleinen Stückzahl von 200.000 bis 300.000 Einheiten kaum ins Gewicht fällt.

Bullisches Szenario

Gelingt es Xiaomi, den Eigenchip erfolgreich im Flaggschiff-Segment zu positionieren, könnte das die Preisdurchsetzung weiter stärken – ein Effekt, der sich laut Nomura bereits beim ASP-Anstieg zeigt.

Parallel dazu läuft das Aktienrückkaufprogramm: Bis zum 13. August erwarb Xiaomi rund 377,5 Millionen eigene Aktien im Wert von 11,7 Milliarden Hongkong-Dollar, was als Signal für das eigene Vertrauen des Managements gewertet werden kann.

Auch im Elektroauto-Geschäft gibt es Fortschritt: Die Auslieferungen stiegen im Berichtsquartal um 28,2 Prozent auf 104.199 Fahrzeuge, und Xiaomi hat das Jahresziel für 2026 auf 550.000 Fahrzeuge angehoben. Sollte die für September geplante SkyNomad-Serie zusätzlichen Schwung bringen, könnte sich die seit der Zahlenvorlage begonnene Erholung fortsetzen.

Bärisches Szenario

Dagegen steht ein ernstzunehmendes Risiko: Analyst Astrada Advisors stufte Xiaomi bereits Mitte Juli von „Buy“ auf „Hold“ zurück, mit Verweis auf Zweifel an der Erreichbarkeit des EV-Auslieferungsziels – zum damaligen Zeitpunkt waren erst 185.000 Fahrzeuge im ersten Halbjahr ausgeliefert worden, die monatliche Rate hinkte den Anforderungen hinterher. Das Elektroauto-Segment verbuchte im Berichtsquartal weiterhin einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan.

Auch das Kerngeschäft bleibt fragil: Ein Rückgang der Auslieferungen um mehr als ein Viertel binnen Jahresfrist lässt sich nicht dauerhaft allein über höhere Preise kompensieren, sollte die Nachfrage weiter schwächeln. Der neue Prozessor ist zudem zunächst auf ein Nischenprodukt beschränkt – ob er sich auf die breite Modellpalette übertragen lässt, ist offen.

Ausblick

Solange Xiaomi den Preisauftrieb im Smartphone-Geschäft aufrechterhält und das angehobene EV-Ziel von 550.000 Fahrzeugen als realistisch gilt, dürfte die jüngste Kurserholung Bestand haben.

Kippt hingegen die Auslieferungsdynamik bei den Elektroautos erneut, oder zeigt sich, dass der ASP-Anstieg allein die Volumenverluste im Smartphone-Geschäft nicht mehr trägt, droht ein Rückfall in Richtung der Tiefstände der vergangenen Monate.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Marktstart der SkyNomad-Serie im September, gefolgt von den Auslieferungszahlen zum Elektroauto-Jahresziel, die zeigen werden, ob Xiaomi sein ambitioniertes Wachstumsversprechen einlösen kann.

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