Xiaomi vor Produktoffensive: Wird die Margen-Frage zur Belastung für die Aktie?

Xiaomi erhöht Smartphonepreise wegen teurer Speicherchips, während das Autogeschäft wächst, aber im ersten Halbjahr 5,7 Milliarden Yuan verlor.

Die Kernpunkte:
  • Smartphonepreise steigen um bis zu 1000 Yuan
  • Speicherkosten vervierfachten sich binnen Jahresfrist
  • Elektroauto-Auslieferungen bleiben über 30.000
  • Autobereich meldet 5,7 Milliarden Yuan Verlust

Ausgangslage

Xiaomi steckt mitten in einer Doppelstrategie: Expansion im Elektroauto-Geschäft und gleichzeitig steigender Kostendruck im Smartphone-Kerngeschäft. Am heutigen Dienstag zogen Xiaomi, Huawei und Honor die Preise mehrerer Smartphone-Modelle an – bei Spitzenmodellen um bis zu 1000 Yuan.

Xiaomi-Präsident Lu Weibing nannte den Grund direkt: Die Speicherkosten hätten sich im ersten Quartal 2026 fast vervierfacht gegenüber dem Vorjahr. Der Marktforscher TrendForce bestätigt den Trend mit DRAM-Vertragspreisen, die im dritten Quartal 2026 um 13 bis 18 Prozent steigen sollen.

Parallel dazu meldete Xiaomi für August den fünften Monat in Folge mehr als 30.000 ausgelieferte Elektrofahrzeuge, die exakte Zahl hält das Unternehmen aber zurück. In den ersten acht Monaten des Jahres kamen rund 246.300 Fahrzeuge zusammen – etwa 44,8 Prozent des Jahresziels von 550.000 Einheiten.

Im September soll mit dem Sky Nomad die nächste Baureihe folgen. Diese Gleichzeitigkeit aus Kostendruck im Stammgeschäft und Wachstumstempo im Autogeschäft prägt die Lage, in der sich Anleger jetzt positionieren müssen.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Punkt für die kommenden Monate ist, ob Xiaomi die steigenden Speicherkosten an Kunden weiterreichen kann, ohne dass die Smartphone-Absätze leiden – und ob das Elektroauto-Segment schnell genug profitabel wird, um die Belastung im ersten Halbjahr auszugleichen. Dort stand einem Umsatzplus von 12 Prozent im Auto- und KI-Geschäft ein operativer Verlust von 5,7 Milliarden Yuan gegenüber.

Im zweiten Quartal 2026 verbesserte sich das Bild bereits: Der Umsatz des Smart-EV/AI-Bereichs legte um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Yuan zu, die Fahrzeugauslieferungen stiegen um 28,2 Prozent auf 104.199 Einheiten. Ob dieser Trend anhält, entscheidet, wie stark das Autogeschäft die Konzernmarge künftig stützt oder weiter belastet.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die technologische Flankierung. Der chinesische Speicherhersteller CXMT hat Ende August die Serienproduktion von LPDDR6-Speicherchips gestartet – weltweit als erster Anbieter. Das neue Xiaomi 18 Fold, das im September in China starten soll, wird als erstes Smartphone diesen Speicher nutzen, kombiniert mit dem hauseigenen Chip Xring O3, dessen Bandbreite gegenüber dem Vorgänger um 48 Prozent steigt.

Gelingt es Xiaomi, über heimische Zulieferer wie CXMT unabhängiger von Samsung, SK Hynix und Micron zu werden, könnte sich der Kostendruck mittelfristig abschwächen. Im Autogeschäft liefert die für März geplante Modellauffrischung des SU7 mit größerer Reichweite und neuer Sensorik zusätzliche Wachstumsimpulse, während die Auslieferungszahlen bereits jetzt stabil über der 30.000er-Marke liegen.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kombination aus zwei Belastungsfaktoren. Der Speicherkosten-Schock trifft die gesamte Branche: Der DRAM-Exportpreis aus Südkorea stieg bis Ende Juli um 24,3 Prozent, der Preis für HBM-Chips überschritt erstmals 70 US-Dollar pro Einheit.

Reicht Xiaomi diese Kosten über Preiserhöhungen weiter, drohen Nachfrageeinbußen bei preissensiblen Kunden – zumal es bereits die zweite Preisanhebung binnen eines Monats für Modelle wie das Mi 17 und das Redmi K90 ist.

Gleichzeitig bleibt das Autogeschäft trotz Wachstums ein Verlustbringer: Der Halbjahresverlust von 5,7 Milliarden Yuan zeigt, dass Skaleneffekte noch nicht ausreichen. Sollte sich der Wettbewerb im chinesischen EV-Markt weiter verschärfen – Rivalen wie Huaweis HIMA-Marke meldeten für August bereits sinkende Auslieferungen –, könnte der Weg zur Profitabilität länger dauern als geplant.

Ausblick

Die Aktie notiert aktuell bei 3,02 Euro und damit rund 54 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro, das im September 2025 markiert wurde – ein Abstand, der die Skepsis des Marktes gegenüber der aktuellen Gewinnentwicklung widerspiegelt.

Solange die Auslieferungszahlen im Autogeschäft über der 30.000er-Schwelle bleiben und die Margenverbesserung aus dem zweiten Quartal sich fortsetzt, bleibt das Wachstumsnarrativ intakt. Kippt hingegen die Kostenspirale bei Speicherchips weiter nach oben, ohne dass CXMT und Xiaomis eigene Chipentwicklung ausreichend Entlastung bringen, dürfte der Druck auf die Konzernmarge zunehmen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Marktstart von Sky Nomad und Xiaomi 18 Fold im September, gefolgt von den nächsten Quartalszahlen, die zeigen müssen, ob sich der positive Trend aus dem zweiten Quartal 2026 fortsetzt.

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