XPeng Aktie: 10.000er-Fabrik für fliegende Autos fertig
XPeng liefert im Juli nur vier Prozent mehr Fahrzeuge aus, während Rivale Leapmotor erstmals 100.000 Einheiten knackt. Die Expansion ins Ausland und die Serienfertigung fliegender Autos sollen das Wachstum neu beleben.

- Juli-Auslieferungen steigen nur um vier Prozent
- Leapmotor überholt XPeng mit 100.000 Einheiten
- Serienfabrik für fliegende Autos fertiggestellt
- Aktie notiert 53,77 Prozent unter 52-Wochen-Hoch
38.027 ausgelieferte Fahrzeuge im Juli, ein Plus von vier Prozent zum Vorjahr. Auf den ersten Blick ein solides Ergebnis für XPeng. Auf den zweiten Blick ein Alarmsignal — denn während XPeng um wenige Prozentpunkte wächst, hat der Rivale Leapmotor erstmals die Marke von 100.000 Fahrzeugen in einem einzigen Monat geknackt.
Der chinesische Elektroauto-Markt sortiert sich gerade neu. Und XPeng steht mittendrin in einem Gedränge, das dem Unternehmen wenig Luft zum Atmen lässt.
Die 30.000er-Falle
XPeng, NIO und Li Auto kämpfen inzwischen alle im selben engen Korridor zwischen 30.000 und 38.000 Auslieferungen pro Monat. NIO kam im Juli auf 35.934 Einheiten, Li Auto auf über 30.000. XPeng führt das Trio knapp an — aber ein knapper Vorsprung ist kein Wachstumsversprechen.
Die Zahlen summieren sich zwar auf über 1,2 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge seit Firmengründung, ein Meilenstein. Trotzdem verpufft die Symbolik gegen die Realität: Wenn ein Newcomer wie Leapmotor dreistellig wächst und etablierte Namen bei niedrigen einstelligen Prozentzahlen verharren, verschiebt sich die Kräfteordnung im Markt. XPeng wirkt in seinem angestammten Kerngeschäft zunehmend saturiert.
Die Börse hat diese Botschaft längst eingepreist. Der Titel notiert 28,36 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 15,75 Euro — ein Zeichen, dass die langfristige Stimmung skeptisch bleibt, ungeachtet kleinerer kurzfristiger Erholungsversuche.
Der Ausweg heißt Ausland
XPeng antwortet auf den heimischen Preisdruck mit einer Flucht nach vorn: internationale Expansion in großem Stil. Mitte Juli stellte das Unternehmen in München sein neues Modell L03 vor, einen elektrischen Fastback für rund 34.990 Euro. Direkte Konkurrenten sind Teslas Model Y und die ID-Reihe von Volkswagen.
Der Plan ist ambitioniert: Markteintritt in 65 Ländern, dazu fünf neue Modelle für Australien allein in der zweiten Jahreshälfte. Mit einer 400-Volt-Architektur und KI-gestützten Funktionen setzt XPeng darauf, im Ausland höhere Margen zu erzielen als im chinesischen Preiskampf, wo Rabattschlachten die Gewinne auffressen.
Ob das gelingt, ist offen. Klar ist aber, dass China als alleiniger Wachstumstreiber für XPeng ausgedient hat.
Fliegende Autos als zweites Standbein
Der eigentlich spannendste Teil der Strategie hat nichts mit klassischen SUVs zu tun. XPengs Tochtergesellschaft ARIDGE — vormals XPeng Aeroht — hat in Guangzhou die nach eigenen Angaben weltweit erste Serienfabrik für fliegende Autos fertiggestellt.
Die Anlage ist auf eine Jahreskapazität von 10.000 Einheiten ausgelegt. Über 7.000 Vorbestellungen liegen bereits für den „Land Aircraft Carrier“ vor, ein modulares Fahrzeug mit abnehmbarem eVTOL-Modul. Die Serienproduktion soll noch 2026 anlaufen, erste Kundenauslieferungen sind für das Jahresende geplant.
Auf der WAIC 2026 in Shanghai zeigte XPeng zudem neue KI-Weltmodelle, trainiert mit synthetischen Daten. Das Ziel: intelligente Assistenzsysteme, die künftige Cockpit-Generationen prägen sollen. Während Wettbewerber noch über Reichweite und Ladezeiten sprechen, versucht XPeng, eine völlig neue Kategorie zu besetzen, in der es noch keine etablierte Konkurrenz gibt.
Zwei Wetten in einer Aktie
Der Aktienkurs spiegelt diese Zerrissenheit. Zum Freitagsschluss bei 11,28 Euro liegt der Titel 53,77 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 24,40 Euro aus dem November 2025 — ein deutlicher Absturz seit dem Höhenflug vor knapp einem Dreivierteljahr. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37,51 Prozent zu Buche.
Trotzdem bewerten Analysten das Papier deutlich optimistischer als der Markt aktuell. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 19,47 Euro — ein theoretisches Aufwärtspotenzial von 72,6 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Diese Diskrepanz zeigt, wie gespalten die Einschätzung zu XPeng derzeit ausfällt.
Wer XPeng heute kauft, kauft nicht in erster Linie einen Autobauer mit 38.000 Auslieferungen im Monat. Er kauft eine Wette darauf, dass ein chinesischer Hersteller mit fliegenden Autos, KI-Weltmodellen und einer Expansion in 65 Länder die Regeln der Branche neu schreiben kann, bevor der heimische Preiskampf die Substanz aufzehrt. Bei einer Marktkapitalisierung von 10,78 Milliarden Euro ist das kein günstiger Einstieg in Stabilität — sondern ein Ticket in ein Labor, dessen Ausgang noch niemand kennt.
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