XPeng Aktie: 166.000 Auslieferungen, -15,8 Prozent
XPeng verfehlt im zweiten Quartal die Erwartungen, erhöht den Verlust und senkt den Ausblick, während die Robotiksparte Kapital anzieht.

- Quartalsumsatz bleibt hinter Prognosen
- Nettoverlust steigt auf 1,34 Milliarden Yuan
- Auslieferungen im Halbjahr rückläufig
- Robotik erhält über 900 Millionen Dollar
XPeng steckt in einem Dilemma, das sich nicht wegdiskutieren lässt: Das Autogeschäft blutet, während die Robotik-Sparte gefeiert wird. Für mich ist genau diese Gleichzeitigkeit der Schlüssel, um die aktuelle Kursschwäche richtig einzuordnen.
Am Montag legte XPeng Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor, die die Erwartungen verfehlten. Der Umsatz stieg zwar um 8 Prozent auf 19,74 Milliarden Yuan, blieb aber unter der Analystenschätzung von rund 2,95 Milliarden Dollar. Schwerer wiegt der Nettoverlust: Er weitete sich von 480 Millionen Yuan im Vorjahr auf 1,34 Milliarden Yuan aus.
Der bereinigte Verlust pro ADS von 1,29 Yuan lag deutlich über der Konsensschätzung von 0,91 Yuan. Für das erste Halbjahr insgesamt summierte sich der Nettoverlust auf 3,12 Milliarden Yuan – eine Verschlechterung um 173 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Aus meiner Sicht ist das kein einmaliger Ausrutscher, sondern Ausdruck struktureller Probleme im Kerngeschäft. Die Fahrzeugauslieferungen im ersten Halbjahr sanken um 15,8 Prozent auf 166.000 Einheiten.
Zwar erholte sich das zweite Quartal mit 103.295 ausgelieferten Fahrzeugen sequenziell um 64,8 Prozent, im Jahresvergleich stagnierte die Zahl aber praktisch bei einem Plus von nur 0,1 Prozent. Wer hier von Wachstum spricht, verwechselt eine Erholung von einem schwachen Vorquartal mit echter Nachfragedynamik.
Die Prognose spricht eine deutliche Sprache
Besonders aufschlussreich finde ich den Ausblick für das dritte Quartal. XPeng erwartet 115.000 bis 121.000 Auslieferungen und einen Umsatz zwischen 21,7 und 23,4 Milliarden Yuan – deutlich unter der FactSet-Konsensschätzung von 26,69 Milliarden Yuan.
Selbst am oberen Ende der eigenen Spanne bliebe das Unternehmen damit unter den Erwartungen des Marktes. Das ist für mich der eigentliche Grund, warum die Aktie seit Montag unter Druck steht und die Verkaufswelle bis in den heutigen Handel hineinreicht: minus 2,7 Prozent auf 9,79 Euro, nach einem Schlusskurs von 10,06 Euro am Mittwoch. Binnen 30 Tagen hat das Papier bereits 12 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 46 Prozent.
Immerhin: Die Profitabilität pro Fahrzeug entwickelt sich entgegen dem Trend positiv. Die Bruttomarge kletterte von 17,3 auf 20,7 Prozent, die Fahrzeugmarge hielt sich bei 12,1 Prozent. Das zeigt, dass XPeng nicht auf Kosten der Marge Volumen erkauft – sondern schlicht zu wenig Fahrzeuge verkauft, um die Fixkosten zu decken.
Die Auslandsauslieferungen wuchsen im zweiten Quartal um 81 Prozent auf über 20.000 Einheiten, und der Auslandsanteil am Halbjahresumsatz überstieg 25 Prozent. Das passt zu einem Branchenmuster, das über XPeng hinausreicht: Während Chinas Inlandsverkäufe von Pkw im Juli um 21 Prozent einbrachen, sprangen die Exporte um 87,8 Prozent. Wer im Inland nicht mehr wächst, muss zwangsläufig nach draußen.
Robotik als Hoffnungsträger – aber noch ohne Cashflow-Beitrag
Am selben Tag wie die enttäuschenden Zahlen verkündete XPeng eine Finanzierungsrunde für seine Robotik-Sparte: Über 900 Millionen US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 6,2 Milliarden Dollar, angeführt von IDG Capital, mit Tencent und Alibaba als strategischen Investoren.
Laut Unternehmensangaben ist dies die größte private Einzelfinanzierung, die je in Chinas Embodied-AI-Branche abgeschlossen wurde. Der humanoide Roboter IRON soll bis Jahresende in Serie gehen, zunächst nur in eigenen Stores und auf dem Campus, externe Auslieferungen sind erst für 2027 geplant.
Ich sehe darin ein bemerkenswertes Signal für das langfristige Potenzial, aber keinen kurzfristigen Kurstreiber. Die Robotik-Bewertung von 6,2 Milliarden Dollar liegt rechnerisch bereits nahe an der aktuellen Gesamtmarktkapitalisierung von XPeng von 9,16 Milliarden Euro – doch bis daraus Umsatz und Cashflow werden, dürften Jahre vergehen. Das Kerngeschäft mit Elektroautos muss die Zeche in der Zwischenzeit weiter zahlen.
Auch von der Analystenseite kam am Montag wenig Trost. Barclays senkte das Kursziel auf 14 Dollar und blieb bei „Underweight“, Bernstein SocGen kappte auf 18 Dollar. Macquarie und Bank of America hielten trotz Kürzungen an positiveren Einstufungen fest, was zeigt, dass die Meinungen zum langfristigen Bild weiter auseinandergehen.
Unterm Strich überwiegt für mich derzeit die Skepsis: Das Autogeschäft schwächelt bei der Nachfrage, während die Verluste wachsen. Die Robotik-Story ist real und gut finanziert, aber sie ist eine Wette auf 2027 und darüber hinaus – kein Argument gegen die Zahlen von heute.
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