XPeng Aktie: Anlaufschwierigkeiten bei X9-Testwagen

Zertifikatserlöse und neue Modelle stützen XPengs Wachstum, während technische Probleme und ein schwacher Aktienkurs die Expansion belasten.

Die Kernpunkte:
  • Zertifikatverträge über eine Milliarde Yuan
  • Mehr als 500 Millionen Yuan Erlöse erwartet
  • P7 sammelte 10.000 Bestellungen in sieben Minuten
  • X9-Erprobungsfahrzeuge zeigten technische Anlaufschwierigkeiten

Auf den ersten Blick wirkt die Dynamik bei XPeng beeindruckend: Ein milliardenschwerer Geldsegen aus Europa, glänzende Bestellzahlen in China und das anstehende weltweite Debüt neuer Flaggschiffe zeigen einen Autobauer, der längst nicht mehr nur auf dem Heimatmarkt mitspielen will.

Doch wer genauer hinschaut, erkennt die Bruchlinien dieser rasanten Expansion. Für mich zeigt sich bei den Chinesen derzeit das klassische Bild eines Wachstumsunternehmens, dessen operative Ausführung dem eigenen Ambitionsniveau noch hinterherhinkt.

An der Börse herrscht jedenfalls spürbare Skepsis vor. Gestern beendete das Papier den Handel bei 8,45 Euro. Mit einem Einbruch von 53 Prozent seit Jahresanfang spiegelt die Bewertung nicht die kühnen Träume der Chefetage wider, sondern die harten Risiken des globalen Markthochlaufs. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief liegt bei mageren 1,6 Prozent – ein deutlicher Beleg für die anhaltende Zurückhaltung der Investoren.

Frische Milliarden durch europäische Regulierungsnot

Dabei beweist das Management durchaus Geschäftssinn, wenn es um das Ausnutzen regulatorischer Spielräume geht. Verträge über den Verkauf von CO₂-Zertifikaten an Porsche und weitere Hersteller für Märkte in der EU, Großbritannien und Australien summieren sich auf ein Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Yuan. Allein im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen daraus Erlöse von über 500 Millionen Yuan.

Aus meiner Sicht ist das ein ebenso bemerkenswerter wie willkommener Coup: Porsche verließ den konzerneigenen Volkswagen-Emissionspool und bildet für die Jahre 2026 und 2027 eine offene Gemeinschaft mit den Chinesen.

Angesichts drohender EU-Strafen von 95 Euro je überschrittenem Gramm Kohlendioxid pro Fahrzeug wandeln sich die Nullemissionsflotten aus China zu einer dringend benötigten Absicherung für etablierte Konzerne. Für den chinesischen Herausforderer bedeutet dies hochprofitable Einnahmen fast ohne zusätzlichen Kapitaleinsatz.

Rasantes Modelltempo mit Kinderkrankheiten

Dass die eigenen Fahrzeuge Begehrlichkeiten wecken können, bewies jüngst die Neuauflage der Limousine P7, die im Heimatmarkt binnen sieben Minuten 10.000 Bestellungen einsammelte. Zudem steht am 12. Oktober auf dem Pariser Autosalon das globale Debüt des SUV G9L an. Das Modell misst beachtliche 5.120 Millimeter in der Länge und soll in 64 Ländern und Regionen vermarktet werden.

Gleichzeitig wirft dieses atemberaubende Tempo dunkle Schatten. In den nächsten sechs Monaten plant der Hersteller fünf neue Modelle, darunter L03, X9L und GX. Wer jedoch die Berichte aus Australien und Neuseeland verfolgt, muss sich fragen, ob die Organisation diese Kadenz überhaupt bewältigen kann.

Bei Erprobungsfahrzeugen des Modells X9 räumte die Unternehmensführung bereits Anlaufschwierigkeiten ein – von Start- und Schaltfehlern über Ausfälle der Servolenkung bis hin zu streikenden Lade- und Multimediasystemen. Für ein Unternehmen, das sich über technologische Exzellenz definieren möchte, sind derartige Basismängel im Exportgeschäft ein veritabler Reputationsschaden.

Große Chip-Architektur, kleine Fehlertoleranz

Auf der Habenseite steht unbestritten die Eigenentwicklung von Schlüsseltechnologien. Mit dem hauseigenen Turing-Chip, der bis zu 750 TOPS Rechenleistung liefert, und dem Fahrassistenzsystem VLA 2.0 greift der Konzern technologisch nach der Spitze.

Jüngste Vergleichstests auf den Straßen Amsterdams mit Modellen wie dem L03 bescheinigen dem System eine vorausschauende Fahrweise, auch wenn Fahrer bei beiden Kontrahenten eingreifen mussten und beide Plattformen vorerst auf Level 2 verharren.

Unterm Strich steht das Unternehmen damit an einer entscheidenden Weggabelung. Die regulatorischen Einnahmen federn den Margendruck vorübergehend ab, und die technologische Substanz ist unverkennbar vorhanden.

Doch die Chancen auf eine nachhaltige Trendwende an den Finanzmärkten dürften erst dann überwiegen, wenn der Konzern beweist, dass er Software und Fahrzeugtechnik auch im Serienalltag fehlerfrei auf die Straße bringt. Solange die Qualitätskontrolle der weltweiten Expansion nicht hinterherkommt, bleibt die Skepsis der Anleger für mich vollkommen berechtigt.

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