XPeng Aktie: Iron-Roboter kommt Anfang 2027

XPeng wandelt sich vom Elektroauto-Hersteller zum KI-Robotik-Unternehmen, doch der Aktienkurs fällt weiter und der Markt bleibt skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Strategischer Wandel zu KI und Robotik
  • Humanoid Roboter "Iron" für 2027 angekündigt
  • Rückruf von 33.000 X9 Einheiten in China
  • Australien-Expansion trotz Rechtsstreit mit Ex-Partner

XPeng will nicht mehr nur Elektroautos bauen. Der chinesische Hersteller verkauft sich neu – als KI-Robotik-Konzern mit Fahrzeugsparte. Die Frage ist, ob der Markt diese Neuerfindung überhaupt goutieren will, während der Aktienkurs seit Jahresbeginn fast 40 Prozent verloren hat.

Am Freitag schloss die Aktie bei 10,86 Euro, ein Minus von 3,04 Prozent an einem einzigen Handelstag. Über die vergangenen sieben Tage summiert sich der Rückgang auf 5,89 Prozent. Für ein Unternehmen, das gerade seine gesamte Zukunftserzählung neu schreibt, ist das ein unbequemes Signal.

Abschied vom Reichweiten-Wettrüsten

Das Management hat eine klare Ansage gemacht: Die Zeit, in der Elektroautohersteller sich über Batteriereichweite und Ladegeschwindigkeit definieren, ist vorbei. XPeng setzt stattdessen auf künstliche Intelligenz als Kernkompetenz. Das ist keine reine Marketingfloskel – es steckt in der Produktpipeline.

Da ist der humanoide Roboter „Iron“, der Anfang 2027 in die Showrooms kommen soll. Da ist die Flugtaxi-Sparte, die nach eigenen Angaben bereits über 7.000 Vorbestellungen gesammelt hat. Und da ist der hauseigene Turing-KI-Chip, der zusammen mit der neuen VLA-2.0-Architektur Systeme wie den Navigation Guided Pilot antreibt.

Bemerkenswert ist vor allem, wen XPeng nicht mehr als Konkurrenz betrachtet. BYD, der Volumenriese der Branche, taucht in der Wahrnehmung des Managements kaum noch auf. Stattdessen orientiert sich XPeng an Tesla. Die Wette dahinter: Die Gewinner der Branche werden nicht über Fabrikkapazitäten entschieden, sondern über KI-Fähigkeiten.

Australien als Testfall für die globale Ambition

Wie ernst es XPeng mit der internationalen Expansion meint, zeigt sich gerade in Australien. Nach dem Bruch mit dem früheren Exklusivvertriebspartner TrueEV baut das Unternehmen dort seinen Marktauftritt komplett neu auf. Reibungslos verläuft das nicht – im Oktober stehen weitere Gerichtstermine im Rechtsstreit mit dem Ex-Partner an.

Trotzdem zieht sich XPeng nicht zurück. Das Unternehmen holt Hidesuke Takesue als neuen Australien-Chef und öffnet die Vorbestellungen für den X9 MPV zu rund 89.900 australischen Dollar. Fünf neue Modelle in sechs Monaten, 50 neue Verkaufsstellen – der Plan ist ambitioniert für ein Unternehmen, das zeitgleich zu Hause mit fallenden Kursen kämpft.

Ein Rückschlag kommt aus China selbst dazu: Ab Ende August ruft XPeng gut 33.000 Einheiten des X9 wegen möglicher Undichtigkeiten in der Luftfederung zurück. Kostenlose Reparaturen und eine verlängerte Achtjahresgarantie sollen den Ärger begrenzen. Der Rückruf erinnert daran, dass auch die technologisch ambitioniertesten Hersteller mit ganz klassischen Fertigungsproblemen kämpfen.

Zwischen Unterbewertung und Skepsis

Der Markt bleibt skeptisch gegenüber der KI-Erzählung. Mit einer Marktkapitalisierung von 10,37 Milliarden Euro notiert XPeng rund 32 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 15,94 Euro – ein Abstand, der zeigt, wie weit sich die Aktie von ihrem mittelfristigen Trend entfernt hat. Zum 52-Wochen-Tief von Ende Juni fehlen dagegen nur noch gut sechs Prozent.

Genau in dieser Spanne liegt die eigentliche Spannung für Anleger. Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von 19,57 Euro – theoretisch ein Aufwärtspotenzial von über 80 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Der RSI von 37,3 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin, während eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 43,25 Prozent klarmacht: Sollte sich der Kurs erholen, wird die Fahrt holprig.

Die eigentliche Wette von XPeng ist eine strukturelle: Robotaxis, Flugtaxis und humanoide Roboter sollen irgendwann größer werden als das klassische Autogeschäft. Bis dahin bleibt die Aktie an die Schwerkraft eines Elektroauto-Sektors gekettet, der binnen zwölf Monaten ein Drittel seines Werts verloren hat. Ob die KI-Strategie die Aktie tatsächlich von ihren hardwarelastigen Konkurrenten abkoppeln kann, entscheidet sich an der Frage, wie schnell aus Vorbestellungen und Prototypen echte Umsätze werden.

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