XPeng Aktie: Mona L03 wegen Chipmangel verzögert

XPeng kämpft mit KI-Chip-Engpässen beim Volumenmodell Mona L03, steigert aber die Produktionseffizienz und expandiert nach Südostasien. Die Aktie notiert nahe ihrem Jahrestief.

Die Kernpunkte:
  • KI-Chip-Mangel verzögert Mona-Produktion
  • Doppelschicht-Betrieb verdoppelt Effizienz
  • Markteintritt auf Philippinen angekündigt
  • Aktie verliert seit Jahresbeginn 42 Prozent

Es gibt diese Momente, in denen sich an einem einzelnen Unternehmen ablesen lässt, wie fragil die globale Elektroauto-Lieferkette wirklich ist. XPeng liefert gerade so einen Moment.

Während der chinesische Hersteller heute in Guangzhou seine neue Flaggschiff-SUV G9L der Weltöffentlichkeit präsentiert und den Markteintritt auf den Philippinen für den 25. September ankündigt, hängt im Hintergrund eine Geschichte, die viel über die Branche insgesamt erzählt: der weltweite Hunger nach KI-Chips frisst inzwischen auch die Kapazitäten der Autoindustrie an.

Jiang Wen, Leiter der Forschung und Entwicklung für die Mona-Baureihe, erklärte vor rund zwei Wochen, dass Produktionsverzögerungen beim Mona L03 auf die explodierende globale Nachfrage nach KI-Hardware zurückzuführen seien.

High-End-Chips, die eigentlich für Fahrzeuge gedacht waren, wurden von der Konkurrenz um Rechenzentrums-Kapazitäten knapp. XPeng hat reagiert, die Werke laufen inzwischen im Doppelschicht-Betrieb, die Effizienz habe sich nahezu verdoppelt. Die Lieferkettenprobleme gelten laut Unternehmensangaben inzwischen als weitgehend gelöst.

Ein Modell, zwei Geschwindigkeiten

Der Mona L03 ist für XPeng mehr als nur ein weiteres Modell im Portfolio. Als günstigerer Einstieg mit einem Startpreis von 123.800 Yuan soll er das Volumen bringen, das die Marke bislang vermissen ließ.

Erste Kunden erhielten ihre Fahrzeuge Ende Juli, CEO He Xiaopeng übergab die Schlüssel persönlich – ein Symbol dafür, wie viel Hoffnung an diesem Auto hängt. Die Analysten von Deutsche Bank rechneten Ende Juli mit monatlichen Auslieferungen von rund 15.000 Einheiten im laufenden Jahr, für 2027 mit einem Jahresvolumen von etwa 150.000 Fahrzeugen.

Doch genau hier zeigt sich das Dilemma. Die Chip-Engpässe kamen exakt in dem Moment, in dem der L03 seine Marktdurchdringung beweisen sollte. Wer ein Volumenmodell braucht, um Skaleneffekte zu heben, kann sich Produktionsstillstände am wenigsten leisten.

Dass XPeng die Kapazitäten nun mit Doppelschichten kompensiert, ist ein pragmatischer Schritt – er verschiebt das Problem aber auch in die Zukunft: höhere Betriebskosten, mehr Verschleiß an Anlagen, mehr Druck auf die Margen.

Expansion als Ausweg nach vorn

Parallel dazu setzt XPeng auf geografische Diversifikation. Der Vorstoß auf die Philippinen mit L03 und X9, flankiert von der globalen Präsentation der G9L, passt in ein Muster: Wachstum soll nicht mehr allein aus dem hart umkämpften chinesischen Heimatmarkt kommen. Die G9L soll dabei als technologisches Aushängeschild dienen – ausgestattet mit fortschrittlicher KI, Fahrzeugsteuerung und Sicherheitstechnik, wie es aus Guangzhou heißt.

An der Börse kommt davon bislang wenig an. Das Papier notiert bei 10,44 Euro und hat seit Jahresbeginn 42 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 24,40 Euro, erreicht im November, trennen die Aktie inzwischen 57 Prozent.

Zum 52-Wochen-Tief von 9,99 Euro, aufgestellt erst vor wenigen Tagen, sind es dagegen nur noch 4,5 Prozent – ein Abstand, der zeigt, wie nah der Titel am Boden seiner jüngsten Handelsspanne kratzt.

Die eigentliche Frage

Kann ein Unternehmen gleichzeitig eine Volumenoffensive im Heimatmarkt stemmen, die globale Chip-Knappheit meistern und neue Auslandsmärkte erschließen – ohne dass eines der drei Projekte das andere ausbremst? Genau das ist die Wette, die XPeng gerade eingeht.

Der Barclays-Analyst Jiong Shao blieb Mitte Juli skeptisch und senkte sein Kursziel von 16 auf 15 US-Dollar bei einer Untergewichten-Einstufung – zu einem Zeitpunkt, an dem die Lieferkettenprobleme noch nicht öffentlich thematisiert waren.

Am 24. August, wenn XPeng die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt, dürfte sich zeigen, wie stark die Chip-Engpässe tatsächlich auf die Produktion durchgeschlagen haben. Bis dahin bleibt die Aktie das, was sie in diesem Jahr fast durchgehend war: ein Spiegelbild der Nervosität einer Branche, die zwischen technologischem Aufbruch und harten Kapazitätsgrenzen gefangen ist.

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