XRP: 1 Milliarde Token freigegeben, CLARITY Act blockiert

Ripples monatliche Escrow-Ausschüttung fällt mit dem Aufschub des CLARITY Act zusammen. Der Kurs bleibt nahe dem Jahrestief, während das Netzwerk wächst.

Die Kernpunkte:
  • Milliarden-Token-Freigabe von Ripple
  • CLARITY Act im Senat verschoben
  • XRP-Kurs nahe 52-Wochen-Tief
  • Netzwerk wächst trotz politischer Hürden

Ripple schleust heute 1 Milliarde XRP-Token aus dem Escrow in den Umlauf. Bei aktuellen Kursen entspricht das rund 1,08 Milliarden Dollar an frischer Liquidität. Der Zeitpunkt könnte kaum unpassender sein: Parallel dazu stockt im US-Senat ausgerechnet jenes Gesetz, das XRP endlich Rechtssicherheit verschaffen sollte.

Der Escrow-Mechanismus läuft wie gewohnt

Die monatliche Freigabe ist Routine. Ripple hat das Verfahren bereits 2017 eingeführt, um die XRP-Versorgung planbar zu halten. Von der Milliarde fließt der Großteil erfahrungsgemäß zurück in neue Sperrverträge – üblich sind zwischen 600 und 800 Millionen Token.

Der tatsächliche Nettozufluss bleibt damit überschaubar. In der ersten Jahreshälfte 2026 kamen im Schnitt 300 Millionen XRP pro Monat neu in den Umlauf. Analysten werten solche Freigaben deshalb traditionell als Nicht-Ereignis für den Kurs – der Markt kennt den Ablauf und hat ihn längst eingepreist.

CLARITY Act verliert an Fahrt

Der eigentliche Belastungsfaktor sitzt in Washington. Senatsmehrheitsführer John Thune hat den CLARITY Act von der Tagesordnung genommen. Vorrang bekommen stattdessen ein Russland-Sanktionspaket und offene Personalnominierungen.

Das Gesetz sollte XRP dauerhaft als digitales Rohstoffgut einstufen – genau die rechtliche Klarheit, auf die Banken und Fondsanbieter seit Jahren warten. Ohne festen Abstimmungstermin sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung vor der Sommerpause am 8. August auf der Plattform Polymarket mittlerweile auf etwa 37 Prozent.

Die Unsicherheit drückt auf den Kurs. XRP notiert aktuell bei 1,06 Dollar und pendelt damit knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, das erst Ende Juni markiert wurde. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 1,11 Dollar fehlen gut vier Prozent – ein Hinweis darauf, dass der kurzfristige Trend nach unten zeigt.

Netzwerk wächst trotz politischer Bremse

Während die Legislative stockt, entwickelt sich das XRP Ledger technisch weiter. Im ersten Halbjahr kamen 489.739 neue Accounts hinzu, die Gesamtzahl kletterte im Juli auf ein Rekordhoch von 8,403 Millionen.

Nächste Woche folgt das Software-Update xrpld 3.3.0. Es bringt fünf wesentliche Protokoll-Erweiterungen:

  • Confidential MPT: mehr Privatsphäre bei Token-Transaktionen
  • Batching: Bündelung von bis zu acht Transaktionen in einer atomaren Ausführung
  • Permission Delegation: verbesserte Governance-Strukturen für institutionelle Nutzer
  • Sponsored Fees: Institutionen können Netzwerkgebühren für Endnutzer übernehmen
  • Dynamic MPT: mehr Flexibilität bei Multi-Purpose-Token

Der Ripple-nahe Stablecoin RLUSD wächst derweil ebenfalls weiter. Auf dem XRP Ledger erreicht seine Marktkapitalisierung inzwischen rund 873 Millionen Dollar.

Charttechnik zeigt Richtungslosigkeit

Der RSI von 40,8 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen, tendiert aber Richtung Verkaufsdruck. Eine psychologisch wichtige Marke bei 1,00 Dollar hat die Korrekturen im Juli bislang abgefedert.

Für eine Trendwende bräuchte es nach Einschätzung von Marktbeobachtern einen Tagesschluss über 1,10 Dollar – dort treffen sich der 50-Tage- und der 100-Tage-Durchschnitt. Bis dahin bleibt der Token in seiner engen Spanne zwischen 1,05 und 1,10 Dollar gefangen.

Die kommenden Tage bis zur Sommerpause am 8. August dürften zeigen, ob der Senat den CLARITY Act doch noch aufs Programm setzt. Bleibt es bei der Verzögerung, dürfte die charttechnische Hängepartie zwischen Unterstützung und Widerstand vorerst anhalten.

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