XRP: 150 Millionen Dollar SEC-Kosten
Ripple-CEO Garlinghouse gesteht, dass die Firma nach SEC-Klage 2020 die Auflösung und Verteilung der XRP-Bestände erwog.

- Ripple erwog Auflösung nach SEC-Klage
- CEO Garlinghouse entschied sich für Kampf
- Rechtsstreit kostete Ripple 150 Millionen Dollar
- XRP-ETFs ziehen weiter Kapital an
Ripple-CEO Brad Garlinghouse hat ein Geständnis gemacht, das selbst hartgesottene Krypto-Beobachter aufhorchen lässt. Nach der Klage der US-Börsenaufsicht SEC im Jahr 2020 erwog das Unternehmen ernsthaft, sich komplett aufzulösen. Die XRP-Bestände sollten anteilig an die Aktionäre verteilt werden.
Auflösung als „einfacherer Weg“
Garlinghouse schilderte bei einem Auftritt an der University of Kansas School of Business, wie nah Ripple am Ende stand. Gemeinsam mit Mitgründer Chris Larsen habe er die Abwicklung geprüft und die XRP-Bestände pro Kopf an die Anteilseigner verteilen wollen. Die Auflösung sei der einfachere Weg gewesen, so Garlinghouse — gegen eine Regierung mit praktisch unbegrenzter Macht und unbegrenzten Ressourcen zu kämpfen, sei die schwerere Wahl gewesen. Am Ende entschieden sich Garlinghouse und Larsen für den Kampf, um hunderte Arbeitsplätze zu retten.
Die vierjährige Rechtsauseinandersetzung kostete Ripple nach Angaben des CEOs rund 150 Millionen Dollar. Die SEC verklagte damals nicht nur das Unternehmen, sondern auch Garlinghouse und Larsen persönlich.
Wie düster die Lage intern wirklich war, bestätigte auch der frühere Ripple-Technikchef David Schwartz. Die Führungsriege habe explizite Rechtsberatung erhalten, dass das Unternehmen erledigt und nicht mehr zu retten sei. Der Rat lautete: einen Deal machen und sich selbst retten.
Vom Beinahe-Aus zur institutionellen Offensive
Die Enthüllung fällt in eine Phase, in der Ripple XRP gezielt für institutionelle Anleger positioniert. Das Unternehmen treibt ein Konzept für besichertes Lending auf der XRP Ledger voran. Institutionen sollen künftig gegen Stablecoins und tokenisierte Assets direkt on-chain Kredite aufnehmen können. Die Bonitätsprüfung läuft dabei off-chain, Abwicklung und Verwahrung der Sicherheiten bleiben auf der Ledger.
Der Vorstoß zielt klar auf institutionelles Kapital ab. Ripple erweitert damit sein Geschäftsfeld über grenzüberschreitende Zahlungen hinaus in Richtung strukturierter Finanzprodukte. Für einen Coin, dessen Geschäftsmodell lange auf Überweisungen fokussiert war, ist das programmierbare Lending ein Versuch, echten Nutzen und On-Chain-Liquidität für große Bestände und Treasury-Abteilungen zu schaffen.
ETFs zeigen selektives Anlegerverhalten
Die Geschichte vom Beinahe-Ende kommt just zu einem Zeitpunkt ans Licht, an dem XRP-ETFs frisches Kapital anziehen — während die großen Krypto-ETFs Geld verlieren. In der Woche vom 22. bis 26. Juni flossen aus US-Spot-Bitcoin-ETFs rund 1,79 Milliarden Dollar ab, aus Spot-Ether-ETFs etwa 273,5 Millionen Dollar. XRP-Spot-ETFs verzeichneten im selben Zeitraum einen Nettozufluss von 22,99 Millionen Dollar, HYPE-gebundene Produkte zogen rund 111,4 Millionen Dollar an.
Das Muster deutet auf selektive Positionierung hin, nicht auf eine pauschale Risikoscheu. Allokatoren reduzieren die beiden größten Krypto-ETFs, bauen aber gezielt Positionen in bestimmten Altcoin-Produkten auf.
Die Dynamik hat sich bis in den Juli fortgesetzt. XRP-Spot-ETFs verbuchen mittlerweile acht Wochen in Folge Zuflüsse, kumuliert 1,49 Milliarden Dollar. Zum 11. Juli 2026 handeln sieben XRP-Spot-ETFs in den USA mit einem verwalteten Vermögen von einer Milliarde Dollar und 964,5 Millionen gehaltenen XRP-Token.
Kurs bleibt trotz Nachrichtenflut träge
Der Token selbst zeigt sich von all dem unbeeindruckt. XRP notiert aktuell bei 1,09 Dollar, nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein leichtes Plus von 0,63 Prozent, auf Monatssicht ein Minus von 3,89 Prozent zu Buche.
Der Blick auf die längere Frist zeigt das eigentliche Ausmaß der Schwäche. Seit Jahresbeginn hat XRP 41,75 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar 54,55 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen den Coin inzwischen mehr als 70 Prozent — das erst kürzlich markierte Jahrestief bei 1,01 Dollar liegt dagegen nur rund acht Prozent entfernt.
Auch die gleitenden Durchschnitte zeichnen ein trübes Bild. Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 1,17 Dollar, der 200-Tage-Schnitt bei 1,46 Dollar — XRP notiert damit ein Viertel unter seinem langfristigen Trend. Der RSI von 44,1 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand, während die Widerstandsmarke bei 1,1187 Dollar von Marktanalysten als besonders relevant eingestuft wird.
Ob Ripples wachsende regulatorische Präsenz in Europa und die neuen Lending-Initiativen den Kurs jenseits der ETF-Zuflüsse beleben können, bleibt offen. Klar ist: Das Unternehmen, das vor wenigen Jahren fast aufgegeben hätte, zählt heute zu den aktivsten Treibern institutioneller Krypto-Infrastruktur — von Stablecoin-Systemen bis zu On-Chain-Krediten.
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