XRP: 32 Prozent für CLARITY Act
Ripple sichert sich MiCA-Zulassung in Europa, während der XRP-Kurs nahe dem Jahrestief verharrt und US-Regulierungsfortschritte stocken.

- EU-Registrierung für Ripple Payments Europe
- XRP notiert nahe 52-Wochen-Tief
- CLARITY Act in USA mit Unsicherheit
- ETF-Zuflüsse ohne Kursauswirkung
Die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA hat Ripple Payments Europe zusammen mit 14 weiteren Unternehmen in ihr MiCA-Register aufgenommen. Damit wächst die Zahl der in der EU vollständig zugelassenen Krypto-Dienstleister auf 294. Der Kurs von XRP notiert dennoch bei 1,09 US-Dollar und damit nur wenige Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.
Lizenz aus Luxemburg öffnet 30 europäische Märkte
Die Zulassung stammt von der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF, die Ripple bereits vor der eigentlichen MiCA-Deadline eine vorläufige „Green Light Letter“ ausgestellt hatte – acht Tage vor Fristablauf am 1. Juli. Nach Angaben aus dem Zulassungsverfahren hatten zu diesem Zeitpunkt rund 83 Prozent aller Krypto-Firmen in der EU noch keine MiCA-Lizenz gesichert. Die neue Registrierung als Crypto-Asset Service Provider (CASP) ergänzt eine bereits bestehende E-Geld-Lizenz (EMI) von Ripple in Luxemburg. In Kombination erlaubt das Unternehmen künftig sowohl Fiat- als auch Kryptodienstleistungen aus einer einzigen europäischen Infrastruktur heraus, mit Passporting-Recht in 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums.
Ob das direkt XRP zugutekommt, ist eine andere Frage. Die Nachfrage nach dem Token hängt in erster Linie an der tatsächlichen Nutzung des XRP-Ledgers für Abwicklungen, nicht automatisch an regulatorischen Fortschritten von Ripple als Unternehmen. Für die geplante Stablecoin RLUSD steht eine separate Zulassung in der EU noch aus, eine offizielle Ankündigung zum Start in Europa gibt es bislang nicht. Die europäische Aufsicht für Geldwäschebekämpfung AMLA warnte zudem, dass die Migration von Kunden nach der MiCA-Deadline die Compliance-Systeme der neu zugelassenen Anbieter belasten könnte. Neben Ripple Payments Europe wurden unter anderem die Bison Bank, die kroatische Hrvatska poštanska banka, zwei deutsche Genossenschaftsbanken und die liechtensteinische Kaiser Partner Privatbank neu registriert. Große Börsen wie Binance, Bitget, MEXC und HTX verfügen weiterhin über keine vollständige MiCA-Zulassung.
CLARITY Act in den USA gerät ins Stocken
Während sich Ripple in Europa regulatorisch positioniert, verschlechtert sich das Bild in den USA. Auf der Prognoseplattform Polymarket ist die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des CLARITY Act auf 32 Prozent gefallen – ein historischer Tiefstand, nachdem der Wert Ende Mai noch bei rund 54 Prozent gelegen hatte. Grund ist ein Stillstand bei Ethikverhandlungen im Senat; das Gesetz benötigt dort 60 Stimmen und die Zeit vor der Sommerpause wird knapp. Mehr als 200 Krypto-Unternehmen, darunter Coinbase, Ripple, Kraken, Circle, Binance US und a16z, haben den Senat in einem gemeinsamen Schreiben aufgefordert, noch vor der August-Pause abzustimmen.
Gegenläufige Signale kommen aus dem Repräsentantenhaus: Der Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses im Financial Services Committee, Bryan Steil, äußerte, das Gesetz könne bereits in der kommenden Woche verabschiedet werden. Senatorin Cynthia Lummis erklärte, der CLARITY Act solle bis Ende 2026 final abgeschlossen sein. Senatorin Elizabeth Warren forderte parallel von Präsident Trump eine Offenlegung seiner Krypto-Einnahmen für den Zeitraum Januar bis Mitte Juli 2026, nachdem dieser 2025 nach eigenen Angaben 1,4 Milliarden US-Dollar aus Krypto-Aktivitäten erzielt hatte. Sie argumentiert, das Gesetz könnte bestehende Interessenkonflikte verstärken.
ETF-Zuflüsse ohne Kursreaktion
Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein auffälliges Bild: XRP-ETFs haben nach Marktbeobachtungen kumuliert bereits rund 1,4 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen verzeichnet, etwa 900 Millionen XRP befinden sich mittlerweile in entsprechender Verwahrung. Der Kurs selbst hat davon bislang kaum profitiert. Über die vergangenen 30 Tage hat XRP rund 8,15 Prozent verloren, aktuell bewegt sich der Kurs nur noch etwa 7,61 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 1,01 US-Dollar, das erst Ende Juni erreicht wurde. Diese Diskrepanz zwischen institutionellem Kapitalzufluss über Fondsprodukte und der eigentlichen Preisentwicklung wird von Marktbeobachtern zunehmend als eigenständiges Phänomen diskutiert – Zuflüsse und Kursverlauf scheinen sich derzeit zu entkoppeln.
Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Auf der institutionellen und regulatorischen Ebene baut Ripple sein Fundament in Europa systematisch aus, während in den USA die entscheidende Marktstrukturreform an politischen Widerständen hängt. Der Kurs von XRP spiegelt bislang eher die Unsicherheit in Washington als den Fortschritt in Luxemburg.
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