XRP: 7. August kritisch für CLARITY Act

Trotz positiver Unternehmensnachrichten und Wal-Käufen fällt XRP weiter. Der CLARITY Act bleibt vor der Sommerpause unsicher.

Die Kernpunkte:
  • XRP fällt auf 1,09 US-Dollar
  • CLARITY Act vor Sommerpause gefährdet
  • Ripple stellt Plattform Ripple Mint vor
  • Wale kaufen 600 Millionen XRP

XRP notiert am Samstag bei 1,09 US-Dollar und verliert im Tagesvergleich 1,78 Prozent. Die Kryptowährung bleibt damit unter Druck – trotz eines Bündels positiver Unternehmensnachrichten rund um Ripple und trotz milliardenschwerer Käufe großer Adressen. Der Kontrast zwischen fundamentaler Expansion und schwacher Kursreaktion prägt die Woche.

CLARITY Act: Zeitdruck vor der Sommerpause

Im Zentrum der Marktdiskussion steht weiterhin der CLARITY Act, das US-Gesetz zur Marktstruktur digitaler Vermögenswerte, das XRP als Rohstoff einstufen würde. Das Repräsentantenhaus hatte den Entwurf bereits im Juli vergangenen Jahres mit 294 zu 134 Stimmen verabschiedet, der Bankenausschuss des Senats billigte ihn mit 15 zu 9 Stimmen. Seither hakt es an der Umsetzung: Ein finales Votum vor der Sommerpause des Senats gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Der 7. August markiert nach übereinstimmenden Einschätzungen mehrerer Berichte das kritische Datum, bevor die Kammer bis zum 11. September pausiert.

Streitpunkt bleibt vor allem das Ethikpaket: Republikaner wollen gewählten Amtsträgern die Emission oder das Sponsoring digitaler Assets untersagen, Demokraten fordern schärfere Durchsetzungsregeln. Senatorin Lummis hatte am 22. Juli einen überarbeiteten Text vorgelegt, der die Vorgaben von Banken- und Agrarausschuss zusammenführt. Für die nötige 60-Stimmen-Hürde braucht die Vorlage sieben demokratische Überläufer. Wettmärkte bewerten die Erfolgschancen für eine Verabschiedung noch 2026 uneinheitlich zwischen etwa einem Drittel und knapp der Hälfte – ein Zeichen für die anhaltende Unsicherheit unter Marktteilnehmern. Ripple-Chef Garlinghouse dringt öffentlich auf eine Verabschiedung noch vor der Augustpause, Ripple-CTO David Schwartz bezeichnete das Gesetz beim Branchenevent XRPLasVegas als „Startschuss“ für institutionelles Kapital und plädierte dafür, den erreichbaren Fortschritt jetzt mitzunehmen, auch wenn er nicht perfekt sei.

Ripple treibt Infrastruktur voran

Während der Gesetzgebungsprozess stockt, baut Ripple sein Ökosystem weiter aus. Am Freitag stellte das Unternehmen „Ripple Mint“ vor, eine Plattform zum programmatischen Prägen, Einlösen und Verfolgen des eigenen Stablecoins RLUSD über API oder Web-Konsole. Parallel investierte Ripple strategisch in Notabene, ein Compliance-Netzwerk für regulierte On-Chain-Transaktionen mit einem jährlichen Volumen von rund zwei Billionen Dollar und Anbindung an mehr als 2.300 Institutionen in über 100 Jurisdiktionen. RLUSD soll künftig auch auf Base, Optimism, Ink und Unichain über die XRPL-EVM-Sidechain verfügbar sein. Die Marktkapitalisierung des Stablecoins liegt bei rund 1,5 bis 1,6 Milliarden Dollar – ein Bruchteil der 73 Milliarden Dollar von USDC, doch das monatliche Transaktionsvolumen von RLUSD war zuletzt um rund ein Viertel auf etwa elf Milliarden Dollar gesunken.

Zusätzlich meldete die XRP Ledger die Überschreitung von einer Million agentischer, also automatisiert von KI-Systemen ausgeführter Transaktionen. Regulatorisch sicherte sich Ripple zudem eine volle EMI-Lizenz der luxemburgischen Aufsichtsbehörde CSSF, die Zahlungsdienste in allen EU-Mitgliedstaaten erlaubt – nach eigenen Angaben hält das Unternehmen damit weltweit mehr als 75 Lizenzen.

Wale kaufen, Kleinanleger und ETFs ziehen sich zurück

Der fundamentale Nachrichtenfluss trifft auf ein gespaltenes Anlegerverhalten. Große Adressen kauften nach Marktbeobachtungen innerhalb von fünf Wochen rund 600 Millionen XRP im Gegenwert von etwa 678 Millionen Dollar – ein deutliches Signal institutionellen Vertrauens. Gleichzeitig fließt bei den Spot-XRP-ETFs zwar seit rund neun Wochen in Folge Kapital zu, zuletzt aber nur noch in geringem Umfang. Kleinanleger dagegen ziehen sich zunehmend zurück, während Analysen auf schwache Liquidität an großen Handelsplätzen und ein deutliches Übergewicht des Futures- gegenüber dem Spot-Handels hinweisen.

Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen: XRP notiert 22,38 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt, ein klassisches Signal für einen mittelfristigen Abwärtstrend. Analyst Ali Martinez sieht nach einem Ausbruch aus einem symmetrischen Dreieck kurzfristiges Potenzial bis 1,35 Dollar, sollte der Widerstand um 1,20 Dollar fallen. Deutlich optimistischer positioniert sich Standard Chartered: Die Bank rechnet im Falle einer CLARITY-Act-Verabschiedung mit ETF-Zuflüssen von vier bis acht Milliarden Dollar und einem Jahresendziel von 2,80 Dollar. Ob dieses Szenario eintritt, hängt maßgeblich davon ab, ob der Senat in den kommenden zwei Wochen tatsächlich noch abstimmt – oder das Gesetz erneut vertagt.

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