XRP: 700 Millionen Token zurück in Escrow

Ripple verringert die XRP-Ausgabe im August deutlich. Der Kurs bleibt trotz reduziertem Angebot nahe seinem Jahrestief, da Katalysatoren fehlen.

Die Kernpunkte:
  • Ripple verkleinert monatliche XRP-Freigabe
  • Börsenbestände auf Siebenjahrestief
  • August-Historie zeigt vier Verlustjahre
  • Fehlende Impulse für Kurssprung

Ripple greift zu einem ungewöhnlichen Kniff. Der August ist statistisch der schlechteste Monat für XRP. Ausgerechnet jetzt reduziert das Unternehmen die Menge neuer Token drastisch, die auf den Markt kommen.

Der Trick mit der Schatulle

Am 1. August führte Ripple die monatliche Freigabe aus dem Escrow-System durch. Normalerweise fließen dabei eine Milliarde XRP aus der Sperre. Diesmal schob Ripple 700 Millionen Token sofort wieder zurück in die Reserve. Netto kamen so nur 300 Millionen neue Token in Umlauf.

Der Kurs reagierte zunächst mit einem Ausschlag nach unten. Intraday fiel XRP auf 1,0480 Dollar, bevor eine Erholung einsetzte. Aktuell notiert die Kryptowährung bei 1,04 Dollar und liegt damit 3,57 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. August ist der flachste Monat in der Handelsgeschichte von XRP, mit einer durchschnittlichen Rendite von gerade einmal 0,43 Prozent. Vier Jahre in Folge schloss der Token diesen Monat im Minus: 2023 mit minus 26,6 Prozent, 2024 mit minus 9,17 Prozent, 2025 mit minus 8,15 Prozent. Diese Serie ist die längste Verlust-Strähne, die XRP in einem einzelnen Kalendermonat je verzeichnet hat.

Weniger Token an den Börsen

Der gedrosselte Escrow-Release ist nicht die einzige Angebotsveränderung. Die Menge an XRP, die auf Handelsplätzen liegt, ist unabhängig davon geschrumpft. Aktuell befinden sich noch rund 1,6 Milliarden Token auf Börsen – das niedrigste Niveau seit sieben Jahren und nur noch die Hälfte der 3,76 Milliarden aus dem Oktober 2025.

Weniger Angebot an den Börsen bedeutet theoretisch weniger Verkaufsdruck. Ob das reicht, um den saisonalen Abwärtstrend zu brechen, ist unter Marktbeobachtern umstritten. Die Frage für 2026: Macht eine veränderte Marktstruktur mit engerem Börsenangebot und institutioneller ETF-Infrastruktur das alte saisonale Muster hinfällig?

Kaum Auslöser für eine Rally

Jede nennenswerte XRP-Rally dieses Zyklus brauchte einen externen Auslöser. Im August 2026 fehlt ein solcher Katalysator. Der US-Senat schob den CLARITY Act am 27. Juli auf die Seite – jenes Gesetz, das XRP als Rohstoff einstufen und regulatorische Klarheit schaffen sollte. Für die Bullen fällt damit ein wichtiger Hoffnungsträger weg.

Auch die institutionellen Zuflüsse kühlen ab. Spot-XRP-ETFs verzeichneten im Startmonat noch 666 Millionen Dollar an Zuflüssen. Im Juli kamen an elf von 22 Handelstagen null Zuflüsse zusammen, insgesamt nur noch 27,29 Millionen Dollar für den gesamten Monat.

Zwei Termine könnten die Stimmung in den kommenden Wochen noch bewegen. Am 12. August erscheint der Juli-Inflationsbericht, der die Erwartungen an Zinssenkungen beeinflussen dürfte. Vom 27. bis 29. August folgt das Jackson-Hole-Symposium der Fed, dieses Jahr mit Fokus auf Zahlungsinnovationen. Fed-Chef Kevin Warsh dämpfte allerdings bereits die Erwartungen – Substanzielles sei von dem Treffen vorerst nicht zu erwarten.

Was ein ruhiger Monat bedeuten würde

Analysten zeichnen für August eine Bandbreite zwischen 1,00 und 1,18 Dollar, mit einem Zielkorridor nahe 1,10 Dollar. Voraussetzung dafür: Bitcoin hält sich über 58.000 Dollar, die Inflationsdaten am 12. August liegen im Rahmen der Erwartungen, und Jackson Hole liefert keine Überraschungen.

Träfe dieses Szenario ein, würde XRP den Monat flach oder leicht positiv beenden. Es wäre das Ende der fünfjährigen Verlustserie im August – nicht durch eine Rally, sondern schlicht durch das Ausbleiben eines weiteren Rückgangs. Ob Ripples gedrosselte Ausgabe neuer Token eine dauerhafte Strategieänderung markiert oder eine einmalige Anpassung bleibt, ist derzeit offen. Für Halter des Tokens ist sie in einem sonst reizarmen August das bestimmende Thema.

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