XRP: 700 Millionen Token zurück ins Escrow

Ripple reduziert die effektive XRP-Freisetzung auf 300 Millionen Token und stützt damit den Kurs. Ein Notfall-Update behebt zudem eine Netzwerk-Schwachstelle.

Die Kernpunkte:
  • Ripple sperrt 700 Mio. XRP erneut
  • Netto nur 300 Mio. Token freigegeben
  • Notfall-Update nach Netzwerk-Angriff
  • Neue Funktionen für institutionelle Anleger

Ripple hat sich selbst überlistet. Statt die planmäßige Monatsfreigabe von einer Milliarde XRP komplett auf den Markt zu lassen, sperrte das Unternehmen 700 Millionen Token sofort wieder in neue Treuhandkonten. Netto kamen so nur 300 Millionen XRP in Umlauf — und genau das stützt den Kurs in einem Monat, der für die Kryptowährung historisch schlecht läuft.

Die Escrow-Strategie hinter der Kursstabilität

Am 1. August führte Ripple die reguläre Freigabe aus dem Escrow-System durch. Laut Daten von XRP Scan floss das Geld in zwei Tranchen zurück ins Depot: 200 Millionen und 500 Millionen XRP. Diese Sequenzierung drückte die effektive neue Liquidität auf ein Viertel der ursprünglichen Menge.

Das Ergebnis zeigt sich im Chart. XRP notiert aktuell bei 1,08 US-Dollar und hat sich damit eine Unterstützungszone zwischen 1,048 und 1,060 US-Dollar erarbeitet. Bemerkenswert: Der August gilt als schwacher Monat für XRP, mit einer mittleren Rendite von minus 6,15 Prozent über die vergangenen 13 Jahre. Diesmal steht der Coin bislang leicht im Plus.

Der Vergleich zum Jahresverlauf relativiert die kurzfristige Stärke allerdings. Seit Jahresbeginn liegt XRP noch immer 42,4 Prozent im Minus, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 3,37 US-Dollar beträgt fast 68 Prozent. Die aktuelle Stabilisierung ist also eher eine Atempause als eine Trendwende.

Notfall-Update nach Angriff auf das Netzwerk

Parallel zur Liquiditätssteuerung musste Ripple auf ein technisches Problem reagieren. Am 31. Juli entdeckten Entwickler eine sogenannte „Validator Manifest Flood“ — eine Flut ungewöhnlicher Datenpakete, die gezielt die Verarbeitung von Validator-Identitäten im XRP Ledger belastete. Das Netzwerk blieb funktionsfähig, einzelne Knotenpunkte gerieten aber unter Ressourcendruck.

Ripples Director of Engineering, Vijay Khanna, reagierte schnell. Am 2. August rief er Node-Betreiber dringend zum Upgrade auf Version 3.2.1 auf. Der Hotfix bringt vier Schutzmechanismen mit:

  • Größenbegrenzung: Überdimensionierte Manifeste werden abgelehnt.
  • Batch-Limits: Zu große Nachrichtenpakete werden verworfen.
  • Ausgangsgrenzen: Die Menge an Manifest-Grüßen an neue Peers wird gedeckelt.
  • Cache-Deckel: Der Cache für unbekannte Schlüssel wird auf 100 Einträge begrenzt.

Neue Funktionen für institutionelle Anleger

Noch in dieser Woche steht das nächste große Update an. Version 3.3.0 bringt fünf neue Amendments, die vor allem institutionelle Nutzer ansprechen sollen. Zentral ist „Confidential MPT“ — eine Funktion, die mittels Zero-Knowledge-Proofs und elliptischer Kurvenkryptografie private Kontostände und Transaktionsbeträge auf der öffentlichen Chain ermöglicht. Für viele Finanzinstitute ist das eine Grundvoraussetzung.

Hinzu kommen atomare Abwicklungen durch Batch-Processing, delegierte Berechtigungen für Treasury-Teams sowie gesponserte Gebühren und Reserven. Das Ziel dahinter: Die Tokenisierung von Staatsanleihen und privaten Krediten soll einfacher werden.

Weniger Hebel, mehr institutionelles Geld

Die Marktstruktur zeigt derweil ein interessantes Signal. Daten von CryptoQuant belegen, dass das offene Interesse an großen Handelsplätzen auf das Niveau von Ende 2024 gefallen ist. Analysten werten den Abbau spekulativer Hebelpositionen als Zeichen für einen gesünderen Markt, der Volatilität im Spätsommer besser abfedern könnte.

Institutionelles Kapital fließt trotz regulatorischer Unsicherheit weiter in XRP-Produkte. Der Bitwise XRP ETF verwaltet inzwischen rund 315 Millionen US-Dollar, Franklin Templeton kommt auf 254 Millionen, Canary auf 245 Millionen. Diese Zuflüsse halten an, obwohl der US-CLARITY-Act nach einer verpassten Senatsfrist bis September pausiert.

Die kommende Woche bringt mit dem Rollout von Version 3.3.0 einen konkreten Test für die institutionellen Ambitionen des Netzwerks. Ob die neuen Funktionen tatsächlich Nachfrage von Banken und Vermögensverwaltern auslösen, dürfte sich an den ETF-Zuflüssen der kommenden Wochen ablesen lassen.

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