XRP: 7,18 Millionen Dollar Abfluss
Die Nutzeraktivität im XRP-Netzwerk fällt auf ein neues Jahrestief, während der Token-Kurs sich knapp über der Marke von einem Dollar hält.

- Täglich aktive Adressen auf Jahrestief
- ETF-Zuflüsse kühlen deutlich ab
- Offenes Interesse an Futures schrumpft
- Kurs unter allen wichtigen Durchschnitten
XRP hält sich knapp über der Marke von einem US-Dollar, während im Hintergrund die Nutzung des zugrundeliegenden Netzwerks spürbar nachlässt. Diese Kluft zwischen schwächelnder Ledger-Aktivität und einem relativ stabilen Kurs prägt aktuell das Bild. Der Token notiert bei 1,09 US-Dollar, ein Plus von 0,39 Prozent auf Tagessicht.
Aktive Adressen so niedrig wie selten
Laut Daten des Analysehauses Santiment ist die Zahl der täglich aktiven Adressen auf dem XRP Ledger zuletzt auf 25.350 gefallen. Das ist der zweitniedrigste Wert des laufenden Jahres. Neue Wallets entstanden nur noch 2.130 Mal — so wenig wie zuletzt im November 2024.
Der Rückgang kam nicht über Nacht. Seit einem Zwischenhoch im Juni sinkt die Aktivität kontinuierlich. Eine kurze Erholung Ende Juni entpuppte sich als Strohfeuer: Bestehende Halter kauften kurzfristig nach, neue Nutzer strömten kaum ins Netzwerk. Santiment bringt es auf den Punkt: Trader warten offenbar auf einen echten Auslöser, statt jeder kleinen Erholung hinterherzujagen.
Trotz der schwachen Netzwerkdaten hält sich XRP hartnäckig über der psychologisch wichtigen Ein-Dollar-Marke. Genau diese Diskrepanz zwischen Kurs und Nutzung wird für viele Beobachter zum eigentlichen Thema der Woche.
ETF-Zuflüsse kühlen deutlich ab
Die schwächere Netzwerkaktivität trifft auf ein nachlassendes institutionelles Interesse. US-Spot-ETFs auf XRP verzeichneten in der Woche zum 10. Juli einen Nettoabfluss von 7,18 Millionen Dollar. Damit endete eine neunwöchige Zuflussserie, die seit Anfang Mai rund 196 Millionen Dollar eingebracht hatte.
Die Tagesbeträge sind mittlerweile winzig. Am 10. Juli kamen gerade einmal 107.000 Dollar an neuen Mitteln herein, das verwaltete Gesamtvermögen der ETFs rutschte unter die Milliarden-Dollar-Schwelle. Im zweiten Quartal sahen die Zuflüsse noch deutlich kräftiger aus.
Terminmarkt schrumpft weiter
Auch bei den Derivaten zieht sich Kapital zurück. Das offene Interesse für XRP-Futures bei Binance fiel von über 500 Millionen Dollar Mitte Juni auf 399 Millionen Dollar am 10. Juli. Long-Liquidationen stiegen im Wochenvergleich um 94 Prozent — ein Zeichen dafür, dass gehebelte Positionen im großen Stil abgebaut werden.
Zwischen dem 4. und 8. Juli verzeichnete der Spot-Handel bei Binance sogar einen spürbaren Anstieg, während der Derivatemarkt parallel weiter schrumpfte. Kapital wanderte also vom Termin- in den Kassamarkt.
Nicht alle Netzwerkkennzahlen zeichnen ein düsteres Bild. Die Transaktionszahlen legten binnen Woche und Monat um jeweils 3 bis 4 Prozent zu, liegen aber weiterhin 21 Prozent unter ihrem Drei-Monats-Schnitt. Die NVT-Ratio hat sich zudem etwas entspannt — ein möglicher Hinweis darauf, dass sich die Netzwerknutzung stabilisiert, statt weiter abzurutschen.
Kurs bleibt in bekannter Spanne gefangen
Charttechnisch sieht es für XRP nicht rosig aus. Der Kurs liegt unter allen drei wichtigen gleitenden Durchschnitten: 6,95 Prozent unter der 50-Tage-Linie bei 1,17 Dollar, 25,26 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 1,46 Dollar. Der 100-Tage-Schnitt bei 1,28 Dollar liegt ebenfalls klar darüber — eine vollständig bearische Formation.
Ein Erholungsversuch scheiterte im Juli bereits zum dritten Mal seit Mai an der 50-Tage-Linie. Jeder dieser Versuche endete niedriger als der vorherige. Zum 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 fehlen mittlerweile über 70 Prozent, zum jüngsten Jahrestief bei 1,01 Dollar beträgt der Abstand nur noch 8 Prozent.
Charttechniker sehen bei 1,15 Dollar eine entscheidende Marke. Ein Ausbruch darüber könnte den Weg zu 1,20 bis 1,25 Dollar öffnen. Die Zone um 1,07 Dollar gilt derweil als kritische Unterstützung.
Die aktuelle Gemengelage — sinkende Ledger-Aktivität, abkühlende ETF-Nachfrage, schrumpfender Terminmarkt — deutet eher auf eine Konsolidierungsphase hin als auf einen klaren Trend. Ob Wachstumstreiber wie der Stablecoin RLUSD, tokenisierte Vermögenswerte oder neue Kreditfunktionen die Netzwerkaktivität in den kommenden Wochen wieder anschieben, bleibt offen. Bis dahin wartet der Markt auf einen Impuls, der stark genug ist, die ruhigste Phase des Jahres zu beenden.
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