XRP: 72 Millionen Token in 24 Stunden gekauft
XRP verharrt nahe der Ein-Dollar-Marke, während Großanleger ihre Bestände deutlich aufstocken. Technische Indikatoren bleiben schwach, regulatorische Fortschritte verzögern sich.

- Großinvestoren kaufen über 380 Mio. XRP
- Kurs nur knapp über 52-Wochen-Tief
- Netzwerkaktivität steigt trotz Preisrückgang
- Regulatorische Entscheidungen weiter offen
XRP klebt an der psychologischen Marke von einem Dollar. Während institutionelle Nachfrage schwindet, kaufen Großinvestoren so aggressiv zu wie lange nicht. Das Muster wirkt paradox: Der Kurs fällt, doch die Wale füllen ihre Bestände auf.
Große Wallets kaufen gegen den Trend
On-Chain-Analyst Ali Martinez registrierte einen Kauf von über 72 Millionen XRP innerhalb von nur 24 Stunden. Das geschah, nachdem der Token bereits rund 69 Prozent von seinem Hoch bei 3,30 Dollar aus dem Januar 2025 verloren hatte.
Die Käufe sind kein Eintagesphänomen. Laut Daten von Santiment ist die Zahl der Wallets mit mindestens einer Million XRP in den vergangenen drei Monaten um 32 auf etwa 2.033 gestiegen.
Auch das Volumen beeindruckt. In der Woche bis zum 9. August legten Großhalter mehr als 380 Millionen XRP nach. Damit steigt ihr gemeinsamer Bestand auf über 8 Milliarden XRP – bei aktuellem Kurs etwa 8,2 Milliarden Dollar wert.
Parallel dazu zieht die Netzwerkaktivität an, obwohl der Kurs fällt. Die täglich aktiven Adressen kletterten im August auf durchschnittlich rund 35.700, verglichen mit 26.400 im Juli. Der 11. August markierte sogar den aktivsten Tag seit dem 5. Juni.
Die Zahl neuer Adressen blieb dabei fast unverändert bei rund 2.260 täglich. Der Anstieg kommt also überwiegend von bestehenden Nutzern, nicht von frischem Kapital. Ein weiteres Detail passt ins Bild: Rund 81 Prozent der XRP-Abhebungen von Binance gingen zuletzt in private Wallets – ein Hinweis darauf, dass Anleger ihre Coins für längere Haltefristen von den Börsen abziehen.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Das technische Bild spricht eine andere Sprache als die Wal-Bewegungen. XRP notiert aktuell bei rund einem Dollar und damit nur 1,5 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 0,9887 Dollar, das erst am Vortag markiert wurde. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,30 Dollar beträgt satte 23 Prozent – ein klares Zeichen für den langfristigen Abwärtstrend.
Der RSI14 liegt bei 36 und signalisiert eine leicht überverkaufte, aber nicht extreme Lage. Verkäufer behalten damit technisch die Oberhand, auch wenn der Schwung nachlässt. Die Volatilität ist mit 25 Prozent auf 30-Tage-Basis vergleichsweise niedrig – die nächste Bewegung könnte deshalb heftiger ausfallen als es die ruhige Marktlage vermuten lässt.
Einige Analysten sehen weiteres Abwärtspotenzial. CryptoQuant-Analyst Pelinay hält einen weiteren Rückgang um 50 Prozent von aktuellem Niveau für möglich – das würde XRP auf Werte vor der Rallye vom November 2024 zurückwerfen.
Ein Gegenargument liefern die Börsenzuflüsse der Wale. Der sogenannte Whale-to-Exchange Flow steht derzeit nur bei 77 – deutlich unter den Spitzenwerten früherer Phasen, als große XRP-Mengen zu Binance flossen. Das deutet darauf hin, dass sich das Verhalten der Großinvestoren verändert hat. Die aktuelle Wal-Aktivität scheint nicht der Haupttreiber des jüngsten Kursrückgangs zu sein.
Regulatorische Unsicherheit bremst Stimmung
Hinter den Kulissen sorgen politische Verzögerungen für Verunsicherung. Der Clarity Act stockt im US-Senat, und die SEC soll ihre lang erwartete „Innovation Exemption“ weiter hinauszögern. Auch das parallele „Reg Crypto“-Vorhaben der Behörde, das Fundraising-Regeln für Token-Projekte schaffen soll, verzögert sich – ein geplantes Treffen wurde ohne neuen Termin abgesagt.
Auf der technischen Seite geht es dagegen voran. Die XRPL-Version 3.3.0, veröffentlicht am 7. August, bündelt fünf Protokoll-Änderungen. Sie sollen das Ledger attraktiver für tokenisierte Assets und institutionelle Finanzanwendungen machen, mit Fokus auf mehr Privatsphäre und operative Flexibilität.
Markt bleibt gespalten
Die Marktmeinung schwankt zwischen zwei Polen: technischem Verkaufsdruck auf der einen, strategischem Aufbau durch Wale auf der anderen Seite. Viele Marktteilnehmer warten auf einen Ausbruch über 1,06 Dollar – und vor allem auf die Senatsentscheidung zum CLARITY Act nach dem 14. September, die neue institutionelle ETF-Zuflüsse auslösen könnte.
Die Marke von einem Dollar bleibt dabei die entscheidende Linie. Ein nachhaltiger Bruch nach unten könnte den Abwärtstrend beschleunigen. Hält die Marke, könnte das signalisieren, dass sich die Akkumulationsphase der Wale festigt.
Einige Beobachter blicken bereits weiter nach unten. Investorin Diana sieht 0,87 Dollar als nächste wichtige Unterstützung. Fällt XRP darunter, rückt die Zone zwischen 0,77 und 0,80 Dollar in den Fokus – dort verläuft auch eine mehrjährige Aufwärtstrendlinie, die als größere Entscheidungszone gilt.
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