XRP: Abflüsse treffen auf neue Nachfrage
Der Grayscale XRP Trust halbiert seine Bestände, während XRP erstmals als Sicherheit in einem Kreditpool dient. Der Kurs bleibt stabil.

- Grayscale Trust halbiert XRP-Bestand
- XRP als Sicherheit im Kreditpool
- Wale dominieren Binance-Abflüsse
- CLARITY Act-Abstimmung auf September verschoben
Ein einziger Fonds wirft binnen sechs Monaten über 100 Millionen Token auf den Markt — und der Kurs zuckt kaum. Der Grayscale XRP Trust hat seine Bestände drastisch reduziert, während an anderer Stelle im Netzwerk neue institutionelle Nachfrage entsteht. Diese Gegenläufigkeit prägt die aktuelle Lage bei XRP.
Grayscale baut Position drastisch ab
Der Grayscale XRP Trust verkaufte im ersten Halbjahr 2026 Token im Wert von rund 180,78 Millionen Dollar. Der Bestand schrumpfte von 122,23 Millionen XRP Ende 2025 auf 55,04 Millionen zum 30. Juni — nahezu eine Halbierung. Neue Zuflüsse von 36,27 Millionen Token reichten nicht aus, um die Abflüsse auszugleichen.
Das Nettovermögen des Trusts fiel im gleichen Zeitraum von 223,36 Millionen auf 57,41 Millionen Dollar. Bei den Rücknahmen entstanden realisierte Verluste von 34 Millionen Dollar, auf der verbliebenen Position kommen unrealisierte Verluste von 17 Millionen Dollar hinzu. Trotz dieser Größenordnung hält sich der XRP-Kurs bei rund 1,04 Dollar — ein Hinweis darauf, dass anderswo Nachfrage entsteht, die den Verkaufsdruck auffängt.
DeFi öffnet sich für XRP als Sicherheit
Parallel zu den Grayscale-Abflüssen wurde die verpackte Version von XRP erstmals als Sicherheit in einem institutionellen Kreditpool über 280 Millionen Dollar zugelassen. Halter können damit auf Ethereum den Stablecoin RLUSD leihen, ohne ihre XRP-Position aufzugeben — ein neuer Anwendungsfall, der Kapital im Ökosystem hält statt es abzuziehen.
Ripple selbst hat die Freigabe aus dem Treuhandkonto auf netto 300 Millionen Token begrenzt und signalisiert damit ein kontrolliertes Angebotsmanagement. Auf der Handelsseite fällt zudem auf, dass Wale Anfang August für 81 Prozent aller XRP-Abflüsse von Binance verantwortlich waren, deutlich über dem üblichen Anteil von 72 Prozent. Große Adressen ziehen Bestände von Börsen ab — häufig ein Zeichen für Halteabsicht statt kurzfristiger Handelsplanung.
Technische Marken und der Blick auf September
Charttechnisch bewegt sich XRP nahe der unteren Bandgrenze seiner 52-Wochen-Spanne von 1,01 bis 3,38 Dollar. Für eine erste Stabilisierung müsste der Kurs nachhaltig über 1,10 bis 1,15 Dollar zurückkehren, während ein Schlusskurs unter 1,01 Dollar den Weg nach unten öffnen würde. Als Ausbruchszone gilt bei mehreren Modellen der Bereich zwischen 1,20 und 1,25 Dollar.
Der eigentliche Katalysator bleibt jedoch politisch: Der US-Senat hat die Abstimmung über den CLARITY Act auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben und kehrt erst am 14. September zurück. Wettmärkte wie Kalshi und Polymarket räumen dem Gesetz für dieses Jahr nur noch 14 bis 17 Prozent Chance ein. Solange die regulatorische Einordnung als Rohstoff fehlt, bleiben Pensionsfonds und größere Vermögensverwalter an der Seitenlinie — unabhängig davon, wie viel Nachfrage aus DeFi-Anwendungen wie dem neuen Kreditpool entsteht.
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