XRP: Aktive Adressen springen um 659 Prozent
XRP-Kurs steigt trotz überkaufter Signale, während Banken eigene Blockchain-Infrastruktur aufbauen und Ripples Marktvorteil schmälern.

- Aktive Adressen steigen um 659 Prozent
- Banken bauen eigene Blockchain-Infrastruktur auf
- XRP-Kurs legt in sieben Tagen 43 Prozent zu
- RSI signalisiert überkaufte Lage
Die Aktivität im XRP Ledger ist in den vergangenen Tagen sprunghaft angestiegen. Die Zahl aktiver Adressen kletterte binnen drei Tagen von rund 47.180 auf etwa 358.330 – ein Plus von 659 Prozent. Am Montag wurden rund 305.000 tagesaktive Adressen gezählt.
Parallel dazu legten die Transaktionen im Netzwerk um 38,5 Prozent auf etwa 2,1 Millionen zu, erfolgreiche Transaktionen stiegen sogar um 65,5 Prozent auf rund 1,9 Millionen.
Der Kurs notiert aktuell bei 1,43 US-Dollar und gibt am heutigen Mittwoch um 0,7 Prozent nach. Auf Wochensicht bleibt die Bewegung dennoch außergewöhnlich: Der Kurs hat in den vergangenen sieben Tagen um 43 Prozent zugelegt, auf Monatssicht steht ein Plus von 29 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 73,8 signalisiert eine überkaufte Lage, was kurzfristige Rücksetzer wahrscheinlicher macht.
Aktive Nutzer steigen, klassische Kennzahlen schwächeln
Bemerkenswert ist der Widerspruch innerhalb der Netzwerkdaten: Während die Zahl aktiver Nutzer um 166,5 Prozent auf rund 489.500 sprang, sanken aktive Konten um 25,9 Prozent auf etwa 10.900, neue Konten fielen im gleichen Ausmaß auf circa 1.500. Auch die Zahl der Zahlungen ging um 31,6 Prozent auf rund 440.000 zurück.
Das Bild deutet darauf hin, dass bestehende Nutzer deutlich aktiver handeln, während die Neukundengewinnung stockt – ein Muster, das eher zu spekulativem Trading als zu organischem Wachstum der Zahlungsnutzung passt.
Banken bauen eigene Onchain-Schienen – Ripples Vorteil erodiert
Während die Netzwerkzahlen kurzfristig für Aufmerksamkeit sorgen, zeichnet sich strukturell ein anderes Bild ab. Große Banken bauen zunehmend eigene Blockchain-Infrastruktur auf, die Ripples traditionellen Vorteil gegenüber dem klassischen SWIFT-System schmälert.
JPMorgan bietet über seine Plattform Kinexys mittlerweile Blockchain-Einlagenkonten in acht Währungen an, darunter Dollar, Euro und Yen, samt durchgehendem Onchain-Devisenhandel. Citi hat sein 24/7-Dollar-Clearing auf mehr als 250 Banken in über 40 Märkten ausgeweitet und wickelt Token-Dienste binnen 90 Sekunden ab.
Auch SWIFT selbst rüstet auf: HSBC und Standard Chartered führten am Mittwoch vergangener Woche eine erste Live-Transaktion über eine neue Infrastruktur durch, 17 weitere Banken bereiten sich auf einen Anschluss vor.
Ripple Payments kommt demgegenüber auf ein Volumen von 100 Milliarden US-Dollar in mehr als 60 Märkten und unterstützt neben RLUSD auch USDC, USDT und Fiat-Währungen – eine relevante, aber im Vergleich zu den Bankinitiativen kleinere Größenordnung.
Ripple-CEO Brad Garlinghouse betonte unterdessen, das Unternehmen habe im vergangenen Jahr rund 16 Billionen US-Dollar an Transaktionsvolumen bewegt, vergleichbar mit der Größenordnung von Visa. Davon entfielen 3 Billionen auf die Prime-Sparte Hidden Road und 13 Billionen auf die Treasury-Lösung GTreasury.
Nach seinen Angaben läuft davon jedoch nur 0,1 Prozent tatsächlich onchain über das XRP Ledger ab – jede Verschiebung dieses Anteils um weitere 0,1 Prozentpunkte würde theoretisch 160 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Onchain-Volumen bedeuten.
Einordnung für Anleger
Die Kombination aus explodierender Netzwerkaktivität und zunehmender Konkurrenz durch bankeigene Blockchain-Lösungen zeichnet ein zwiespältiges Bild. Kurzfristig treibt die gestiegene Handelsaktivität den Kurs, der aktuell rund 29 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt liegt.
Langfristig hängt der Investment-Case für XRP jedoch davon ab, ob Ripple seinen Anteil am boomenden Markt für grenzüberschreitende Zahlungen halten kann, während etablierte Banken eigene, direkt konkurrierende Infrastrukturen hochziehen.
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