XRP: Clarity Act fällt von 82 auf 19 Prozent

XRP steht vor richtungsweisenden Terminen: Weißes-Haus-Treffen zur Regulierung, Senatsabstimmung im September und Rekord-Akkumulation durch Großanleger prägen die Lage.

Die Kernpunkte:
  • Ripple-Gespräche im Weißen Haus
  • Senatsabstimmung auf September verschoben
  • Wale kaufen trotz Kursschwäche zu
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief

Während XRP an der psychologisch wichtigen Marke von einem Dollar kratzt, bahnt sich in Washington ein Treffen an, das über die regulatorische Zukunft der Kryptobranche entscheiden könnte. Ripple-Manager reisen kommende Woche ins Weiße Haus. Mit dabei: Donald Trump, SEC-Chef Paul Atkins und CFTC-Chef Michael Selig.

Der Zeitpunkt ist heikel. Der sogenannte Digital Asset Market Clarity Act, ein Gesetz zur klaren Aufgabenteilung zwischen SEC und CFTC, hatte im Frühjahr noch breite parteiübergreifende Unterstützung. Inzwischen ist der Schwung verpufft. Der Senat hat eine wichtige Verfahrensabstimmung auf den 15. September verschoben.

Wettmärkte trauen dem Gesetz nicht mehr

Die Prognoseplattform Polymarket zeigt, wie stark sich die Stimmung gedreht hat. Lag die geschätzte Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des Gesetzes 2026 im Februar noch bei 82 Prozent, sind es aktuell nur noch etwa 19 Prozent.

Beim Treffen im Weißen Haus soll es genau um diese Aufgabenteilung gehen. Berichten vom 15. August zufolge nehmen neben Ripple auch Vertreter von Coinbase teil. Ziel ist es, die regulatorische Grauzone zu klären, die trotz der Einigung im Rechtsstreit Ripple gegen SEC im vergangenen Jahr bestehen bleibt.

Ein mysteriöser Transfer über 50 Millionen Token

Parallel zur politischen Bühne bewegt sich Ripple auch on-chain. Eine mit dem Unternehmen verknüpfte Adresse verschob am 13. August 50 Millionen XRP – umgerechnet rund 50,5 Millionen Dollar – an eine bislang unbekannte Wallet. Nur eine Million Token davon tauchten später bei Binance wieder auf. Die restlichen 49 Millionen bleiben ohne Erklärung.

Der Transfer fällt in eine Phase intensiver Akkumulation durch Großanleger. Wallets mit mehr als einer Million XRP erreichten diese Woche einen Mehrmonatshöchststand von 2.038 Adressen. Diese „starken Hände“ haben in den vergangenen sieben Tagen über 380 Millionen Token zugekauft – ausgerechnet während die Stimmung unter Kleinanlegern auf ein Dreimonatstief fiel.

Dieser Kontrast zwischen institutioneller Zuversicht und Kleinanleger-Pessimismus prägt aktuell das Bild rund um den Coin. Während Wale zukaufen, drückt der breite Markt den Kurs.

Charttechnik zwischen Hoffnung und Warnung

Der Kurs notiert aktuell bei 1,00 Dollar und damit nur 1,3 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 0,9887 Dollar, das erst am 15. August markiert wurde. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,29 Dollar fehlen noch 22 Prozent – ein Zeichen dafür, wie weit sich XRP vom mittelfristigen Trend entfernt hat.

Analyst EGRAG CRYPTO beschrieb die Lage am 16. August als Entscheidungszone zwischen mehreren gleitenden Durchschnitten. Ein Schlusskurs über 1,18 Dollar gilt als Voraussetzung für eine Erholung Richtung 1,20 Dollar. Rutscht der Kurs dagegen unter die Marke von einem Dollar, drohen die Unterstützungen bei 0,85 und 0,77 Dollar.

Deutlich schärfer fällt das Urteil von Veteranen-Trader Peter Brandt aus. Er erklärte am 16. August, er würde jede größere XRP-Position sofort in Bitcoin umschichten – ihm fehle schlicht der Glaube an den langfristigen Nutzen des Tokens. Joao Wedson, CEO von Alphractal, hält sogar einen Rutsch unter 0,60 Dollar für plausibel, sollte die spekulative Hebelwirkung weiter steigen, während der Kaufdruck nachlässt.

Infrastruktur im Umbau

Auch im Ökosystem selbst bewegt sich etwas. Das Gen3-Infrastrukturteam kündigte am 12. August an, seine Endkundenprodukte Aigent.run und AxiomProtocol bis zum 13. September einzustellen. Grund seien hohe Kosten bei gleichzeitig schwacher Nachfrage.

Gegenläufig bereitet die XAO DAO Governance-Upgrades für das XRP Ledger vor. Neue Mechanismen zur Stimmrechtsdelegation und Community-Fördermittel sollen in den kommenden drei Monaten die Beteiligung erhöhen.

Die kommenden Wochen bringen zwei parallele Prüfsteine: das Treffen im Weißen Haus mit möglichen Signalen zur Regulierung, und die Verfahrensabstimmung im Senat am 15. September. Für den Kurs bleibt die Marke von einem Dollar der entscheidende Prüfstein – fällt sie nachhaltig, rücken die tieferen Unterstützungszonen in den Fokus.

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