XRP: CLARITY Act hängt im Senat

Der CLARITY Act zur rechtlichen Absicherung von XRP als Rohstoff steckt im US-Senat fest. Ohne Fortschritt droht ein Kursrutsch unter die Marke von einem Dollar.

Die Kernpunkte:
  • CLARITY Act im Senat blockiert
  • XRP notiert nahe 52-Wochen-Tief
  • Ripple gewinnt trotzdem neue Partner
  • Ein-Dollar-Marke als entscheidender Test

XRP klebt an der Marke von einem Dollar. Der Token notiert bei 1,10 Dollar, nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar. Grund ist nicht ein Problem bei Ripple, sondern eine Blockade in Washington: Der CLARITY Act, das Gesetz, das XRP endgültig als Rohstoff einstufen soll, hängt im US-Senat fest.

Seit Jahresbeginn hat der Token rund 41 Prozent verloren. Im Vergleich zum Hoch von 3,65 Dollar im Juli 2025 steht sogar ein Minus von fast 70 Prozent zu Buche. Zuletzt kam etwas Bewegung in den Kurs: Am Vortag legte XRP um 3,29 Prozent zu, bleibt aber unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,15 Dollar.

Gesetz braucht 60 Stimmen, hat aber nur 51

Der CLARITY Act gilt als der wichtigste regulatorische Hebel für XRP. Er würde den Rohstoff-Status des Tokens, aktuell nur durch eine gerichtliche und behördliche Einstufung von SEC und CFTC im März 2026 gesichert, dauerhaft ins Bundesrecht schreiben. Genau das fehlt derzeit: Ein Gerichtsurteil lässt sich von einer künftigen Regierung wieder kippen, ein Gesetz nicht.

Das Problem: Für eine Verabschiedung braucht der Senat 60 Stimmen. Die Republikaner halten 53 Sitze, doch zwei Senatoren, Josh Hawley und Rand Paul, gelten als wahrscheinliche Nein-Stimmen. Damit rutscht die realistische Zahl auf etwa 51.

Der Bankenausschuss hat das Gesetz bereits mit 15 zu 9 Stimmen durchgewunken. Seit dem 1. Juni wartet es auf eine Abstimmung im Plenum, ein Termin dafür steht bis heute nicht fest. Drei Streitpunkte blockieren den Fortschritt: Kryptoeinkünfte von Donald Trump, Regeln für DeFi-Plattformen und die Behandlung von Stablecoin-Erträgen.

Die Zeit wird knapp. Verpasst der Senat die parlamentarische Sommerpause Anfang August, könnten die anstehenden Zwischenwahlen das gesamte Thema Kryptoregulierung bis 2027 oder länger verschieben.

Auch bei Marktbeobachtern schwindet der Optimismus. Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Research, hat seine Einschätzung für ein Inkrafttreten des Gesetzes noch 2026 von 60 auf 50 Prozent gesenkt. Ohne raschen Fortschritt drohe eine Verschiebung in den September, warnte Thorn, wenn der Kalender im Kongress ohnehin enger wird.

Ripple liefert, der Kurs reagiert trotzdem nicht

Die schwache Kursentwicklung passt nicht zu dem, was bei Ripple selbst passiert. Das Unternehmen hat eine Lizenz für den europäischen Markt erhalten und gewinnt weiter neue Bank- und Zahlungspartner. Spot-ETFs auf XRP haben zudem stetige Zuflüsse von rund 1,48 Milliarden Dollar verzeichnet.

Das Muster dahinter ist einfach erklärt. Banken bauen kein Geschäft auf einem Vermögenswert auf, dessen rechtlicher Status jederzeit kippen kann. Erst wenn der Rohstoff-Status permanent im Gesetz verankert ist, werden aus den Partnerschaften, die Ripple derzeit sammelt, verlässliche Nachfrage nach dem Token.

Marke bei einem Dollar entscheidet über nächste Schritte

Technisch bleibt die Ein-Dollar-Marke der zentrale Punkt, den Trader beobachten. Der Token befindet sich derzeit in einer neutralen Konsolidierung, mit kurzfristiger Unterstützung genau bei dieser Marke. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 69,3 Milliarden Dollar, Platz sechs unter allen Kryptowährungen.

Damian Chmiel, leitender Analyst beim Fachmedium Finance Magnates, hat für den Fall einer gescheiterten Abstimmung ein Abwärtsszenario durchgerechnet. Bricht die Marke von einem Dollar, sieht er als nächste Stationen 0,67 Dollar und 0,47 Dollar, im schlechtesten Fall bis 0,29 Dollar. Als Belastungsfaktoren nennt er anhaltende regulatorische Unsicherheit neben weiteren Marktrisiken.

Andere Beobachter halten die Marke für verteidigungsfähig — allerdings nur unter zwei Bedingungen. Entweder das Gesetz kommt rechtzeitig durch, oder Bitcoin hält sich stabil über 60.000 Dollar. Beide Szenarien gelten derzeit als unwahrscheinlich.

Ripple-Chef spricht über schwierigste Phase der Firmengeschichte

Für kurzzeitige Bewegung sorgten diese Woche auch Aussagen aus der Ripple-Führung. CEO Brad Garlinghouse räumte ein, dass die Geschäftsleitung im Dezember 2020, mitten in der SEC-Klage, kurz erwogen hatte, die Firma aufzulösen und die XRP-Bestände an Aktionäre zu verteilen. Garlinghouse und Mitgründer Chris Larsen entschieden sich stattdessen für den juristischen Kampf — der sie am Ende 150 Millionen Dollar an Anwaltskosten kostete, aber das Unternehmen rettete.

Als Medien daraus Schlagzeilen über eine drohende Kapitulation machten, widersprach CTO Emeritus David Schwartz deutlich. Seine früheren Kommentare seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, sagte er: Garlinghouse habe eine Schließung nie ernsthaft in Erwägung gezogen.

Für den Kurs bleibt das eine Randnotiz. Trader richten den Blick weiter auf den Senatskalender vor der Sommerpause im August. Verstreicht dieses Fenster ohne Abstimmung, dürfte die Ein-Dollar-Marke zum entscheidenden Testfall für die zweite Jahreshälfte werden.

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