XRP: Clarity Act verzögert sich erneut

XRP fällt um fünf Prozent, da der US-Senat die Abstimmung über den Clarity Act verschiebt. Analysten sehen Abwärtsrisiko bis 0,87 Dollar, während Großanleger weiter zukaufen.

Die Kernpunkte:
  • Kursrutsch auf 1,06 US-Dollar
  • Senat vertagt Clarity Act Abstimmung
  • Großanleger akkumulieren 600 Mio. XRP
  • Ripple baut institutionelles Geschäft aus

XRP hat am heutigen Dienstag einen deutlichen Rücksetzer erlitten. Der Kurs notiert bei 1,06 US-Dollar, das entspricht einem Tagesminus von 5,03 Prozent. Auslöser ist eine erneute Verzögerung des US-Gesetzentwurfs Clarity Act im Senat, der die regulatorische Einordnung von Digitalwährungen klären soll. Der Rückgang reiht sich in eine schwierige Jahresbilanz ein: Seit Jahresbeginn steht bei XRP ein Minus von 43,68 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 67,33 Prozent.

Senat vertagt Abstimmung erneut

Der US-Senat hat die Abstimmung über den Clarity Act verschoben, um sich zunächst Personalnominierungen und einem Sanktionspaket gegen Russland zu widmen. Damit rückt die eigentlich für die Zeit vor der August-Sitzungspause angestrebte Verabschiedung in weite Ferne. Prognosemärkte wie Polymarket bewerteten die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung im laufenden Jahr zuletzt nur noch mit 37 Prozent, an anderer Stelle wurde sogar ein Rückgang auf 30 Prozent gemeldet. Sollte das Zeitfenster vor der Sommerpause verstreichen, könnte sich das Verfahren bis in den September oder darüber hinaus verschieben.

US-Finanzminister Scott Bessent drängte den Senat öffentlich zur zügigen Verabschiedung des Gesetzes und warnte, Verzögerungen könnten den USA ihren finanziellen Vorsprung gegenüber Standorten wie Singapur und Abu Dhabi kosten. Auch SEC-Chef Paul Atkins und David Sacks setzten sich für eine rasche Klärung der Aufsichtszuständigkeiten zwischen SEC und CFTC ein. Der Vermögensverwalter Franklin Templeton bekundete am heutigen Dienstag öffentlich seine Unterstützung für den Gesetzentwurf. Politisch kompliziert wird die Lage zusätzlich dadurch, dass Präsident Trump auf Senatsmehrheitsführer Thune Druck ausübt, die August-Pause wegen eines Wahlrechtsgesetzes ganz zu streichen – was die ohnehin knappen Zeitfenster für Krypto-Regulierung weiter einengen könnte.

Charttechnik zeigt überverkauftes Bild

Der Ausverkauf traf einen ohnehin angeschlagenen Chart. XRP notiert derzeit nur 4,35 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief, während das Jahreshoch von 3,37 US-Dollar, erreicht im August 2025, um 68,66 Prozent entfernt liegt. Der Relative-Stärke-Index (RSI) auf 14-Tage-Basis liegt bei 39,9 und signalisiert damit eine angespannte, wenngleich noch nicht extrem überverkaufte Marktlage – einzelne kurzfristige Indikatoren anderer Beobachter fielen zeitweise sogar unter die Marke von 25. Die Analystin CasiTrades sieht angesichts der politischen Hängepartie um den Clarity Act eine mögliche nächste Abwärtswelle bis auf 0,87 US-Dollar, mit Zwischenstationen bei 1,00 und 0,94 Dollar. Dem gegenüber steht die deutlich optimistischere Einschätzung des Analysten Egrag Crypto, der 6,40 US-Dollar als erstes mittelfristiges Kursziel nennt und 13 US-Dollar als aus seiner Sicht realistischstes Zyklusziel bezeichnet – ein Szenario von 60 US-Dollar schließt er für einen möglichen Zyklushöhepunkt nicht kategorisch aus.

Auffällig ist ein Auseinanderdriften der Marktteilnehmer: Während Kleinanleger ihre Bestände Berichten zufolge innerhalb von fünf Wochen um 5,2 Prozent reduzierten, haben große Adressen seit Mitte Juni rund 600 Millionen XRP zusätzlich angehäuft. Auch die börsengehandelten XRP-Fonds verzeichneten am Montag weitere Nettozuflüsse von rund 592.000 US-Dollar, kumuliert seit Auflage mittlerweile 1,50 Milliarden US-Dollar – wenn auch auf niedrigerem Niveau als in stärkeren Marktphasen.

Ripple treibt institutionelles Geschäft voran

Der Kursrückgang steht in einem gewissen Kontrast zur operativen Entwicklung des Ripple-Ökosystems. Das Unternehmen hat zuletzt die Übernahme der Firma Rail abgeschlossen und damit sein Zahlungsverkehrsgeschäft für Stablecoins erweitert. Der eigene Stablecoin RLUSD wurde bei Binance auf dem XRP Ledger integriert und bei der südkoreanischen Börse Upbit gelistet, seine Marktkapitalisierung nähert sich der Marke von 1,5 Milliarden US-Dollar. Zudem erhielt Ripple von der luxemburgischen Aufsicht CSSF eine vorläufige MiCA-Lizenz als Kryptowerte-Dienstleister, die den Zugang zu 30 europäischen Wirtschaftsraum-Staaten eröffnet. Mit dem Handelsplatz LMAX Group vereinbarte Ripple zudem eine Finanzierung über 150 Millionen US-Dollar und die Integration von RLUSD als Sicherheiten-Asset.

Ripple-Chef Brad Garlinghouse bezeichnete die Verbesserung des Nutzwerts von XRP als das „Nordstern“-Ziel des Unternehmens und verwies darauf, dass die Handelssparte Ripple Prime ihren Umsatz seit der Übernahme von Hidden Road verdreifacht habe. Eine Umfrage von Coinbase unter institutionellen Anlegern ergab zudem, dass rund ein Viertel der Befragten plant, XRP im laufenden Jahr in ihre Portfolios aufzunehmen. Für Anleger bleibt damit eine Konstellation bestehen, in der kurzfristiger regulatorischer Gegenwind auf einen längerfristigen Ausbau der institutionellen Infrastruktur trifft.

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