XRP: CLARITY Act verzögert sich

XRP notiert nahe Jahrestief, während positive Nachrichten aus dem Ripple-Umfeld kaum Kursbewegung auslösen.

Die Kernpunkte:
  • Kurs klebt am 52-Wochen-Tief
  • ETF-Zuflüsse kühlen ab
  • Netzwerk-Wachstum widerspricht Kurs
  • Bitcoin dominiert die Richtung

XRP bekommt derzeit prominente Unterstützung: Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock und mehr als 140 weitere Unternehmen. Trotzdem bewegt sich der Token kaum von der Stelle. Das zeigt ein Muster, das seit Wochen anhält — positive Nachrichten aus dem Ripple-Umfeld verpuffen, während der Kurs an übergeordneten Markttrends hängt.

Diese Woche ist Ripple dem neuen Stablecoin-Konsortium Open USD beigetreten. Beobachter sehen Parallelen zwischen dem Reserve-Modell von Open USD und der ursprünglichen Architektur des XRP Ledger aus dem Jahr 2012. Analysten stufen den Vergleich als historisch ein, nicht als Ankündigung einer technischen Integration. Für den Kurs bedeutet das: neutral, aber ein weiterer Baustein in der Erzählung, dass die XRPL-Technologie ihrer Zeit voraus war.

Kurs klebt am Jahrestief

Aktuell notiert XRP bei 1,14 US-Dollar. Am Freitag legte der Token um 8,34 Prozent zu, auf Wochensicht steht ein Plus von 9,39 Prozent. Der Blick auf den Monat relativiert die Erholung allerdings: Auf 30-Tage-Sicht bleibt ein Minus von 5,67 Prozent.

Der Juni war für XRP kein guter Monat. Der Token startete bei rund 1,30 Dollar und rutschte fast durchgehend ab, bis er Ende Juni bei etwa 1,01 Dollar sein 52-Wochen-Tief markierte. Das war der schwächste Stand seit Ende 2024. Zur Einordnung: Vor einem Jahr, im Juli 2025, kostete ein XRP noch 3,65 Dollar — das aktuelle 52-Wochen-Hoch. Der Abstand dazu beträgt heute fast 69 Prozent, auf Jahressicht steht ein Minus von 48,98 Prozent.

Bemerkenswert an diesem Absturz: Er hatte keinen erkennbaren XRP-spezifischen Auslöser. Der Juni war für das Ripple-Netzwerk sogar ein geschäftiger, überwiegend positiver Monat. Der Kurs fiel trotzdem, mitgezogen von einem breiten Ausverkauf am Kryptomarkt, der fast alle Coins erfasste.

ETF-Zuflüsse kühlen ab, CLARITY Act verzögert sich

Die Spot-XRP-ETFs galten bislang als eine der wenigen Kräfte, die echte Nachfrage nach dem Token selbst erzeugen. Seit ihrem Start haben sie rund 1,48 Milliarden Dollar eingesammelt. Weil die Fonds XRP direkt halten, muss jeder investierte Dollar den Token am offenen Markt kaufen.

Dieser Rückenwind hat zuletzt nachgelassen. Am 30. Juni, dem letzten Handelstag des zweiten Quartals, verzeichneten die Fonds ihren ersten Netto-Abfluss seit Wochen.

Auch die Regulatorik liefert derzeit keinen Schub. Eine Abstimmung im US-Senat über den CLARITY Act war ursprünglich rund um den 4. Juli erwartet worden. Der Zeitplan hat sich verschoben: Der Senat kehrt Mitte Juli aus der Sommerpause zurück, eine Abstimmung im Plenum gilt nun erst für Ende Juli oder Anfang August als wahrscheinlich. Wie der Markt auf Fortschritte reagieren kann, zeigte sich im Mai bereits einmal. Als ein Senatsausschuss den Gesetzentwurf durchwinkte, sprang XRP innerhalb eines Tages um rund 4,5 Prozent.

Netzwerk-Aktivität widerspricht dem Kursbild

Während der Preis schwächelt, zeichnet die Nutzung des Netzwerks ein anderes Bild. Ende Juni entstanden an einem einzigen Tag knapp 5.000 neue Wallets — der stärkste Wachstumsschub seit drei Monaten. Auch die Stimmung in Online-Diskussionen hat sich gedreht: Positive Kommentare überwiegen negative mittlerweile im Verhältnis von etwa 3,7 zu 1, ein Dreimonatshoch.

Hinzu kommen Signale von den Börsen selbst. Die Abflüsse von Handelsplätzen beschleunigten sich zuletzt deutlich: Von rund 40,7 Millionen XRP am 22. Juni stieg die Zahl auf etwa 123 Millionen XRP — ein Anstieg von rund 200 Prozent innerhalb weniger Tage. Das deutet darauf hin, dass Käufer gezielt Bestände von Börsen abziehen, statt kurzfristig zu handeln.

Bitcoin gibt den Takt vor

Für den Moment scheinen Trader unternehmensspezifische News zu ignorieren und stattdessen auf die übergeordnete Marktstimmung zu schauen. Der aktuelle RSI von 51,7 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand — der Markt sucht seine Richtung. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,22 Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,49 Dollar. Beide liegen über dem aktuellen Kurs und markieren damit Widerstandszonen von oben.

Zwei Marken dürften jetzt entscheidend sein: die 1-Dollar-Grenze als Unterstützung und die Zone zwischen 1,18 und 1,20 Dollar als Widerstand. Zwischen diesen Linien verläuft die Grenze zwischen einer Erholungsbewegung und einer erneuten Abwärtsphase.

Selbst ein überraschender Durchbruch beim CLARITY Act dürfte daran wenig ändern. Eine Verabschiedung noch im Juli würde XRP vermutlich eine kurze Erleichterungsrally bescheren, aber keine grundlegende Trendwende einleiten — solange sich der breitere Kryptomarkt nicht stabilisiert.

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