XRP: Death Cross warnt vor Rutsch unter 1 Dollar

XRP notiert nahe seinem Jahrestief, während Anleger auf den Krypto-Roundtable im Weißen Haus blicken. Institutionelles Geschäft wächst trotz schwacher Kursentwicklung.

Die Kernpunkte:
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief
  • Dollar-Marke in akuter Gefahr
  • Krypto-Gipfel im Weißen Haus
  • Ripple baut institutionelles Geschäft aus

XRP notiert bei 0,9898 US-Dollar und damit nur noch hauchdünn über seinem 52-Wochen-Tief von 0,9887 Dollar, das erst am Freitag markiert wurde. Der Tagesverlust von 1,3 Prozent reiht sich in eine Serie schwacher Wochen ein: Auf Monatssicht steht ein Minus von 9,4 Prozent, seit Jahresbeginn hat die Kryptowährung fast die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Damit rückt die Marke von einem Dollar, die XRP seit November 2024 durchgehend verteidigt hatte, in akute Gefahr.

Der Ausverkauf trifft auf ein besonders sensibles politisches Zeitfenster. Für morgen ist im Weißen Haus ein Krypto-Roundtable angesetzt, an dem laut Berichten Vertreter der SEC, der CFTC, Coinbase, Polymarket und Ripple teilnehmen sollen.

Die Erwartungen der Anleger sind gedämpft: Der lange erhoffte CLARITY Act, der Marktstrukturregeln für Digitalwährungen schaffen soll, gilt inzwischen als praktisch gescheitert. Die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung wird nur noch auf etwa zehn Prozent taxiert, eine erneute Vertagung bis Mitte September gilt als wahrscheinlich.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte zudem ein eigens angekündigtes Regeltreffen zu Krypto-Assets binnen 72 Stunden wieder abgesagt – Beobachter nennen als Gründe Druck aus dem Weißen Haus sowie die Drohung einer Klage der Branchenvereinigung SIFMA.

Institutionelles Geschäft wächst, Privatanleger fliehen

Während Kleinanleger offenbar in Panik verkaufen, baut Ripple sein institutionelles Geschäft weiter aus. Nach eigenen Angaben verarbeiten die Sparten Ripple Prime und Ripple Treasury inzwischen ein jährliches Volumen von 16 Billionen US-Dollar, das Unternehmen verfügt über einen dreijährigen No-Action-Letter der SEC.

Die zentrale Wertpapier-Verwahrstelle DTCC hat Ripple Prime nach Angaben aus dem Umfeld bereits produktiv im Einsatz für Tokenisierungsprojekte. Zusätzlich sicherte sich Ripple eine Kreditlinie von 200 Millionen Dollar vom Vermögensverwalter Neuberger Berman, mit der die institutionelle Kreditvergabe über Ripple Prime ausgeweitet werden soll.

Parallel dazu investierte Ripple in die Firmen ZILO und Licuido, um eine regulierte Transferagentur sowie Kollateral-Mobilität auf dem XRP Ledger aufzubauen.

Diese Divergenz zwischen institutioneller Nutzung und schwacher Kursentwicklung beschäftigt auch Analysten. Der Marktbeobachter Brad Kimes rechnet mit einem erneuten Test unter die Marke von einem Dollar, sollte der aktuelle Verkaufsdruck anhalten.

Charttechnisch untermauert wird diese Einschätzung durch einen sogenannten Death Cross im Tageschart, bei dem der 50-Tage-Durchschnitt unter den 200-Tage-Durchschnitt gefallen ist – ein klassisches Warnsignal für weitere Schwäche. Der aktuelle Kurs liegt bereits 8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,08 Dollar und rund 23 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,28 Dollar.

ETF-Zuflüsse trocknen aus

Ein weiteres Warnsignal liefert der Markt für börsengehandelte XRP-Fonds. Die wöchentlichen Nettozuflüsse in Spot-ETFs sind Berichten zufolge um mehr als 90 Prozent eingebrochen, während gleichzeitig die aktiven Wallets auf dem XRP Ledger seit Jahresbeginn um über die Hälfte zurückgegangen sind.

Gleichzeitig meldete Ripple, binnen weniger Stunden 30 Millionen Dollar seines Stablecoins RLUSD auf dem XRP Ledger neu geprägt zu haben – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen trotz der schwachen Kursentwicklung an seiner Tokenisierungsstrategie festhält.

Ob das Treffen im Weißen Haus tatsächlich neue regulatorische Klarheit bringt, bleibt abzuwarten bis morgen. Bis dahin dürfte die Marke von einem Dollar der entscheidende Referenzpunkt für Anleger bleiben, die zwischen institutionellem Rückenwind und technischer Schwäche abwägen müssen.

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