XRP: Der Brücken-Traum?

Garlinghouse skizziert XRP als mögliche Zahlungsbrücke, während Ripple auch RLUSD und traditionelle Währungen einsetzt.

Die Kernpunkte:
  • XRP als künftiger institutioneller Zahlungsstandard
  • Ripple nennt über 16 Billionen US-Dollar Transaktionsvolumen
  • Für 2026 sind ein bis drei Prozent Verlagerung geplant
  • RLUSD-Nutzung kann Gebührenbedarf in XRP schaffen

Ripple-CEO Brad Garlinghouse traut XRP zu, innerhalb der nächsten fünf Jahre zum institutionellen Standard für Krypto-Zahlungswege zu werden. Medienberichten von heute zufolge will Ripple den Token dort bevorzugen, wo sein Einsatz sinnvoll ist. Für Anleger liegt die entscheidende Einschränkung darin: Das Unternehmen setzt nicht ausschließlich auf XRP. Je nach Transaktion kommen auch klassische Währungen oder der Stablecoin RLUSD infrage.

Garlinghouse setzt auf institutionelle Zahlungen

Garlinghouses Einschätzung beschreibt eine strategische Ambition, keinen bereits erreichten Marktstatus. XRP könne als Brücken-Asset zwischen verschiedenen Währungspaaren dienen. Zugleich räumt der Ripple-Chef anderen Zahlungswegen ausdrücklich einen Platz ein. Wachstum bei Ripple lässt sich deshalb nicht unmittelbar mit einer entsprechend steigenden XRP-Nachfrage gleichsetzen.

Die Größenordnung des möglichen Übergangs verdeutlichen Unternehmensangaben: Ripple meldete für 2025 mehr als 16 Bio. US-Dollar an ermöglichtem Transaktionsvolumen. Garlinghouse zufolge liefen 99,9 % dieses Volumens noch über traditionelle Wege.

Damit ist das genannte Volumen vor allem ein Hinweis auf Ripples bestehendes Geschäft und dessen mögliche Verlagerung auf Blockchain-Netzwerke. Es handelt sich nicht um bereits abgewickelte XRP-Zahlungen. Diese Unterscheidung ist für die Bewertung des Tokens wesentlich.

Für das Folgejahr setzte Garlinghouse das Ziel, 1–3 % des Volumens auf Blockchain-Netzwerke zu verlagern. Auch diese Verlagerung wäre allerdings nicht automatisch vollständig XRP zuzurechnen. Seine Aussagen zur Auswahl des jeweils passenden Zahlungsmittels lassen ausdrücklich mehrere Wege offen.

RLUSD schafft Nutzung, aber keine Gleichsetzung

Beim Stablecoin RLUSD zeigt sich dieselbe Abgrenzung. Nach Garlinghouses Angaben ist rund die Hälfte des RLUSD auf dem XRP Ledger ausgegeben. Diese Aktivität bringe dem Netzwerk Liquidität und Transaktionsvolumen.

Ripple-SVP Jack McDonald argumentiert, dass die Nutzung von RLUSD auf dem XRP Ledger auch Nachfrage nach XRP erzeugt. Der Grund: Netzwerkgebühren müssen in XRP bezahlt werden. Das ist ein konkreter Zusammenhang zwischen Stablecoin-Aktivität und dem nativen Token.

Daraus folgt jedoch keine gleichwertige XRP-Nachfrage in Höhe der bewegten Stablecoin-Beträge. Gebührenbedarf und Zahlungsvolumen sind unterschiedliche Größen. Zudem nennt Garlinghouse RLUSD selbst als eine Alternative für Transaktionen, bei denen XRP nicht das bevorzugte Mittel ist.

Für XRP-Anleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Mehr RLUSD-Aktivität kann die Nutzung des Netzwerks stärken. Ob XRP darüber hinaus häufiger als Brücken-Asset eingesetzt wird, ist eine eigenständige Frage.

Unternehmenswachstum ist kein Anspruch des Tokens

Ripple erwartet bis Ende 2026 eine annualisierte Produktumsatzrate von 900 Mio. US-Dollar. Das ist eine Unternehmensprognose und kein gemeldeter Jahresumsatz.

Auch hier bleibt die Trennung zwischen Unternehmen und Token entscheidend. XRP-Besitz vermittelt keinen Anspruch auf Ripples Umsätze. Eine wachsende Kundenbasis oder zusätzliche Zahlungsaktivität sind daher nicht mit einer direkten wirtschaftlichen Beteiligung der Tokenhalter gleichzusetzen.

Garlinghouses Perspektive liefert damit eine mögliche langfristige Verwendung für XRP, aber keinen Nachweis ihrer Umsetzung. Entscheidend für die Anlageargumentation ist nicht allein, wie stark Ripple wächst. Maßgeblich ist vielmehr, welchen Anteil XRP an den tatsächlich auf Blockchain-Netzwerke verlagerten Zahlungen übernimmt – und ob der Token dabei über die Begleichung von Netzwerkgebühren hinaus eingesetzt wird.

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