XRP: EU-Lizenz ohne Kursreaktion
Ripples MiCA-Lizenz bringt kaum Kursbewegung bei XRP. Trotz Rekordzuflüssen in ETFs bremst regulatorische Unsicherheit den Token.

- MiCA-Lizenz für Ripple erteilt
- XRP-Kurs kaum verändert bei 1,10 Dollar
- ETF-Zuflüsse erreichen 1,47 Milliarden Dollar
- Analysten senken Jahresendziel drastisch
Ripple hat einen regulatorischen Meilenstein erreicht — und der Markt zuckt kaum mit der Wimper. Die frisch erteilte MiCA-Lizenz macht XRP zum ersten vollständig EU-konformen Token eines großen Zahlungsnetzwerks. Trotzdem notiert der Kurs am Wochenende weiterhin bei rund 1,10 Dollar, gut 70 Prozent unter dem Allzeithoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025.
Die Lizenz gilt als Signal für institutionelle Investoren, die in der Eurozone bislang rechtliche Unsicherheit scheuten. Der Kurs reagierte zunächst mit einem Anstieg von rund einem Prozent — mehr aber auch nicht. Parallel dazu sinkt das XRP-Angebot auf Binance spürbar: Rund 123 Millionen Token wurden zuletzt von der Börse abgezogen, ein Plus von 200 Prozent gegenüber den Vorwochen. Das Open Interest bei XRP-Futures fiel auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten.
ETF-Zuflüsse contra Analysten-Skepsis
Während die MiCA-Nachricht verpufft, läuft im Hintergrund die eigentliche Story: Spot-XRP-ETFs verzeichneten acht Wochen in Folge positive Nettozuflüsse und summierten sich auf 1,47 Milliarden Dollar. Goldman Sachs meldete eine Position von 153,8 Millionen Dollar über vier XRP-Fonds, Bitwise sammelte an einem einzigen Tag 11,18 Millionen Dollar ein.
Der Kontrast zum Rest des Kryptomarkts fällt auf. Bitcoin-ETFs verbuchten im zweiten Quartal den größten vierteljährlichen Abfluss seit ihrem Start, Ethereum-Fonds verloren allein im Juni 529 Millionen Dollar. XRP blieb die einzige große Kryptowährung mit durchgehend positivem ETF-Kapitalfluss in diesem Zeitraum.
Ausgerechnet in diese Phase platzte das härteste Analysten-Downgrade des Jahres. Standard Chartered senkte das Jahresendziel für XRP von 8,00 auf 2,80 Dollar — ein Schnitt um 65 Prozent. Bei einer Marktkapitalisierung von 69 Milliarden Dollar würde selbst dieses gekürzte Ziel vom aktuellen Niveau aus lediglich eine Verdopplung über mehrere Monate bedeuten.
CLARITY Act bleibt der Unsicherheitsfaktor
Die politische Komponente bremst zusätzlich. Der CLARITY Act, der XRP als Rohstoff einstufen soll, verpasste sein ursprüngliches Zeitfenster Anfang Juli. Der Senat ging am 29. Juni in die Sommerpause und kehrt frühestens am 13. Juli zurück — eine Abstimmung dürfte damit erst Ende des Monats möglich sein. Galaxy Research senkte die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr auf 50 Prozent.
Prognosen für die kurze Frist bleiben verhalten: Changelly sieht den Juli-Durchschnitt nahe 1,20 Dollar mit einer Spanne zwischen 1,07 und 1,26 Dollar. Auf Polymarket wird XRP eine 70-prozentige Chance eingeräumt, den Monat über der Marke von 1,20 Dollar abzuschließen.
Die kommende Woche liefert die erste konkrete Weichenstellung. Kehrt der Senat am 13. Juli tatsächlich zur Beratung des CLARITY Act zurück, dürfte sich zeigen, ob die institutionelle Kaufwelle aus den ETF-Zuflüssen ausreicht, um den Widerstand bei 1,18 bis 1,20 Dollar zu knacken — oder ob die regulatorische Hängepartie den Kurs weiter in der engen Spanne hält.
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