XRP: Goldman liquidiert 154 Millionen Dollar

Ripple-Stablecoin RLUSD verdrängt Ethereum auf der XRP Ledger, während der XRP-Kurs nahe dem Jahrestief notiert und Goldman Sachs aussteigt.

Die Kernpunkte:
  • RLUSD-Bestand auf XRPL überholt Ethereum
  • Goldman Sachs liquidiert XRP-ETF-Portfolio
  • Institutionelle Nutzung der Ledger steigt
  • XRP-Kurs fällt auf 1,06 Dollar

Auf der XRP Ledger passiert gerade etwas Bemerkenswertes: Der Ripple-Stablecoin RLUSD verdrängt Ethereum als führende Plattform für den eigenen Token. Der XRP-Kurs selbst kratzt derweil am 52-Wochen-Tief. Zwei Geschichten, die sich völlig widersprechen — und genau das macht die aktuelle Lage bei XRP so aufschlussreich.

RLUSD verschiebt die Machtverhältnisse

Seit dem 26. Juni führt die XRP Ledger beim RLUSD-Bestand vor Ethereum. Aktuell liegt die Verteilung bei 56 zu 44 Prozent zugunsten von XRPL. Konkret hält die XRP Ledger 863,2 Millionen RLUSD, Ethereum kommt auf 676,1 Millionen — zusammen ein Volumen von 1,539 Milliarden Dollar.

Die Dynamik dahinter ist eindeutig. Seit Mitte Juni ist der RLUSD-Bestand auf XRPL um 11,7 Prozent gestiegen, während er auf Ethereum um 22,8 Prozent gefallen ist. Blickt man zwei Monate zurück, hat sich der Bestand auf der XRP Ledger sogar mehr als verdoppelt: von 378,8 Millionen Mitte Mai auf heute 863,2 Millionen.

Kein spontaner Nutzeransturm treibt diese Entwicklung. Ripple selbst verschiebt seinen Stablecoin gezielt auf die eigene Chain. Im vergangenen Monat verbrannte das Unternehmen rund 539 Millionen Dollar an RLUSD über beide Netzwerke hinweg — etwa drei Viertel davon auf Ethereum. Der Gesamtbestand von RLUSD schrumpfte dadurch sogar um rund 11 Prozent, vom Juni-Hoch bei knapp 1,8 Milliarden Dollar.

Für XRP selbst hat diese Verschiebung eine handfeste Konsequenz. Auf der XRP Ledger fungiert der Token als eingebauter Vermittler: Das Netzwerk betreibt eine eigene Börse mit über 25.000 Handelspools. Fehlt für einen Tausch ein direkter Markt, routet das System den Handel automatisch über XRP. Je mehr RLUSD-Handel auf XRPL stattfindet, desto mehr von dieser Vermittlerrolle fällt an XRP selbst. Auf Ethereum dagegen ist RLUSD nur ein weiterer Dollar-Token in Lending-Apps wie Aave oder Curve — ohne jede Verbindung zu XRP.

Institutionen nutzen die Ledger verstärkt

Diese Verschiebung fällt mit wachsender institutioneller Nutzung der XRP Ledger zusammen. Anfang des Jahres wickelten JPMorgan, Mastercard und Ondo Finance über die Ledger eine grenzüberschreitende Rücknahme eines tokenisierten US-Treasury-Fonds ab — in unter fünf Sekunden. Über Banken dauert ein solcher Vorgang normalerweise ein bis drei Werktage.

Auch bei tokenisierten Real-World-Assets zeigt sich Wachstum: Innerhalb eines Quartals stieg das Volumen auf der XRP Ledger um rund 124 Prozent, größtenteils getrieben von institutionellem statt privatem Kapital.

Goldman steigt komplett aus

Während die Infrastruktur wächst, zieht sich mindestens eine große Wall-Street-Bank zurück. Goldman Sachs galt Ende 2025 kurzzeitig als größter offengelegter institutioneller Halter von Spot-XRP-ETFs. Die 13F-Meldung für das vierte Quartal 2025 zeigte Positionen von rund 40 Millionen Dollar im Bitwise-XRP-ETF, 38,5 Millionen Dollar im Franklin-XRP-Trust, 38 Millionen Dollar im Grayscale-XRP-Fonds und 36 Millionen Dollar im 21Shares-Produkt.

Diese Position existiert nicht mehr. Laut aktueller SEC-13F-Meldung hat Goldman Sachs im ersten Quartal 2026 sein gesamtes XRP-ETF-Portfolio von 154 Millionen Dollar liquidiert — zusammen mit sämtlichen Solana-ETF-Beständen. Die Meldung weist für beide Kategorien null Positionen aus, ein klarer Komplettausstieg.

Bloomberg-Analysten hatten den Aufbau der Goldman-Position Ende 2025 bereits als Trading-Desk-Aktivität eingeordnet, nicht als strategische Überzeugung. Der Ausstieg im ersten Quartal bestätigt diese Einschätzung.

Der breitere ETF-Markt blieb von der Bewegung unbeeindruckt. Seit April flossen den XRP-ETFs netto über 176 Millionen Dollar zu, trotz des Goldman-Exits. Der Markt hängt damit offenbar nicht mehr von einzelnen Großinvestoren ab. Goldman selbst rotierte das Kapital in andere Bereiche: Die Bank erhöhte ihre Aktienbeteiligungen an kryptonahen Unternehmen wie Circle, Galaxy Digital und Coinbase um bis zu 249 Prozent — ein Schwenk hin zu Trading-, Payment- und Stablecoin-Geschäften.

Kurs bleibt unter Druck

Von den positiven Netzwerkdaten ist beim Kurs bislang wenig zu spüren. XRP notiert aktuell bei 1,06 Dollar, ein Minus von rund 2 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,98 Prozent zu Buche, auf Monatssicht 7,40 Prozent.

Der Blick auf ein Jahr zeigt das Ausmaß der Schwäche noch deutlicher: Seit Jahresbeginn hat XRP 43,3 Prozent verloren, gegenüber dem Vorjahr sogar 62,49 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen den Token derzeit fast 71 Prozent. Zum jüngsten 52-Wochen-Tief bei 1,01 Dollar von Ende Juni sind es dagegen nur gut 5 Prozent Abstand.

Auch die technischen Indikatoren signalisieren keine Trendwende. Der Kurs liegt unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,15 Dollar, unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 1,28 Dollar und rund 26 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,45 Dollar. Der RSI von 39,4 deutet auf anhaltend schwachen Momentum hin, ohne im überverkauften Bereich zu liegen.

Die Diskrepanz zwischen Netzwerkfortschritt und Kursentwicklung dürfte XRP-Beobachter auch in den kommenden Wochen beschäftigen. Wachsende Stablecoin-Aktivität und institutionelle Abwicklungsgeschäfte auf der eigenen Chain stehen einem Token gegenüber, der sich näher an der Marke von 1 Dollar bewegt als an seinem Jahreshoch.

Anzeige

XRP: Kaufen oder verkaufen?! Neue XRP-Analyse vom 14. Juli liefert die Antwort:

Die neusten XRP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für XRP-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

XRP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu XRP