XRP: MiCA-Lizenz verkauft – 4,71% Minus

Trotz regulatorischer Erfolge und steigender institutioneller Nachfrage fällt der XRP-Kurs. Japanische Firmen setzen vermehrt auf die Kryptowährung als Bilanzreserve.

Die Kernpunkte:
  • Ripple erhält MiCA-Zulassung in Europa
  • Japanische Unternehmen nutzen XRP als Reserve
  • Bitwise XRP ETF über 500 Millionen Dollar Zuflüsse
  • Tokenisierung auf XRP Ledger wächst rasant

XRP bekommt regulatorisches Grünlicht in Europa – und der Kurs fällt trotzdem. Am 8. Juli notiert die Kryptowährung bei 1,09 US-Dollar, ein Minus von 4,71 Prozent binnen 24 Stunden. Während institutionelle Adoption in Japan und den USA Fahrt aufnimmt, zeigt der Markt eine klassische Sell-the-News-Reaktion.

Ripple erhält MiCA-Lizenz, Markt reagiert kühl

Am 6. Juli hat Ripple von der luxemburgischen Aufsichtsbehörde CSSF die volle MiCA-Zulassung als Krypto-Dienstleister erhalten. Die Lizenz öffnet Ripple den Zugang zu allen 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums für regulierte Krypto-Zahlungslösungen. Eigentlich eine der größten regulatorischen Hürden für die Expansion in Europa ist damit gefallen.

Der Markt quittierte die Nachricht mit Verkäufen statt Käufen. XRP fiel zeitweise auf rund 1,10 Dollar, ein Tagesminus von etwa 2 Prozent zum Zeitpunkt der Meldung. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,95 Prozent zu Buche – die positive Kursreaktion kam offenbar schon im Vorfeld der Ankündigung.

Japanische Firmen entdecken XRP als Bilanzreserve

Der schwache Yen treibt japanische Unternehmen zu einer ungewöhnlichen Strategie: Sie parken Bitcoin und XRP in ihren Bilanzen. SBI VC Trade, der Krypto-Arm der SBI Group, meldete am 7. und 8. Juli einen deutlichen Anstieg solcher Diversifizierungsstrategien.

Die Nutzerzahlen des Anbieters sprechen für sich. Die Gesamtzahl der Konten hat im Juli 2026 die Marke von 2 Millionen überschritten – fast eine Verdopplung gegenüber 2025. Die Fusion mit BitPoint Japan im April 2026 hat dieses Wachstum zusätzlich beschleunigt. Einige japanische Firmen gehen noch weiter und binden XRP direkt in Aktionärsprogramme ein.

ETF-Zuflüsse halten sich seit acht Wochen

Der Bitwise XRP Spot ETF hat am 7. Juli die Marke von 500 Millionen Dollar an kumulierten Netto-Zuflüssen überschritten. Das entspricht einem Marktanteil von 33 Prozent an den gesamten 1,49 Milliarden Dollar, die seit Auflegung in XRP-Spot-ETFs geflossen sind.

Der gesamte ETF-Sektor zeigt sich robust: Acht Wochen in Folge verzeichnen die Fonds Netto-Zuflüsse. Die Netto-Assets aller XRP-ETFs liegen aktuell bei rund 1,02 Milliarden Dollar, etwa 1,46 Prozent der gesamten XRP-Marktkapitalisierung. Der 7. Juli brachte für einige Fonds zwar den ersten Tag ohne jede Aktivität seit Ende Juni. Bitwise selbst meldet aber seit Jahresbeginn keinen einzigen Monat mit Netto-Abflüssen.

Tokenisierung wächst, JPMorgan und Mastercard testen

Parallel zur ETF-Story wächst auf dem XRP Ledger ein zweites Standbein: die Tokenisierung realer Vermögenswerte. Aktuell laufen rund 4 Milliarden Dollar an tokenisierten Assets über mehr als 500 Produkte auf der Blockchain.

Besonders bemerkenswert: Treasury-Rücknahmen mit Beteiligung von JPMorgan, Ondo und Mastercard wurden in etwa vier Sekunden abgewickelt. Ripple testet zudem gemeinsam mit der südkoreanischen K-Bank grenzüberschreitende Blockchain-Zahlungen in Korridoren wie Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Die fundamentale Story steht im Kontrast zum technischen Bild. XRP notiert mit 1,09 Dollar rund 8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,19 Dollar und über 25 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,47 Dollar. Zum bisherigen Jahreshoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 klafft eine Lücke von über 70 Prozent.

Der RSI von 43,7 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand, eher eine neutrale bis leicht bärische Tendenz. Widerstand liegt bei 1,17 Dollar – exakt am 50-Tage-Durchschnitt. Unterstützung finden Trader bei 1,02 und 0,84 Dollar, während das 52-Wochen-Tief erst vor knapp zwei Wochen bei 1,01 Dollar markiert wurde.

Ein Detail spricht für eine Marktberuhigung unter der Oberfläche: Das Open Interest am Futures-Markt ist gegenüber dem Hoch vom Juli 2025 um 78 Prozent eingebrochen, auf aktuell rund 2,40 Milliarden Dollar. Weniger Hebel bedeutet weniger Liquidationsrisiko. Die kumulative Volumen-Delta ist seit Mai um 406 Millionen Dollar gestiegen – ein Hinweis darauf, dass langfristige Halter die Verkäufe gehebelter Trader absorbieren, während Spot-Nachfrage stabil bleibt.

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