XRP: MiCA-Zulassung vom 6. Juli

Großbritannien holt Ripple in seine Taskforce für digitale Großhandelsmärkte. Das Unternehmen sieht sich als Vorreiter für tokenisierte Finanzprodukte.

Die Kernpunkte:
  • Ripple in britische Taskforce berufen
  • Tokenisierung soll 33 Milliarden Pfund bringen
  • XRP-Kurs bleibt trotz positiver Nachrichten schwach
  • RLUSD-Stablecoin nun mehrheitlich auf XRPL

Ripple bekommt Rückenwind aus London. Das britische Finanzministerium bindet das Unternehmen offiziell in seine Taskforce für digitale Großhandelsmärkte ein. Der Schritt fällt zusammen mit einem Regierungsbericht vom 13. Juli 2026, der Tokenisierung zum wirtschaftspolitischen Ziel erklärt.

Die Zahl dahinter ist beachtlich: Bis 2035 soll die Tokenisierung jährlich 33 Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaft beitragen. Ripple positioniert sich dabei nicht als Zaungast. Das Unternehmen betont, dass tokenisierte Fonds, Anleihen und Repo-Geschäfte längst im Einsatz sind, nicht nur in der Theorie. Großbritannien habe mit seinen entwickelten Kapitalmärkten und einem verlässlichen Regulierungsrahmen beste Voraussetzungen, um bei der tokenisierten Finanzwelt weltweit die Führung zu übernehmen, so das Unternehmen.

Der lange Weg durch die Regulierung

Die Partnerschaft mit London kommt nicht aus dem Nichts. Ripple-Chef Brad Garlinghouse hat kürzlich offengelegt, wie nah das Unternehmen einst am Aus stand. Nach der Klage der US-Börsenaufsicht SEC im Dezember 2020 erwog die Führungsriege offenbar eine komplette Schließung und wollte die XRP-Bestände anteilig an die Aktionäre verteilen.

Der Rechtsstreit gegen eine Regierung mit, wie Garlinghouse es formulierte, „unendlicher Macht und unendlichen Ressourcen“ kostete Ripple über vier Jahre hinweg schätzungsweise 150 Millionen Dollar. Das Unternehmen entschied sich dennoch zum Kampf. 2023 kam die Belohnung: Ein Gericht stufte XRP beim Verkauf auf Sekundärmärkten nicht als Wertpapier ein.

Seither ging es Schlag auf Schlag. Im März 2026 stuften SEC und CFTC gemeinsam XRP als digitales Rohstoffgut ein, was institutionellen Produkten den Weg ebnet. Am 6. Juli 2026 sicherte sich Ripple die volle MiCA-Zulassung. Damit kann das Unternehmen regulierte Zahlungsdienste in 30 europäischen Ländern anbieten.

Kurs bleibt unter Druck, trotz guter Nachrichten

An der Kursreaktion zeigt sich: Gute Nachrichten allein reichen aktuell nicht. XRP notiert bei 1,10 Dollar und legt auf Tagessicht um 1,31 Prozent zu. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,84 Prozent, auf Monatssicht sogar 4,26 Prozent.

Der Blick auf die längere Frist zeigt das ganze Ausmaß der Talfahrt. Seit Jahresbeginn hat XRP über 41 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar mehr als 61 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 fehlen fast 70 Prozent. Immerhin: Zum erst kürzlich markierten Jahrestief bei 1,01 Dollar liegt noch etwas Puffer, knapp neun Prozent.

Das Handelsvolumen schwankt je nach Betrachtungszeitraum zwischen rund 955 Millionen und über einer Milliarde Dollar täglich. Der gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,15 Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt sogar bei 1,45 Dollar. XRP kämpft also nicht nur mit kurzfristigem Gegenwind, sondern läuft auch mittelfristigen Durchschnittswerten hinterher.

Ein Detail sorgt für Vorsicht bei Beobachtern. Die Analyseplattform Santiment registriert unter Kleinanlegern ein Verhältnis von 3,02 positiven zu einem negativen Kommentar, ein Fünf-Wochen-Hoch. Erfahrungsgemäß kann übertriebener Optimismus während Kursrückgängen kurzfristig sogar auf weiteren Abwärtsdruck hindeuten, statt eine Erholung zu bestätigen.

Ökosystem wächst, ETF-Gelder fließen ab

Abseits des Kurses zeigt das XRP-Ledger-Netzwerk Substanz. Der hauseigene Stablecoin RLUSD liegt inzwischen mehrheitlich auf der XRP-Blockchain: 810 Millionen Dollar oder 51,7 Prozent befinden sich dort, verglichen mit 756 Millionen Dollar auf Ethereum. Damit hat XRPL Ethereum als bevorzugte Heimat für RLUSD überholt.

Der Wert tokenisierter Vermögenswerte auf dem Netzwerk übersteigt inzwischen vier Milliarden Dollar. Community-Validatoren stimmen aktuell über ein natives Kreditprotokoll ab, ein Upgrade-Vorschlag für ein AMM-System der zweiten Generation befindet sich im Entwurfsstadium.

Bei den institutionellen Anlegern zeigt sich ein gemischtes Bild. Die sieben in den USA gelisteten Spot-ETFs auf XRP, gestartet zwischen November und Dezember 2025, verwalten zusammen rund eine Milliarde Dollar und halten etwa 964,6 Millionen XRP-Token. Bis Mitte 2026 flossen den Fonds insgesamt rund 1,5 Milliarden Dollar zu.

In der vergangenen Woche kippte der Trend jedoch. Aus den ETFs flossen netto 7,18 Millionen Dollar ab, das erste Mal nach zwei Monaten ununterbrochener Zuflüsse. Ob es sich um eine kurze Verschnaufpause handelt oder der Beginn einer längeren Abkühlung ist, lässt sich an den Zahlen bislang nicht ablesen.

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