XRP: Nur 51 Senatoren für CLARITY Act
Die Vertagung des CLARITY Act auf September schwächt die Kursstabilität von XRP. Der Token notiert nahe seinem Jahrestief, während institutionelle Zuflüsse in ETFs ein gemischtes Bild zeigen.

- Senat verschiebt Krypto-Gesetz
- XRP nahe 52-Wochen-Tief
- 9,6 Mio. Dollar an Liquidationen
- ETF-Zuflüsse trotz schwacher Stimmung
XRP kämpft gerade an einer Marke, die für den Kurs seit Wochen entscheidend ist. Bei 1,03 bis 1,04 Dollar verläuft eine psychologisch wichtige Unterstützung. Der US-Senat hat ihr am Wochenende einen wichtigen Rückhalt entzogen.
Senat schiebt CLARITY Act auf September
Der CLARITY Act sollte digitale Vermögenswerte rechtlich einordnen und XRP als Rohstoff einstufen. Für die Abstimmung braucht das Gesetz 60 Stimmen. Aktuell stehen 51 Senatoren dahinter — zu wenig.
Die Kammer hat die Abstimmung deshalb auf September verschoben. Am 27. Juli 2026 fiel die Entscheidung, das Gesetz erst einmal beiseitezulegen. Fraktionschef John Thune wollte eigentlich noch vor der Sommerpause eine Verfahrensabstimmung erzwingen. Die nötigen Stimmen fehlten aber selbst in den eigenen Reihen der Republikaner.
Zwei Streitpunkte blockieren eine Einigung. Banken machen massiv Lobbyarbeit gegen Belohnungen für Stablecoin-Nutzer. Demokraten fordern strengere Ethikregeln für Amtsträger, die von Krypto-Geschäften profitieren.
Die Folge: Die Senatoren gehen am 10. August in die Sommerpause und kehren erst am 14. September zurück — in einen Kalender voller Haushaltsstreitigkeiten. Auf der Wettplattform Polymarket ist die Wahrscheinlichkeit für ein Gesetz noch in diesem Jahr von über 80 Prozent im Februar auf nur noch 14 Prozent gefallen.
Kursreaktion und Liquidationen
Die Unsicherheit hat gehandelte Positionen bereits gekostet. Etwa 9,6 Millionen Dollar wurden zwangsliquidiert, größtenteils bei Anlegern mit Long-Positionen. Über Nacht kam eine leichte Erholung, getragen von moderat steigendem Volumen.
Aktuell notiert XRP bei 1,04 Dollar. Der Token liegt damit nur 3,17 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, das erst am 26. Juni erreicht wurde. Der RSI von 40,8 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand, deutet aber auf anhaltend schwachen Antrieb hin.
Polymarket-Händler sehen für August mit 68 Prozent Wahrscheinlichkeit einen Kurs bei oder unter einem Dollar. Nur etwa 13 Prozent rechnen mit einem Anstieg auf 1,20 Dollar oder höher. Die Marke von einem Dollar hat XRP diese Woche zweimal verteidigt — allerdings mit jeweils schwächerer Überzeugung im Handel.
ETF-Zuflüsse zeigen Lebenszeichen
Trotz der schwachen Stimmung gibt es einen Lichtblick. Spot-ETFs auf XRP verzeichneten zuletzt wieder Zuflüsse statt Abflüsse. Das deutet auf gezieltes institutionelles Interesse hin, selbst in einem bärischen Marktumfeld.
Der stärkste Monat war bislang der Mai mit rund 132 Millionen Dollar an Zuflüssen, als der CLARITY Act noch die Ausschüsse durchlief. Bis Ende Juli waren die monatlichen Zuflüsse auf etwa 27 Millionen Dollar geschrumpft.
In der Summe bleibt die Bilanz dieser Fondsprodukte dünn. Seit dem Start flossen 1,51 Milliarden Dollar hinein — durch den Kursverfall von XRP sind diese Bestände heute nur noch knapp eine Milliarde Dollar wert.
Angebotsseite entlastet den Markt
Auf der Angebotsseite gibt es zumindest eine gute Nachricht. Von maximal 100 Milliarden möglichen Token zirkulieren aktuell rund 62,5 Milliarden. Ripple hält einen großen Vorrat in Treuhandkonten und könnte theoretisch bis zu eine Milliarde XRP pro Monat freigeben.
In der Praxis wird der Großteil jeder Freigabe sofort wieder eingeschlossen. Die August-Freigabe brachte netto nur 300 Millionen neue Token in den Umlauf — der geringste Wert seit Langem. Das nimmt dem Markt zumindest diese Sorge.
Die nächste wichtige Weichenstellung fällt am 14. September, wenn der Senat aus der Sommerpause zurückkehrt. Bis dahin entscheiden vor allem drei Faktoren über den Kurs: die Entwicklung von Bitcoin, allgemeine Wirtschaftsdaten und der Fortgang der Senatsverhandlungen zum CLARITY Act.
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