XRP: Open-USD-Beitritt trifft auf Zwölf-Jahres-Tief
Ripple tritt dem Open-USD-Konsortium bei, während XRP-Kurs und On-Chain-Daten ein Zwölf-Jahres-Tief der Renditen anzeigen.

- Ripple wird Teil des OUSD-Projekts
- XRP-Kurs erholt sich auf 1,10 Dollar
- MVRV-Werte auf historischem Tiefstand
- Institutionelle ETF-Zuflüsse bleiben bestehen
XRP steckt gerade in einem Widerspruch. Auf der einen Seite steht ein prestigeträchtiger Beitritt zu einem der größten Stablecoin-Projekte der Branche. Auf der anderen Seite zeigen die Handelsdaten eine Erschöpfung, wie sie seit zwölf Jahren nicht mehr gemessen wurde. Beide Geschichten laufen aktuell parallel.
Ripple ist offiziell dem Open-USD-Konsortium beigetreten. Das Projekt startete am 30. Juni 2026 und vereint mittlerweile mehr als 140 Finanz- und Technologiekonzerne. Visa, Mastercard, BlackRock und Google gehören dazu.
Ripples Rolle im OUSD-Projekt
Der OUSD-Stablecoin ist eins zu eins mit US-Dollar und Staatsanleihen gedeckt. Konsortiumspartner können ihn gebührenfrei prägen und einlösen. Aktuell läuft OUSD auf den Blockchains Solana und Tempo, nicht auf dem XRP Ledger.
Ripple tritt trotzdem als Integrationspartner auf und bindet OUSD-Assets in sein eigenes Netzwerk ein. Matt Hamilton, früherer Chefingenieur bei Ripple, sieht darin mehr als eine reine Kooperation. Die Struktur von OUSD – geteilte Reserven zwischen mehreren Parteien, mehrere Emittenten – ähnelt dem ursprünglichen Design des XRP Ledger aus dem Jahr 2012. Für Hamilton bestätigt das die alte Architektur von Ripple, die native Stablecoin-Ausgabe und eine eingebaute dezentrale Börsenfunktion vorsah.
Kurs kämpft sich aus dem Tief
XRP notiert aktuell bei etwa 1,10 US-Dollar, ein Plus von 4,45 Prozent innerhalb eines Tages. Auf Wochensicht steht ein Gewinn von 5,46 Prozent zu Buche. Der Blick auf die letzten 30 Tage zeigt trotzdem ein Minus von gut 9 Prozent.
Am 2. Juli gab der SuperTrend-Indikator zum ersten Mal seit Mitte Juni ein Kaufsignal. Historisch ging ein solches Signal schon einmal einer Rally von 14 Prozent voraus. Als nächster Widerstand gilt die Marke von 1,14 Dollar, ein zweites Ziel liegt bei 1,24 Dollar. Unterstützung findet der Kurs zwischen 1,03 und 1,08 Dollar.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar bleibt trotz der jüngsten Erholung gewaltig: minus 70 Prozent. Erst vor wenigen Tagen, am 26. Juni, markierte XRP bei 1,01 Dollar ein neues Jahrestief.
Was die On-Chain-Daten verraten
Parallel zur Kurserholung zeigen die On-Chain-Daten des Analysehauses Santiment ein anderes Bild. Der 30-Tage-MVRV-Wert – er misst den Marktwert im Verhältnis zum realisierten Wert – liegt bei minus 45 Prozent. Über 365 Tage sind es sogar minus 47 Prozent.
Beide Werte markieren ein Zwölf-Jahres-Tief für XRP-Renditen. Der durchschnittliche Halter sitzt also aktuell auf einem deutlichen Buchverlust. Historisch ging eine solche Konstellation entweder einer Erleichterungsrally voraus oder markierte den Boden einer Kapitulationsphase.
ETF-Zuflüsse und Expansion in Asien
Institutionelles Interesse an XRP hält trotz der Volatilität an. Am 2. Juli flossen den US-Spot-ETFs auf XRP netto 6,54 Millionen Dollar zu, komplett getrieben vom Bitwise XRP ETF. Die kumulierten Netto-Zuflüsse aller XRP-ETFs erreichen damit rund 1,487 Milliarden Dollar, das verwaltete Vermögen liegt bei 988 Millionen Dollar.
Ripple baut zudem seine Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum aus. Das Unternehmen hat eine Partnerschaft mit der südkoreanischen KBank geschlossen, um grenzüberschreitende Zahlungen über Ripples Netzwerk abzuwickeln. In der ersten Phase testet KBank On-Chain-Transfers mit Partnern in Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Später soll die Bank auf Ripples SaaS-Wallet-Lösung Palisade umsteigen.
Ripple Prime wächst zur Milliarden-Plattform
Ripple-Präsidentin Monica Long hat kürzlich eine Multichain-Vision für den XRP Ledger skizziert. Im Zentrum steht die Rolle als Drehscheibe für regulierte Stablecoins wie RLUSD und für XRP-basierte Brückenliquidität. Diese Strategie fließt direkt in Ripple Prime ein, die institutionelle Prime-Brokerage-Plattform des Konzerns.
Ripple Prime ging aus der 1,25-Milliarden-Dollar-Übernahme von Hidden Road im Jahr 2025 hervor. Die Plattform wickelt mittlerweile jährlich rund 3 Billionen Dollar an Derivaten und digitalen Assets ab. RLUSD dient dabei als Sicherheit, während Ripple schrittweise die Nachhandelsabwicklung auf den XRP Ledger verlagert – mit dem Ziel, Transparenz und Abwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen.
Für XRP-Anleger bleibt die Gemengelage kompliziert: Ein technisches Kaufsignal und prominente Partnerschaften treffen auf einen Kurs, der 70 Prozent unter seinem Jahreshoch liegt. Ob die Erholung seit dem Tief vom 26. Juni Bestand hat, dürfte sich an der Widerstandsmarke von 1,14 Dollar entscheiden.
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