XRP: Ripple hält 700 Millionen Token zurück

Ripple reduziert XRP-Nettofreigabe auf 300 Millionen Token, doch Kurs, August-Saisonalität und Regulierungsstau bremsen die Erholung.

Die Kernpunkte:
  • Nettofreigabe auf 300 Millionen gesenkt
  • XRP notiert nahe 52-Wochen-Tief
  • August-Saisonalität belastet Kryptowährung
  • US-Regulierungsstau und ETF-Zuflüsse schwach

Ripple hat den eigenen Angebotsdruck künstlich verknappt. Trotzdem kommt XRP nicht vom Fleck. Der Grund liegt in einer Mischung aus saisonaler Schwäche, politischem Gegenwind und einem verpassten Institutionen-Anschluss.

Am 1. August griff Ripple bei seinem monatlichen Escrow-Unlock zu einem ungewöhnlichen Kniff. Normalerweise gibt das Unternehmen eine Milliarde XRP aus den Zeitschloss-Verträgen frei. Diesmal schleuste Ripple vorher 700 Millionen Token in zwei separaten Transaktionen zurück ins Escrow – 200 Millionen und 500 Millionen Token. Unterm Strich blieben netto nur 300 Millionen neue XRP im Umlauf, deutlich weniger als sonst.

Die Mechanik dahinter ist alt bekannt: Ripple hatte einst 55 Milliarden XRP in monatliche Freigabe-Verträge gesteckt, nicht benötigte Token wandern automatisch zurück ins Escrow. Diesmal nutzte Ripple diesen Rückfluss aggressiver als üblich, um einem möglichen Angebotsüberhang vorzubeugen.

Kurzer Kursimpuls, dann Stillstand

Die Reaktion fiel spürbar, aber begrenzt aus. Der Kurs fand am Tag der Transaktion einen Boden und zog danach leicht an. Aktuell notiert XRP bei 1,08 US-Dollar, nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar aus dem Juni. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,35 Dollar fehlen noch rund 20 Prozent – ein Zeichen, dass der mittelfristige Trend weiter nach unten zeigt.

Die künstliche Verknappung hat also einen kurzen Boden gelegt. Für eine echte Trendwende reicht sie bislang nicht.

Der August-Fluch hält an

XRP kämpft seit 13 Jahren gegen ein saisonales Muster, das sich hartnäckig wiederholt. Der August brachte historisch im Schnitt nur ein Plus von 0,43 Prozent – und selbst dieser magere Wert existiert nur, weil ein Kurssprung von 52 Prozent im August 2021 eine lange Serie von Verlustmonaten überdeckt. Der Median-Ertrag für den Monat liegt bei minus 6,15 Prozent. Vier August-Monate in Folge endeten zuletzt im Minus.

Historische Muster deuten darauf hin, dass gerade Jahre mit mittlerer Legislaturperiode in den USA für XRP im August schwach ausfallen, mit einer Erholung im September. Ripples engster Netto-Unlock der jüngeren Vergangenheit trifft damit auf einen der zuverlässigsten Schwächemonate im Krypto-Kalender.

Politischer Rückschlag und ein verpasster Listeneintrag

Zur technischen und saisonalen Last kommen regulatorische Rückschläge. US-Senatorin Elizabeth Warren verschärfte am 3. August ihren Widerstand gegen den CLARITY Act, das zentrale Gesetzesvorhaben zur Krypto-Regulierung in den USA. Der Senat hatte das Gesetz bereits am 27. Juli auf Eis gelegt – es sollte XRP eigentlich als Warengut einstufen und damit regulatorische Klarheit schaffen.

Die Verzögerung zeigt bereits Wirkung bei institutionellen Anlegern. Spot-XRP-ETFs verzeichneten an 11 von 22 Handelstagen im Juli exakt null Zuflüsse, insgesamt kamen im gesamten Monat nur rund 27,3 Millionen Dollar zusammen. Parallel dazu strich der Anbieter des neuen S&P-Institutionsindex XRP aus der Aufnahme – begründet mit zu geringen Protokoll-Einnahmen des Netzwerks.

Das trifft einen wunden Punkt. XRP wickelt Transaktionen zwar in 3 bis 5 Sekunden ab und schafft rund 1.500 Transaktionen pro Sekunde, technisch also solide Werte. Für Indexanbieter zählt aber die Frage, ob ein Protokoll auch tatsächlich Erträge generiert – und genau da hakt es bei XRP.

Ripples Escrow-Schnitt bleibt vorerst der einzige konkrete Hebel, mit dem das Unternehmen der August-Schwäche entgegenwirkt. Solange CLARITY Act und Index-Anschluss auf Eis liegen, fehlt XRP jedoch der fundamentale Auslöser für eine nachhaltige Erholung.

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