XRP: Sentiment-Euphorie bei 3,02 zu 1 trifft Kurssturz

Trotz großer Euphorie in sozialen Netzwerken fällt der XRP-Kurs weiter. Analysten warnen vor erhöhtem Abwärtsrisiko bei dieser Konstellation.

Die Kernpunkte:
  • Höchster Optimismus seit fünf Wochen
  • Kurs fällt trotz positiver Stimmung
  • Santiment warnt vor Abwärtsrisiko
  • XRP notiert unter wichtigen Durchschnitten

Retail-Anleger sind bei XRP so optimistisch wie seit fünf Wochen nicht mehr. Der Kurs fällt trotzdem. Diese Kluft zwischen Social-Media-Euphorie und Preisentwicklung gehört zu den auffälligsten Mustern im Kryptomarkt dieser Woche.

Positive Kommentare, negativer Trend

Die Analyseplattform Santiment beobachtet XRP aktuell als die optimistischste unter den großen Kryptowährungen in sozialen Netzwerken. Am Montag lag das Verhältnis positiver zu negativer Kommentare bei 3,02 zu 1 — deutlich höher als bei Ethereum mit 2,31 zu 1 und bei Bitcoin mit 1,40 zu 1. Santiment beschreibt die Lage bei XRP als „major FOMO“-Zone, während Ethereum nur milde Kaufangst-Symptome zeigt.

Der Optimismus passt nicht zum Kursverlauf. XRP notiert aktuell bei 1,07 US-Dollar. Vor drei Tagen erreichte die Kryptowährung noch 1,118 Dollar, fiel dann aber wieder ab.

Auf Wochensicht steht ein Minus von 6,46 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es 6,88 Prozent. Der Blick aufs Jahr zeigt das Ausmaß des Rückgangs noch deutlicher: Seit Jahresbeginn hat XRP fast 43 Prozent verloren, verglichen mit dem Vorjahreszeitpunkt sogar über 62 Prochent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen die Kryptowährung mittlerweile mehr als 70 Prozent.

Santiment warnt vor genau dieser Konstellation. Steigt die Stimmung, während der Preis fällt, erhöht sich laut der Plattform das kurzfristige Abwärtsrisiko. Der Kryptomarkt bewege sich häufig entgegengesetzt zu dem, was die Masse laut erwartet — übertriebener Optimismus bei fallenden Kursen könne eine Erholung verzögern oder zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen.

Technisch sieht die Lage angespannt aus. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,15 Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,45 Dollar — XRP notiert unter beiden Marken. Der RSI von 40,4 deutet auf eine eher schwache, aber nicht überverkaufte Situation hin. Das 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar aus dem Juni ist nur noch knapp 6 Prozent entfernt.

Ethereum steht im Vergleich besser da. Trotz ebenfalls schwacher Wochenperformance verzeichnet die zweitgrößte Kryptowährung ein Plus von 6,24 Prozent im Monatsvergleich. Die Sentiment-Preis-Lücke fällt bei XRP damit deutlich ausgeprägter aus als bei seinen Konkurrenten.

Alter Rechtsstreit, neue Debatte

Parallel zur Kursschwäche entfacht die XRP-Community eine alte juristische Diskussion neu. Ripple-CTO Emeritus David Schwartz widerspricht der These, die US-Börsenaufsicht SEC habe ihre Klage gegen Ripple nur auf die Verkaufsmethode von XRP beschränkt — nicht auf den Token selbst.

Schwartz reagierte damit auf den ehemaligen SEC-Kommissar Marc Fagel. Dieser hatte argumentiert, die Behörde habe stets betont, XRP sei lediglich Computercode und keine Wertpapiere im eigentlichen Sinne. Fagel verweist darauf, die SEC habe durchgehend die Position vertreten, XRP-Käufer hätten vernünftigerweise Gewinne aus Ripples Bemühungen erwarten können — damit wären zentrale Kriterien des sogenannten Howey-Tests erfüllt.

Schwartz hält dagegen: Dieses Argument habe sich nicht auf institutionelle Verkäufe von Ripple beschränkt. Die SEC habe dieselbe Theorie auch auf XRP-Transaktionen an öffentlichen Krypto-Börsen angewendet. Als Beleg verweist er auf den Antrag der SEC auf ein summarisches Urteil, der seiner Ansicht nach eine deutlich breitere Rechtstheorie zeige, als viele Kritiker heute zugeben.

Der Streit fällt zusammen mit dem Jahrestag des wegweisenden Urteils vom 13. Juli 2023. Damals stellte ein Bundesgericht fest, dass XRP als solches keine Wertpapiere darstellt. Ripples Chefjustiziar Stuart Alderoty markierte den Tag entsprechend als „Happy XRP Is Not a Security Day“.

Ein Token sucht Halt

Von den knapp 100 Milliarden XRP im Gesamtbestand befinden sich aktuell rund 62,5 Milliarden im Umlauf. Der Handel verteilt sich auf über 1.800 aktive Märkte, binnen 24 Stunden wechselten Token im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar den Besitzer.

Die Volatilität bleibt mit knapp 33 Prozent auf Jahresbasis moderat für Kryptoverhältnisse. Die eigentliche Geschichte liegt woanders: in der Diskrepanz zwischen einer engagierten Community, die den Token feiert, und einem Kurs, der die psychologisch wichtige Marke von 1 Dollar nur mit knapper Not verteidigt.

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