XRP: Stablecoin-Treueschwur?

Ripple sieht XRP und RLUSD als ergänzende Produkte; Unternehmenswachstum allein belegt jedoch keine steigende Token-Nachfrage.

Die Kernpunkte:
  • Garlinghouse bekräftigt Ripples XRP-Unterstützung
  • RLUSD-Liquidität wächst auf dem XRP Ledger
  • Produktumsatzrate von 900 Millionen angekündigt
  • XRP notiert bei 1,29 US-Dollar

Ripple will XRP nicht zugunsten seines Stablecoins RLUSD aufgeben. Das hat CEO Brad Garlinghouse heute auf der Swell-Konferenz in New York klargestellt. Beide Vermögenswerte seien komplementär. Für Anleger ist das eine strategische Zusage, aber noch kein Beleg dafür, dass Ripples wachsendes Geschäft automatisch mehr XRP-Nachfrage erzeugt.

Eine positive Kursreaktion bleibt zunächst aus: XRP notiert bei 1,29 USD mit einer Tagesveränderung von -2,6%. Die bekräftigte Unterstützung durch Ripple trifft damit auf einen weiterhin schwachen Handelstag.

XRP und RLUSD sollen sich ergänzen

„Wir werden XRP niemals aufgeben“, erklärte Garlinghouse. Ripple werde nichts tun, was dem XRP-Ökosystem schade. Damit widersprach er Spekulationen, das Unternehmen könnte seinen Schwerpunkt zulasten von XRP auf den Stablecoin verlagern.

Nach Garlinghouses Darstellung bringt RLUSD zusätzliche Liquidität auf den XRP Ledger. Etwa die Hälfte des Stablecoins entfalle inzwischen auf dieses Netzwerk. Der Rest liege auf Ethereum. Der Anteil auf dem XRP Ledger sei im vergangenen Jahr schneller gewachsen.

Die Zahlungsabwicklung soll dabei nicht ausschließlich über XRP laufen. Je nach Zahlungskorridor und Währungspaar kommen nach Unternehmensdarstellung XRP oder RLUSD infrage. Garlinghouse betonte auch, XRP eigne sich für manche Transaktionen, aber nicht für alle.

Das ist die entscheidende Einschränkung seiner Zusage: Ripple hält am Token fest, verfolgt zugleich jedoch ein Geschäftsmodell mit mehreren Produkten und Abwicklungswegen. Mehr Geschäft für das Unternehmen bedeutet deshalb nicht zwangsläufig mehr Einsatz von XRP.

Umsatzwachstum ist kein Token-Ertrag

Gestern stellte Ripple für Ende 2026 eine annualisierte Produktumsatzrate von rund 900 Mio. US-Dollar in Aussicht. Dabei handelt es sich um eine hochgerechnete Umsatzrate. Sie ist nicht mit bereits verbuchtem Umsatz des gesamten Jahres gleichzusetzen.

Das Wachstum stammt laut Unternehmen aus dem Zahlungsverkehr, Ripple Prime und Ripple Treasury sowie der Integration übernommener Geschäfte. Eine Aufschlüsselung der erwarteten Umsatzrate nach Produkten liegt nicht vor.

Mehr als 1.700 Institutionen und Unternehmen nutzen nach Ripple-Angaben die Infrastruktur. Die Zahl der Kunden und Partner mit mehreren Ripple-Produkten verdreifachte sich 2026. Diese Entwicklung belegt eine breitere Nutzung des Angebots, aber keinen direkten Ertragsanspruch für XRP-Inhaber.

Entscheidend bleibt der tatsächliche XRP-Einsatz

Für die Bewertung des Tokens müssen Anleger deshalb zwischen Unternehmenswachstum und Token-Nachfrage unterscheiden. XRP-Inhaber haben keinen Anspruch auf Ripples Umsätze. Auch eine stärkere Verbreitung von RLUSD garantiert für sich genommen keine zusätzliche Nachfrage nach XRP.

Aussagekräftiger sind messbare Ledger-Nutzung und der tatsächliche Einsatz des Tokens in Ripple-Produkten. Garlinghouses Bekenntnis beantwortet die strategische Frage nach Ripples Unterstützung. Die wirtschaftliche Frage bleibt davon getrennt: Ob Partnerschaften und neue Anwendungen XRP tatsächlich stärker in Zahlungs- und Abwicklungsprozesse einbinden, entscheidet über die Verbindung zwischen Ripples Expansion und der Nutzung des Tokens.

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