XRP: Whale-Rückzug trifft Kurs-Decke
Trotz Rekord-ETF-Zuflüssen im Mai bremsen der Goldman-Sachs-Ausstieg und rückläufige Großtransaktionen den XRP-Kurs.

- Goldman Sachs löst XRP-Position komplett auf
- Großtransaktionen um über 57 Prozent eingebrochen
- Kurs notiert unter wichtigen gleitenden Durchschnitten
- Netzwerk-Upgrade XRPL-v3.1.3 aktiviert
XRP steckt in einer merkwürdigen Zwickmühle. ETF-Zuflüsse auf Monatshoch, ein Netzwerk-Upgrade im Kasten — und der Kurs bewegt sich trotzdem kaum. Was hinter dieser Diskrepanz steckt, lohnt sich genauer anzuschauen.
Institutionelle Signale widersprechen sich
Die Zahlen aus dem ETF-Markt klingen zunächst überzeugend. Seit dem Start der US-Spot-ETFs im November 2025 sind kumuliert rund 1,39 Milliarden Dollar zugeflossen. Der Mai war dabei der stärkste Monat des Jahres, mit über 107 Millionen Dollar Nettozuflüssen. Sieben verschiedene Fonds — von Bitwise über Grayscale bis Franklin Templeton — halten zusammen knapp 900 Millionen XRP-Token.
Allerdings erzählt Goldman Sachs eine andere Geschichte. Die Bank hat ihre gesamte XRP-ETF-Position von rund 154 Millionen Dollar im ersten Quartal 2026 komplett aufgelöst, wie aus SEC-Einreichungen hervorgeht. Das ist kein kleines Umschichten — das ist ein vollständiger Rückzug. Kein Wunder, dass Marktteilnehmer das als Warnsignal lesen.
Hinzu kommt der Einbruch bei großen Transaktionen. Whale-Transfers über einer Million Dollar fielen innerhalb von neun Handelstagen um mehr als 57 Prozent — von 157 auf 67 Transaktionen. Große Akteure warten ab.
Kurs ohne klare Richtung
XRP notiert derzeit bei rund 1,33 Dollar und liegt damit unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der RSI bei rund 41 zeigt eine neutrale bis leicht bärische Stimmung. Seit Jahresbeginn hat der Token gut 26 Prozent verloren.
Ein wesentlicher Grund für die Trägheit liegt in der Kostenstruktur der Halter. Glassnode-Daten zufolge liegen rund 3,75 Milliarden XRP bei einer durchschnittlichen Kostenbasis zwischen 1,37 und 1,45 Dollar — also oberhalb des aktuellen Kurses. Das schafft strukturellen Verkaufsdruck bei jedem Erholungsversuch.
Technisch befindet sich XRP seit Jahresbeginn in einer engen Handelsspanne zwischen 1,30 und 1,50 Dollar. Ein Rückfall unter die aktuelle Unterstützung könnte XRP bis auf 1,25 Dollar drücken. Nach oben bleibt der Weg durch die Kostenbasis vieler Halter zunächst schwer.
Was Analysten erwarten
Das Analystenbild ist durchwachsen. Kurzfristige Prognosen für Ende 2026 reichen von rund 1,54 bis 1,77 Dollar — das entspräche vom aktuellen Niveau aus einem Plus von etwa einem Drittel. Der pseudonyme Analyst Ninedex sieht ein langfristiges Ziel von 5 Dollar, gestützt auf einen historischen Kurskanal seit 2013 und die Zone bei 1,40 Dollar als stärkstes Fibonacci-Niveau. Er selbst betont jedoch, dass dies kein Basisszenario ist, sondern ein optimistisches.
Auf der Netzwerkseite gibt es immerhin positive Signale. Das XRPL-v3.1.3-Upgrade wurde am 27. Mai auf dem Mainnet aktiviert und bringt Fehlerbehebungen für NFTs, Vaults und das Lending-Protokoll. On-Chain-Aktivität zieht an: Täglich aktive Adressen sprangen von 32.000 auf über 43.000, und der Rückgang der Binance-Reserven wird als Akkumulationssignal interpretiert.
Das Grundproblem bleibt dennoch bestehen: Eine Marktkapitalisierung von über 80 Milliarden Dollar begrenzt den Spielraum für schnelle Kursvervielfachungen strukturell. Ob die ETF-Zuflüsse stark genug sind, um Goldman Sachs‘ Rückzug und den Whale-Rückgang zu kontern, entscheidet sich voraussichtlich an der Marke von 1,40 bis 1,45 Dollar — dort, wo die Kostenbasis der meisten gehaltenen Token liegt.
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