Zalando: Passen Anspruch und Wirklichkeit noch zusammen?

Der Modehändler Zalando hat seinen Geschäftsbericht 2015 präsentiert. Und dabei durchaus eine gute Figur gemacht. Die Zahlen stimmen, es ist ein klares Wachstum sichtbar und man stellt auch weiteren Zuwachs in Aussicht. Und dennoch klemmt es im Markt mit der positiven Dynamik. Schuld daran ist augenscheinlich ein ganz bestimmtes Thema.

© Zalando
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„Schrei vor Glück“ – mit diesem Slogan ist der Modeversandhändler Zalando groß geworden. Die rasante, durchaus aggressive, aber dennoch sympathische Wachstumsstory sorgte dafür, das man nach dem Börsengang 2014 weitaus besser abschnitt als die zum gleichen Zeitpunkt an die Börse gegangene Mutter Rocket Internet.

Zalando liefert solide Zahlen

Und Zalando konnte dies bislang ja auch mit guten Wachstumsdaten untermauern. So meldete das Unternehmen für das vergangene Jahr einen Umsatzzuwachs um rund ein Drittel auf knapp 3 Mrd. Euro, womit man die eigene Guideline von 20 bis 25% Umsatzwachstum klar überbot. Gleichzeitig wurde eine nur minimal geringere EBIT-Marge von 3,6% (Vorjahr 3,7%) gemeldet, was insofern beachtlich war, da Zalando im Laufe des vergangenen Jahres umfangreiche Investitionen in seine neue Plattform-Strategie getätigt hatte.

Doch bringen uns solche Zahlen auch schnell auf den Kern, warum die Anleger zuerst eher enttäuscht auf die Zahlen reagierten. 3,6% sind für ein Handelsunternehmen schon eine sehr passable Marge, aber für ein eCommerce-Unternehmen? Schließlich wird die Aktie immer noch mit einem sehr hohen KGV von 43 für das laufende Jahr gehandelt, worin sich natürlich die Hoffnung auf ein überproportionales Gewinnwachstum widerspiegelt, wie es eben bei High-Tech- und Internetwerten zum guten Ton gehört.

Doch Zalando ist augenscheinlich mehr in der Wirklichkeit eines normalen Versandhändlers angekommen, auch wenn die Strategie, immer mehr auch Käufer auf mobilen Plattformen anzusprühen (zuletzt ein beachtlicher Anstieg der Besuche über mobile Endgeräte auf 60%), eindeutig aufgeht und den Flair des Neuen am Leben erhält.

Neue Realität als Belastung für die Börsenbewertung?

Diese neue Normalität zeigt sich dann auch in der Prognose. Denn Zalando hat seine Umsatzprognose für dieses Jahr weiterhin bei 20 bis 25% belassen. Die Anleger fragen sich zu Recht, ob hier erneut tiefgestapelt oder vorgebaut wird. Das gilt auch für die Marge, deren Prognosespanne bei 3% bis 4,5% liegt. Also entweder erhöhtes Enttäuschungspotenzial oder plötzlicher Gewinnschub.

In diesem Spannungsbogen ist eine richtige Positionierung in der Aktie deutlich erschwert. Was letztlich auch dazu führen kann, dass die Aktie am Ende schnell wieder an Momentum verliert und sich im Bereich von 32/34 Euro festfährt. Unter solchen Prämissen wäre eine Kauf-Empfehlung kaum angezeigt.

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Letztlich gilt wohl: Zalando muss sich entscheiden, wie man sich in der Wahrnehmung des Kapitalmarktes positionieren will. Entweder der konservativ aufgestellte Modehändler, dann muss aber schnellstens die Bewertung bereinigt werden, oder der Wachstumswert, dann müssen die Geschäftszahlen deutlich aktiver kommuniziert werden.

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