Zoetis und Intuitive Surgical: Contrarian-Wetten sorgen für Aufsehen

Pharma- und Medtech-Sektor zeigt sich uneinheitlich: Bayer legt zu, Novo Nordisk kämpft, während Investoren wie Michael Burry bei Zoetis einsteigen.

Die Kernpunkte:
  • Bayer-Aktie springt nach Zahlen
  • Novo Nordisk vor Quartalsbericht angeschlagen
  • UBS startet Intuitive Surgical mit Kauf
  • Roche stärkt Onkologie und Diagnostik

Während Novo Nordisk noch an einem gescheiterten Herzstudienprogramm laboriert, wittern prominente Investoren anderswo im Gesundheitssektor Kaufgelegenheiten. Michael Burry stockt seine Zoetis-Position auf, UBS bricht mit einer Kaufempfehlung für Intuitive Surgical aus der Analystenmehrheit aus, und Roche verknüpft einen milliardenschweren Onkologie-Deal mit einem Durchbruch in der Alzheimer-Diagnostik. Bayer wiederum steht heute mit seinem Halbjahresbericht im Rampenlicht. Fünf Werte, fünf völlig unterschiedliche Geschichten – der Pharma- und Biotech-Sektor zeigt sich derzeit weniger als geschlossene Einheit denn als Sammlung einzelner Sondersituationen.

Bayer: Crop Science trägt, Pharma bremst

Bayer-Aktien springen heute um 3,97 Prozent auf 49,26 Euro und markieren damit den vorläufigen Höhepunkt einer starken Woche – allein in den vergangenen sieben Tagen hat das Papier 4,54 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 33,10 Prozent zu Buche.

Rückenwind kommt vom Zahlenwerk. Im ersten Quartal war das Kernergebnis je Aktie um 12,9 Prozent auf 2,71 Euro gestiegen, der Nettogewinn verbesserte sich auf 2,763 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr bestätigte Bayer die währungsbereinigte Konzernprognose mit einem erwarteten Umsatz zwischen 44,5 und 46,5 Milliarden Euro.

Die Divisionen entwickeln sich gegenläufig. Im Pharmageschäft hielt sich der Umsatz stabil – Zuwächse bei Nubeqa und Kerendia kompensierten Rückgänge bei Xarelto infolge auslaufender Patente sowie schwächere Eylea-Verkäufe. Crop Science lieferte dagegen den eigentlichen Wachstumsimpuls, getragen von einer gelösten Lizenzvereinbarung im Sojabohnen-Geschäft und starkem Wachstum bei Mais-Saatgut. Belastend wirkt weiterhin die Rechtsstreitigkeiten: Der freie Cashflow lag bei minus 2,320 Milliarden Euro, vor allem wegen Zahlungen zur Beilegung der PCB- und Glyphosat-Verfahren. Die Nettofinanzverschuldung sank zum Ende des ersten Quartals auf 32,518 Milliarden Euro.

Novo Nordisk: ZEUS-Rückschlag lastet vor Quartalszahlen

Novo Nordisk notiert aktuell bei 41,34 Euro, ein Plus von 1,25 Prozent zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen sieben Tage zeigt allerdings ein Minus von 7,41 Prozent – Ausdruck eines Sentiments, das sich seit dem gescheiterten ZEUS-Studienprogramm nicht wirklich erholt hat.

Der Herzmedikamenten-Kandidat Ziltivekimab verfehlte in einer späten Phase-3-Studie sein Ziel: Eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse blieb aus, die Aktie büßte damals rund 9 Prozent ein. Vor dem Quartalsbericht am morgigen Mittwoch rechnen Analysten mit Erlösen von 11,27 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 0,82 Dollar, während zunehmende Konkurrenz im GLP-1-Markt und Preisdruck die Stimmung dämpfen. Etwas Hoffnung liefert die orale Wegovy-Pille, die im direkten Vergleich mit dem Lilly-Konkurrenzprodukt Foundayo positiv abschneidet. Eine aktuelle Analystenstimme hält an einer neutralen Einstufung fest und verweist auf ein Kursziel von umgerechnet rund 350 dänischen Kronen – der Adipositas-Bereich stehe unter verschärftem Wettbewerbsdruck.

Intuitive Surgical: UBS bricht mit dem Konsens

Intuitive Surgical gehört zu den volatilsten Large-Caps des Sektors in diesem Jahr. Die Aktie notiert bei 327,50 Euro, nach einem Rückgang von 33,05 Prozent seit Jahresbeginn und einem Abstand von 36,59 Prozent zum 52-Wochen-Hoch.

Nach einem Kursrückgang von 37 Prozent seit dem Jahreshoch hat UBS die Coverage mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 500 Dollar aufgenommen – die Bank bezeichnet den Ausverkauf explizit als überzogen. Das Kernargument: Eine zunehmende Automatisierung der robotergestützten Chirurgie könnte Eingriffe schneller und günstiger machen als klassische Laparoskopie und damit die Krankenhausadoption sowie wiederkehrende Umsätze antreiben. Zusätzliches Potenzial sieht UBS in der Expansion Richtung Herzchirurgie, endoluminalen Anwendungen und der Ion-Plattform für Lungenbiopsien.

Nicht alle Häuser teilen den Optimismus in vollem Umfang. Truist Financial senkte sein Kursziel auf 510 Dollar, behielt aber die Kaufempfehlung bei, während Raymond James das Ziel von 577 auf 483 Dollar zurücknahm. Goldman Sachs hielt seine Kaufempfehlung das ganze Jahr über unverändert. In Summe ergibt sich ein Analystenkonsens aus 19 Kauf-, drei Halte- und einer Verkaufsempfehlung – eine klare Mehrheit, die auf eine Bodenbildung setzt.

Roche: Deal-Dynamik trifft Diagnostik-Fortschritt

Roche liefert derzeit gleich auf zwei Feldern Nachrichten. Die Übernahme der Zusammenarbeit mit Nurix Therapeutics im Bereich Blutkrebs ist abgeschlossen: Nurix erhält eine Vorabzahlung von 700 Millionen Dollar sowie potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 2,3 Milliarden Dollar, die Entwicklungskosten teilen sich beide Unternehmen im Verhältnis 60 zu 40 zugunsten von Roche. Der gemeinsam entwickelte BTK-Degrader Bexobrutideg soll nach Einschätzung von Roches Chief Medical Officer einen bedeutenden Fortschritt im Kampf gegen komplexe Blutkrebsformen darstellen.

Parallel expandiert Roche seine Alzheimer-Diagnostik. Der neue Bluttest Elecsys pTau217, gemeinsam mit Eli Lilly entwickelt, hat die CE-Kennzeichnung erhalten und misst ein Protein, das auf Amyloid-Pathologie hinweist. Der Test könnte die Diagnose erheblich beschleunigen – aktuell dauert die Feststellung einer Demenzerkrankung im Schnitt 3,5 Jahre, schätzungsweise 75 Prozent der Betroffenen bleiben ganz undiagnostiziert.

Die Genussscheine reagierten auf die Nurix-Nachricht mit einem Plus von 1,07 Prozent auf 322,20 Franken. Fundamental untermauert wird die positive Stimmung durch die Halbjahreszahlen vom Juli: Der Umsatz wuchs währungsbereinigt um 6 Prozent, das Kernbetriebsergebnis legte mit 10 Prozent noch stärker zu und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. HSBC bleibt dennoch vorsichtig und stufte die Aktie von Kaufen auf Halten zurück, das Kursziel von 365 Franken blieb dabei unverändert.

Zoetis: Burry wittert eine Bodenbildung

Zoetis notiert aktuell bei 67,04 Euro, nahezu unverändert zum Vortag, doch der Blick auf das Gesamtjahr zeigt ein deutliches Minus von 37,56 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht beläuft sich der Rückgang sogar auf 48,95 Prozent.

Ausgerechnet dieser Kursverfall hat „Big Short“-Investor Michael Burry auf den Plan gerufen. Laut jüngsten Meldungen stockte er seine Position bei rund 76 Dollar zu einer vollen Position auf und bezeichnete die aktuelle Kursentwicklung als Basisbildung nach einem langen Abwärtstrend. Burry zieht dabei eine klare Trennlinie zwischen Technologiewerten und dem Rest des Marktes – während er seine Short-Positionen gegen Nvidia und Micron ausbaute, erhöhte er gleichzeitig sein Engagement bei Konsum-, Gesundheits- und Glücksspielwerten.

Die erneute Aufmerksamkeit trifft auf einen Konzern vor einem wichtigen Termin: Am Donnerstag vor Börsenbeginn legt Zoetis Quartalszahlen vor. Das erste Quartal verlief durchwachsen – steigende Preissensibilität bei Haustierbesitzern und weniger Tierarztbesuche drückten die Nachfrage, wenngleich der Umsatz um moderate 3 Prozent auf 2,26 Milliarden Dollar zulegte. Während das US-Geschäft um 8 Prozent auf 1,09 Milliarden Dollar einbrach, wuchs das internationale Segment um 17 Prozent auf 1,15 Milliarden Dollar. Lichtblick bleibt das Nutztiergeschäft mit einem Plus von 7 Prozent, getragen von breiter Nachfrage bei Rindern, Geflügel und Schweinen. Zoetis passte die Jahresprognose entsprechend an und rechnet nun mit Erlösen zwischen 9,68 und 9,96 Milliarden Dollar. Trotz des Kursverfalls bleibt die Wall Street mehrheitlich konstruktiv gestimmt, mit acht von 18 Analysten auf „Strong Buy“.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Werte bewegen sich derzeit auf komplett unterschiedlichen Bahnen innerhalb desselben Gesundheitsuniversums:

  • Bayer und Roche stehen für die diversifizierte, defensive Seite des Sektors – beide können Schwächen einzelner Sparten durch andere Geschäftsbereiche ausgleichen.
  • Novo Nordisk bleibt als GLP-1-Pure-Play eng an Studienergebnisse und den Wettbewerb mit Eli Lilly gekoppelt, was den ZEUS-Rückschlag und den anstehenden Quartalsbericht besonders gewichtig macht.
  • Intuitive Surgical und Zoetis zeigen, wie stark gefallene Medtech- und Tiergesundheitswerte gerade neu bewertet werden – beide ziehen mittlerweile antizyklisches institutionelles Interesse an.
  • Der gemeinsame Nenner: Dealmaking und Diagnostik-Innovation bei Roche, Pipeline-Risiko bei Novo Nordisk sowie Bewertungsverschiebungen bei Intuitive Surgical und Zoetis treiben die Kurse stärker als jede übergreifende Sektorstimmung.

Wichtige Termine für die kommenden Tage

Novo Nordisks Quartalsbericht am morgigen Mittwoch wird genau auf frühe Signale zur Wegovy-Pille und Managementaussagen nach dem ZEUS-Rückschlag durchleuchtet werden. Zoetis legt am Donnerstag vor Börsenbeginn Zahlen vor – im Fokus steht, ob sich die Schwäche im US-Heimtiergeschäft stabilisiert hat und ob Burrys These einer Bodenbildung trägt. Roches frisch besiegelte Nurix-Partnerschaft steuert auf den Start einer Phase-3-Studie bei chronischer lymphatischer Leukämie zu, ein Meilenstein, der das langfristige kommerzielle Versprechen des Deals bestätigen oder infrage stellen könnte. Bei Intuitive Surgical dürfte die von UBS neu entfachte Debatte um automatisierungsgetriebenes Wachstum die Aktie volatil halten, während weitere Analystenhäuser ihre Kursziele überprüfen. Bayers heute veröffentlichte Halbjahreszahlen werden zeigen, ob Crop Science die Pharma-Gegenwinde und rechtsstreitbedingten Mittelabflüsse auch im weiteren Jahresverlauf kompensieren kann.

Anzeige

Bayer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Bayer-Analyse vom 4. August liefert die Antwort:

Die neusten Bayer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Bayer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 4. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Bayer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Bayer