Zucker: Brasilien erntet 630 Millionen Tonnen

Rekordernte in Brasilien sorgt für Überangebot und fallende Zuckerpreise, während Indien Exporte bremst.

Die Kernpunkte:
  • Rekordernte in Brasilien
  • Indien hält Exportverbot aufrecht
  • Futures fallen auf Jahrestief
  • Wetterrisiko könnte Trend drehen

Der globale Zuckermarkt ist derzeit reichlich versorgt. Eine Rekordernte in Brasilien sorgt für ein komfortables Angebot, das die Preise unter Druck hält. Gleichzeitig gibt es Faktoren, die einen stärkeren Preisverfall verhindern – und Risiken, die die Lage schnell kippen könnten.

Brasilien liefert – und das kräftig

Die treibende Kraft auf der Angebotsseite ist Brasilien. Die Zuckerrohrernte 2026/27 könnte die zweitgrößte aller Zeiten werden – private Prognosen sprechen von über 630 Millionen Tonnen. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Der brasilianische Verband UNICA meldete für April einen Produktionsanstieg in der zentral-südlichen Region von 55,3 Prozent auf 2,475 Millionen Tonnen Zucker. Das ist ein fulminanter Start in die neue Saison.

Thailand, einer der größten Exporteure weltweit, liefert ebenfalls robuste Zahlen. Das globale Angebot bleibt damit auf absehbare Zeit üppig.

Indien als Preisbremser

Direkt gegenläufig agiert Indien. Das Land hält ein Exportverbot aufrecht und beschränkt Ausfuhren streng über Quoten. Die Folge: Indien ist faktisch vom Weltmarkt abgekoppelt. Das verhindert einen noch stärkeren Preisrückgang.

Interessant: Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) erwartet in Indien dennoch einen Produktionssprung von 12 Prozent oder 3,6 Millionen Tonnen. Höhere Erträge und mehr Anbaufläche machen es möglich. Das meiste dürfte aber im Inland verbraucht werden.

Hinzu kommt die Ethanol-Produktion. Sowohl in Brasilien als auch in Indien bindet sie einen Teil der Zuckerrohrverarbeitung. Die Verlagerung in Richtung Bio-Kraftstoff begrenzt, wie viel zusätzlicher Zucker auf den Markt kommen kann. Angesichts der Rekordmengen in Brasilien reicht das aber nicht, um von einer Angebotsverknappung zu sprechen.

Skepsis an den Terminmärkten

Trotz der soliden Versorgung sind die Futures zuletzt gefallen. Der an der ICE in New York gehandelte Zucker-Rohstoff notierte auf dem niedrigsten Stand seit Ende Mai – bei 14,14 US-Cents pro Pfund. Am Freitag schloss er immerhin mit einem Mini-Plus von 0,57 Prozent.

Eine Trendwende ist das nicht. Ganz im Gegenteil: Spekulative Anleger bauen ihre Netto-Short-Positionen weiter aus – auf rund 107.000 Kontrakte. Das „Managed Money“ zeigt sich also skeptisch. Sinkende Ölpreise und die anhaltende Schwäche des brasilianischen Real belasten den Markt zusätzlich.

Doch es gibt ein Risiko, das die Stimmung schnell drehen könnte: das Wetter. Sollte das El-Niño-Phänomen die Ernten in Brasilien, Indien oder Thailand treffen, wäre das Angebot plötzlich nicht mehr komfortabel. Die Internationale Zuckerorganisation (ISO) rechnet für die Saison 2026/27 mit einem globalen Defizit von 262.000 Tonnen. Das wäre eine deutliche Abweichung zur USDA-Prognose, die von stabilen Beständen ausgeht.

Bis Mitte Juni raten Marktbeobachter zu erhöhter Vorsicht. Danach könnte sich das Bild aufhellen – steigende Kurse würden dann wahrscheinlicher.

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