EnBW: Ein grüner Stromkonzern entsteht, was bedeutet das für die Aktie?

Die Aktie des Energieversorgers EnBW ist nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen für 2022 kräftig gestiegen, aktuell notiert sie bei 87,40 Euro. Die Börse honoriert die guten Zahlen sowie den positiven Ausblick. Lohnt sich hier ein Einstieg?

Der Konzern befindet mitten im Wandel bei der Stromerzeugung. Der Anteil der erneuerbaren Stromerzeugung liegt bei rund 42 %. Noch dominieren Atom- und Kohlestrom, der Atommeiler Neckarwestheim 2 wird im April abgeschaltet. Die Kohleverstromung soll laut Unternehmensangaben 2028 enden. Um für Ersatz zu sorgen, sind hohe Investitionen in den nächsten Jahren geplant.

EnBW profitiert von Preis-Rallye

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wirkten sich die stark gestiegenen Strompreise positiv auf den Konzernumsatz aus. Er stieg um rund 74 % auf 56 Mrd. Euro. Das adjusted EBITDA ist gegenüber dem Vorjahr um 11 % auf 3,2 Mrd. Euro gestiegen, noch deutlicher fiel das Wachstum beim Konzernüberschuss aus. Gegenüber dem Vorjahreswert von 0,44 Mrd. Euro hat es sich fast vervierfacht auf 1,75 Mrd. Euro. Daraus ergibt sich ein Gewinn pro Aktie (EPS) von 6,42 Euro. Um die freien Mittel für Investitionen zu verwenden, bleibt die Dividende mit 1,10 Euro unverändert.

Für das laufende Geschäftsjahr gibt das Unternehmen sich zuversichtlich, so soll das adjusted EBITDA in einer Bandbreite von 4,7 bis 5,2 Mrd. Euro liegen.

Lohnt sich hier ein Investment?

Die Aktie wäre sicherlich sehr interessant, wenn da nicht die ungünstigen Eigentumsverhältnisse wären. Hauptaktionäre sind das Land Baden-Württemberg sowie der Zweckverband von Elektrizitätswerken, der Streubesitz ist unter einem Prozent. Es findet nur ein geringer Börsenhandel statt.

Wer hier investiert, darf keine großen Kurserwartungen haben, die Hauptaktionäre haben andere Interessen als steigende Kurse. Dennoch könnte der Wert perspektivisch interessanter werden, wenn er es schafft, aus der Seitwärtsbewegung im Band zwischen 80 und 90 Euro nach oben auszubrechen.