Siemens macht sich schlank – Aktie auch auf Diät?

Aber ist schlank auch krisenfest? Sicher, die Abspaltung des Energiegeschäfts ist eine strategische Entscheidung, welche von der Börse schon lange herbeigesehnt wurde, aber die Pandemie hat auch gezeigt, dass eine zu starke Fokussierung Nachteile hat. Denn wenn das Geld nur mit wenigen Ertragssäulen generiert wird, bleibt kein Spielraum, um schwaches Geschäft mit anderen Erträgen zu kompensieren. Aber der Reihe nach:

Die außerordentliche Hauptversammlung heute hat die Abspaltung und den Börsengang von Siemens Energy abgesegnet. Als Hauptgrund nennt der Konzern, dass sich die Sparte im Alleingang besser entwickeln und sich effektiver Geld am Kapitalmarkt beschaffen kann, um weitere Investitionen tätigen zu können. Im großen Konzernverbund ist das für das vergleichsweise margenschwache Energy-Geschäft schwieriger.

Siemens Energy als DAX-Kandidat?

Positiv: Siemens Energy ist mit rund 91.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 29 Milliarden Euro finanziell solide aufgestellt. Noch im Mai wurde die Eigenkapitalquote mit 37,8 % angegeben und auch die Ratingagentur S&P spielt weitgehend mit und vergibt ein solides Rating von BBB. Das reicht aus um am Markt zu punkten.

Tatsächlich ist Siemens Energy auch ausreichend groß, um in den MDAX aufgenommen zu werden. Sogar der DAX wäre theoretisch möglich, auch wenn hier schon RWE und E.ON den Energiebereich gut abdecken. Ausschlaggebend dafür sind bekanntlich Handelsvolumen und Marktkapitalisierung.

Zu den Aktien: Am 25. September werden die neuen Aktien an die Siemens-Aktionäre verteilt und ab dem 28. gehandelt. Der Konzern und sein Pensionsfonds werden dabei anfangs noch 45 % an Energy halten, aber innerhalb von 12 bis 18 Monaten soll dieser Anteil deutlich abgebaut werden.

Was macht man mit der Siemens-Aktie?

Das alles kommt am Markt erst einmal gut an. Auf dem Parkett gibt es eine neue Energie-Story und Siemens kann sich mehr fokussieren. Aus der Krise heraus ist das ein richtiger Schritt, aber ob dieser langfristig klug ist, bleibt abzuwarten. Denn das Thema „Energie“ bekommt gerade in diesen Zeiten einen völlig neuen Dreh mit neuen Ansätzen und Chancen, siehe Wasserstoff und erneuerbare Energien. Siemens Energy beinhaltet neben der alten Siemens-Sparte Power and Gas auch die 67%-Beteiligung an Siemens Gamesa.

Fazit: Siemens bleibt vor diesem Hintergrund erst einmal ein Kauf. Die Marktechnik sieht gut aus, die Story stimmt, und es gibt derzeit wenige Gründe, welche gegen eine weitere Erholung aus der Krise sprechen. Gern nehmen wir auch die neuen Aktien auf, wenn diese gehandelt werden. Aber da schauen wir uns die Zahlen und Perspektiven zu gegebener Zeit noch einmal in Ruhe an.