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Last Call! – Der Marktbericht am Abend: Was 1968 und 2020 gemeinsam haben; Mit Lufthansa, Bayer, MTU, Pfizer, Starbucks und Apple

Guten Abend,

eine globale Pandemie, Rassenkämpfe, politische Umwälzungen – und ein steigender Aktienmarkt inmitten des Chaos! Das alles klingt sehr nach 2020, denken Sie? Mag sein, es klingt aber auch verdammt nach 1968! Die meisten Leser dieser Zeilen werden jetzt nachrechnen und feststellen, dass sie zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Jucken in der Hose ihres Vaters waren, aber interessant ist die Analogie aus einem guten Grund: zu verstehen, warum die Kurse immer weiter steigen.

Tod, Zerstörung und Krankheit! Martin Luther King und Robert F. Kennedy wurden beide ermordet, Nordvietnam startete die Tet-Offensive und bei den Präsidentschaftswahlen von 1968 gab es einen äußerst spaltenden Wettbewerb zwischen Hubert Humphrey und Richard Nixon. In den USA und in der ganzen Welt gab es zahlreiche gewalttätige wie auch stille Proteste, darunter der denkwürdige Gruß der erhobenen Faust von John Carlos und Tommie Smith bei den Olympischen Sommerspielen.

Was uns 1968 für heute lehrt

Und natürlich gab es auch eine weltweite Pandemie! Die H3N2 „Hong Kong Grippe“, bei der fast 100.000 (!) Amerikaner und weltweit Millionen (!) Menschen ums Leben gekommen waren und auch heute noch Zehntausende pro Jahr ums Leben kommen. Lockdown? Das war 1968 bestenfalls ein Apokalypse-Szenario durchgekiffter Hippies! Angie war da erst 14 Jahre alt, zu jung für so etwas. Oder vielleicht doch nicht? Hm…

In anderen Worten: 1968 war das Jahr, in dem „Amerika zerschmettert“ wurde. Und trotzdem konnten sich die Aktienmärkte solide entwickeln!

Das Endergebnis für den Markt im Jahr 1968: Nach einem Rückgang des S&P 500 von Januar bis März um 9% erholte sich der Markt um 24% und beendete das Jahr mit +7,6%. Aktuell hinkt der Index noch um 5,7% hinterher, aber die Rallye i.H.v. von 36% gegenüber dem März-Tief lässt uns glauben, dass 2020 als ein weiteres geschichtlich relevantes Jahr mit einem fetten Plus endet!

Fazit: 1968 erinnert uns daran, dass Aktien und Weltereignisse nicht immer miteinander verbunden sind. Oder lasst es mich so sagen: „This is the sixties all over again!”

Die Lage auf einen Blick:

DAX: 10.000, 11.000. 12.000……..next Stop 14.000. Jaja, ich weiß, alles viel zu heiß gelaufen und ohne Bezug zur Realität. Leider liegen aber auch die Cash-Reserven bei den Vermögensverwaltern und Kapitalsammelstellen noch immer zinslos herum und das bedeutet: schon lange nährt die Hausse die Hausse! Und wenn jetzt noch die 200-Tage-Linie genommen wird, möchte ich in deren Haut nicht stecken. Ich bin doch nicht verrückt und springe von einem rasenden Zug!

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq: Ganz wie 1968 offensichtlich. Die Nachrichtensender sind voll mit Bildern von Unruhen, brennenden Autos, angeschossenen Polizisten – aber was juckt das die Börse. Nun seien wir ehrlich, es ist nicht die Aufgabe der Börse empathisch zu sein, sondern eiskalt berechnend. Wem das nicht passt, sollte lieber alles verkaufen. Der Hintergrund ist allerdings banal: es zählt nur die Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung. Dem werden die Unruhen (wie schon frühere Unruhen auch) keinen Abbruch leisten.

Heute auf der Agenda:

Lufthansa: Nächste Hürde genommen

Bei der Lufthansa liege ich „schief“, bleibe es aber auch. Mit +7,4 % klarer Favorit, nachdem heute für das Rettungspaket eine weitere Hürde übersprungen wurde, indem der Aufsichtsrat die Auflagen der EU-Kommission akzeptiert hat. Nun muss die Hauptversammlung noch zustimmen. Hört sich ja alles erst einmal gut an, allein mir fehlt der Glaube.

Da kaufe ich lieber eine MTU! Technisches Kaufsignal der Vorwoche bestätigt, ich setze mein Kursziel auf 240 Euro! Warum? Weil die Welt in Zukunft vielleicht weniger Flugzeuge benötigt, dafür aber bessere bzw. effizientere Triebwerke!

Bayer: Die nächste Chance?

Spannend wird es später am Abend noch bei Bayer. Mit +3,7 % wird hier schon einmal vorspekuliert: Bei dem Pharma- und Agrarchemiekonzern geht der Glyphosat-Rechtsstreit in die nächste Runde! Die erste Anhörung vor dem Berufungsgericht findet um 18.00 Uhr in San Francisco statt. Bayer will versuchen, den im ersten Verfahren erlittenen Schuldspruch aufheben zu lassen.

Chart Bayer

Chart Bayer

Kurz und aktuell von der Wall Street:

Starbucks bittet seine Arbeitnehmer, zwischen begrenzten Arbeitszeiten oder unbezahltem Urlaub bis September zu wählen. Die Kaffeekette erwartet frühestens dann eine Umsatzerholung. Oberhalb von 80 Dollar ein Kauf.

Apple senkt die iPhone-Preise in China, um die Dynamik zu nutzen, welche die chinesische Wirtschaft nach den virenbedingten Sperrungen und Schließungen an den Tag legt. CNBC.com berichtet, dass die offizielle chinesische Website von Apple zwar keine Preissenkungen widerspiegelt, auf verschiedenen Reseller-Websites wie Tmall jedoch zweistellige Rabatte zu verzeichnen sind. Ehrlich gesagt, habe ich das jetzt nicht verstanden – wer hat denn nun die Preise gesenkt? Egal, ich warte auf den Break!

Laut Visa ging das US-Zahlungsvolumen im Mai um 5% zurück, langsamer als der im April verzeichnete Rückgang von 18% und ein möglicher Hinweis darauf, dass sich die Verbraucherausgaben erholen, da die Sperrungen im Zusammenhang mit Coronaviren gelockert werden. Ist ja auch klar, wer shoppen geht, lässt die Karten wellig werden. Bis zum Break fehlen 20 Dollar, dann sehen wir weiter.

Pfizer fiel gestern um mehr als 8%, nachdem der Pharmakonzern enttäuschende Ergebnisse aus seiner Brustkrebs-Arzneimittelstudie gemeldet hatte. Zitat: „Es ist unwahrscheinlich, dass die Studie eine statistisch signifikante Verbesserung des primären Endpunkts des invasiven krankheitsfreien Überlebens zeigt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Oh wie doof. 34 Dollar müssen halten. Wenn nicht – Kasse machen!

Chart Pfizer

Chart Pfizer

United, American, Delta, Southwest – Airlines, die positioniert sind, um von der Wiedereröffnung der Wirtschaft zu profitieren, stiegen am Montag, wobei United Airlines und American Airlines um mehr als 6% zulegten. Southwest und Delta legten um 5,7% bzw. 4,7% zu. Die Alaska Air Group legte um 5,8% zu. Ja, schaut nicht immer nur auf die Lufthansa! Die Amis sehen teils sehr verlockend aus. Werden wir hier demnächst unter die Lupe nehmen!

Carnival Corp, Norwegian Cruise, Royal Caribbean Cruises – Die Aktien der Kreuzfahrtunternehmen erholen sich, so wie sich im Zuge einer Erholung der Wirtschaft die Hoffnung auf eine Erholung der Nachfrage nach Reisen allmählich wieder bessert. Carnival und Royal Caribbean Cruises stiegen um 6,5% bzw. 4,9%. Norwegian Cruise Line legte um mehr als 8% zu. Meine Lieblinge! Alle ein Kauf, uneingeschränkt, unlimitiert und alle mit mehreren hundert Prozent Gewinnpotenzial!

Schönen Feierabend

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