DAX Schlussbericht: Kursfeuerwerk – Mit Infineon, Siemens Healthineers, Siltronic, Evonik und Deutsche Bank

Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich am heutigen Donnerstag von einer äußerst freundlichen Seite. Damit folgte er der Wall Street, die schon gestern auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank mit einem kleinen Kursfeuerwerk reagiert hatte, nachdem die Fed ihre Leitzinsen nur um 0,25 Prozentpunkte angehoben hatte.

Heute waren in Europa sowohl die EZB als auch die Bank of England mit ihren Leitzins-Beschlüssen dran. Dabei erhöhte die EZB ihren Leitzins noch mal um 50 Basispunkte und kündigte auch gleichzeitig an, einen gleich großen Schritt auch im März gehen zu wollen. Der Vorteil:

Diese Entscheidungen entsprachen schon den Markterwartungen, wobei Äußerungen von EZB-Präsidentin Lagarde bei der obligatorischen Pressekonferenz sogar als relativ zurückhaltend interpretiert wurden.

Mit dem positiven Ergebnis, dass die deutschen Indices heute kräftig zulegen konnten, insbesondere am Nachmittag. Dabei halfen aber auch einige positiv aufgenommene Quartalsberichte. Unter dem Strich konnte der DAX heute um 2,2% auf 15.509,19 Punkte klettern und erreichte damit das höchste Niveau seit Februar 2022.

Noch kräftiger ging es mit den Nebenwerte-Indices nach oben. Der MDAX schaffte ein Tagesplus von 3,3% auf 29.808,92 Zähler, während sich der SDAX um 2,6% auf 13.500,45 Punkte verbesserte. Stärkster Index des heutigen Tages war allerdings der TecDAX. Dieser profitierte von einer deutlich gehobenen Stimmung im Technologiesektor, insbesondere auch nach den Zahlen von Meta Platforms gestern nach Börsenschluss an der Wall Street. Der Index legte heute um 4,4% auf 3.335,98 Punkte zu.

Aktien im Fokus

Zu den Gewinnern des Tages gehörte der Halbleiterhersteller Infineon. Dieser meldete für das zurückliegende vierte Quartal 2022 eine Steigerung beim operativen Gewinn um 5% auf 1,107 Milliarden Euro. Zwar ging der Umsatz gleichzeitig um ebenfalls 5% zurück. Doch damit erreichte Infineon eine Marge von 28% und übertraf damit die Analystenschätzungen, die nur mit 24,7% gerechnet hatten. Die Aktie konnte sich heute um 7,96% verbessern und gehörte damit zur Spitzengruppe der DAX-Gewinner.

Ebenfalls deutliche Gewinne und die Führung im DAX konnte Siemens Healthineers erobern. Der Medizintechnik-Konzern hatte zwar eigentlich enttäuschende Zahlen abzuliefern. So ging das bereinigte operative Ergebnis im vierten Quartal 2022 um 28% auf 647 Millionen Euro zurück. Hier hatten Analysten nur mit einem Rückgang auf 663 Millionen Euro gerechnet. Allerdings wurde positiv vermerkt, dass Siemens Healthineers trotzdem die Jahresprognose bestätigte, die von einem relativ stabilen Umsatz ausgeht. Dafür gab es heute an der Börse einen Gewinn von sogar 8,94%.

Zu den Tagesgewinnern gehörte ebenfalls der Münchner Wafer-Hersteller Siltronic. Dieser hatte für das zurückliegende vierte Quartal 2022 nach vorläufigen Zahlen eine Steigerung beim EBITDA um 16,6% auf 168 Millionen Euro melden können. Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum deutlich stärker um rund 25,2% auf 472 Millionen Euro zu. Für das Gesamtjahr meldete Siltronic gleichzeitig eine Umsatzsteigerung um 28% auf 1,80 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis auf Basis des EBITDA um rund 44% auf 672 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Mit der entsprechenden Marge von 37% (Vorjahr 33,2 %) erfüllte Siltronic auch die eigene Prognosespanne, die von 36-38% ausgegangen waren. Das wurde an der Börse heute mit einem Plus von 7,75% belohnt.

Einen ordentlichen Zugewinn gab es dann auch für Evonik. Hier spielten zwar keine Quartalszahlen eine Rolle. Doch dafür konnte der Spezialchemiekonzern einen weiteren Stromliefervertrag mit dem Energieversorger EnBW aus dem geplanten Offshore-Windpark He Dreiht präsentieren. Das war der Börse heute ein Aufschlag von 3,4% wert.

Aber es gab auch Verlierer. Größter Verlierer im DAX war heute die Deutsche Bank. Das wichtigste private Geldinstitut Deutschlands hatte dabei eigentlich starke Zahlen abliefern können. So verbesserte sich der Vorsteuergewinn im letzten Jahr um rund zwei Drittel auf 5,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurde eine Rendite auf das materielle Eigenkapital (ROTE) von 9,4% ausgewiesen, womit die Zielrendite von 8% übertroffen werden konnte. Allerdings war das Ergebnis zum einen von einem erheblichen Steuereffekt in Höhe von 1,4 Milliarden Euro beeinflusst. Andererseits blieb der ausgewiesene Vorsteuergewinn unter den Analystenerwartungen, die mit 5,94 Milliarden Euro gerechnet hatten. Das war das nötige Haar in der Suppe, um die Aktie heute um fast 6,5% nach unten zu schicken.