TUI: Gibt es bei den Zahlen noch eine Zukunft?

Die Corona-Krise hat den weltgrößten Reisekonzern TUI tief in die roten Zahlen gerissen. Das war natürlich erwartet worden und um dem entgegenzuwirken, gibt es jetzt ein verschärftes Sparprogramm:

Die Kosten sollen jährlich nicht mehr nur um 300 Millionen Euro, sondern um 400 Millionen Euro sinken, aber die volle Höhe der Einsparungen soll erst 2023 erreicht werden. Unter anderem soll ab Januar 2021 darüber verhandelt werden, wie und wo 60 der insgesamt 450 TUI-Reisebüros geschlossen werden.

Tiefrote Zahlen bei TUI

Ob das für die Rettung reicht, bleibt offen. Obwohl TUI in den ersten fünf Monaten des jeweils im Oktober beginnenden Geschäftsjahres noch dem üblichen Betrieb nachgehen konnte, stand Ende September ein Betriebsverlust (Ebit) von drei Milliarden Euro in den Büchern. Im Jahr zuvor hatte der Konzern noch 893 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen verdient. Wegen des Einbruchs im Reisegeschäft sackte der Umsatz im Jahresvergleich um 58 % auf 7,9 Milliarden Euro zusammen. Noch größer fiel die Enttäuschung beim Gewinn pro Aktie aus: Hier verbucht TUI einen Verlust von 5,45 Euro je Aktie – nach einem Vorjahresgewinn von 89 Cent. Analysten hatten darauf gehofft, dass TUI den Verlust im Krisenjahr auf 3,53 Euro pro Aktie begrenzen kann. Entsprechend fiel der Aktienkurs heute um mehr als 4%.

Verbranntes Geld und hohe Schulden

TUI hat sich bekanntlich in Berlin bereits eine dritte Finanzspritze gesichert, um die Krise zu überstehen. Einschließlich des dritten Finanzierungspakets verfügte der Konzern Ende November über Finanzmittel von rund 2,5 Milliarden Euro. Doch lange reichen wird die Summe nicht. Aus den jüngsten Ad-hoc-Meldungen errechnet sich, dass TUI zuletzt monatlich rund 700 Millionen Euro Cash verbrannte. Also dürfte Ende Mai ein weiteres Rettungspaket benötigt werden, falls sich die Lage nicht grundlegend verbessert.

Und allein die drei Hilfspakete haben die Nettoverschuldung steil nach oben getrieben: Mit aktuell 4,56 Milliarden Euro liegt der Konzern bei den Nettoschulden rund 3,6 Milliarden Euro über dem Vorjahr. Für einen großen Teil der Kredite werden zudem Zinsen in Höhe von 9,5 % (!) fällig, was die Aussicht auf künftige Gewinne drastisch schmälert.

Wie geht es weiter?

Trotz der anhaltenden Reisebeschränkungen, der hohen Infektionszahlen und der absehbar langen Zeit, bis genügend Impfungen das Reisen wieder normalisieren dürften, gibt es Licht am Ende des Tunnels. Im Jahr 2022 darf eine Rückkehr auf das Niveau aus der Zeit vor der Pandemie erwartet werden, vor allem wenn es bis dahin einen Impfstoff gibt. Und immerhin läuft noch immer ein kleiner Teil des Reisegeschäfts trotz Pandemie weiter. So bringt TUI Gäste auf die Kanaren, die vom Coronavirus bislang weitgehend verschont geblieben sind und es gibt weiterhin Kreuzfahrten, auch wenn Gäste auf einen Landgang verzichten müssen.

Auch bei den konzerneigenen Hotels werde es wohl noch keine Notverkäufe geben. Von einigen Immobilien wird TUI sich wohl trennen wollen, um Geld in die Kasse zu bekommen, wie z.B. ein Teilverkauf der britischen Reedereitochter Marella Cruises, die wie bereits TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises an ein Joint-Venture mit Royal Caribbean gehen könnte.

Fazit: Enttäuschungskurse sind in dieser Turnaround-Spekulation wohl eher Kaufkurse.