DAX Schlussbericht: Powell schreckt auf – Mit Vonovia, Zalando, Covestro, GEA, Traton und HelloFresh

Am Dienstag zeigte sich der deutsche Aktienmarkt zuerst in gewohnter relativer Stärke, wie wir ihn auch schon in den vorangegangenen Tagen und Wochen gesehen haben. Allerdings war das dann am Nachmittag Makulatur, nachdem US-Notenbankchef Jerome Powell bei seiner Befragung vor dem Bankenausschuss des US-Senats ziemlich hawkishe Töne verlauten ließ.

Den DAX traf das recht unvorbereitet. Dieser hatte zuvor bei 15.706,37 Punkten ein neues Jahreshoch markieren können und damit gleichzeitig auch den höchsten Stand seit Anfang Februar 2022. Doch davon blieb in der Endabrechnung nichts übrig. Der Leitindex der Deutschen Börse ging letztlich mit einem Verlust um 0,6% auf 15.559,53 Zähler aus dem Handel.

Wie gesagt, das war insbesondere dem US-Notenbankchef zu verdanken. Dieser hatte erklärt, dass der Kampf gegen die Inflation weiterhin schwierig bleibt und dass der Zinsgipfel deutlich höher liegen dürfte als bislang erwartet. Gleichzeitig stellte er ein höheres Tempo bei den weiteren Zinserhöhungen in Aussicht. Das brachte nicht nur den DAX ins Rutschen, sondern auch die anderen Indices. Der MDAX büßte gleich 1,1% auf 28.857,11 Punkte ein, während sich der SDAX um 1% auf 13.544,85 Punkte verbilligte. Der TecDAX konnte sich mit einem Tagesminus von 0,5% auf 3.262,14 Punkte noch relativ glimpflich aus der Affäre ziehen.

Aktien im Fokus

Die rote Laterne im DAX bekam heute der Wohnungskonzern Vonovia. Hier sorgten Meldungen für Unruhe, dass es eine Razzia gegeben habe. Dabei geht es um Korruptionsvorwürfe bei Tochterunternehmen und gegen einzelne Mitarbeiter. Vonovia selbst gilt als Geschädigter wie auch ein weiterer Wettbewerber. Aber natürlich bringen solche Razzien und unklaren Situationen die Anleger ins Grübeln, was am Dienstag für einen Abschlag von 5,63% sorgte.

Ebenfalls klare Verluste verzeichnete der Online-Händler Zalando. Zum einen enttäuschte das Unternehmen bei den Zahlen zum zurückliegenden Geschäftsjahr. Beim Umsatz verbuchte Zalando einen Rückgang um 0,1%. Erwartet hatte das Unternehmen ein Ergebnis von 0-3%, dabei eher am unteren Rand. Der operative Gewinn auf Basis des bereinigten EBIT gab gleichzeitig um rund 60% nach. Zalando erreichte hier ebenfalls nur den unteren Rand der vorherigen Prognosespanne. Was allerdings noch mehr ins Kontor schlug, war eine sehr verhaltene Prognose für das neue Geschäftsjahr. Das quittierten die Anleger letztlich mit einem Abschlag von 3,37%.

Bester Wert im DAX war Covestro. Die Aktie des Kunststoff-Herstellers konnte sich immerhin noch um 1,64% verbessern. Dies auch dank einer Neueinschätzung durch Goldman Sachs. Das US-Investmenthaus bestätigte einerseits die Kaufempfehlung, andererseits wurde das Kursziel von bislang 48 Euro auf 64 Euro angehoben.

Bei den Nebenwerten konnte GEA überzeugen. Das Unternehmen meldete für das letzte Geschäftsjahr sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten Gewinn auf Basis EBITDA etwas bessere Ergebnisse als erwartet. Sehr positiv kamen dabei vor allen die deutlich gestiegenen Auftragseingänge an. Das brachte der Aktie heute ein Plus von 3,7% ein.

Den zweiten Tag in Folge zeigte sich auch der Nutzfahrzeug-Hersteller Traton stark. Dieser verbesserte sich um weitere 5,9%, nachdem das Unternehmen dank eines starken Schlussquartals für das Gesamtjahr bessere Ergebnisse als erwartet vorlegen konnte. So lag das EBIT über der Marktprognose von rund 10% Zuwachs. Für das neue Jahr rechnet Traton mit einem mittleren Wert beim Umsatz von rund 44 Milliarden Euro, auch das ein Plus von 10% über dem bisherigen Konsens.

Tiefrot ging es bei HelloFresh hinzu. Zwar hatte man im Schlussquartal 2022 den Umsatz um rund 11% steigern können und auch das EBITDA verbessert. Allerdings rechnet der Versender von Kochboxen für das neue Jahr nur sehr vorsichtig. So peilt man erst einmal für den Umsatz einen Zuwachs zwischen 2-10% an. Im letzten Jahr hatte man knapp 27% Wachstum geschafft. Außerdem prognostiziert HelloFresh ein EBITDA zwischen 460 und 550 Millionen Euro. Das würde im schlechtesten Fall einen weiteren Rückgang um rund 3,5% bedueten. Die Aktie brach daraufhin um 10,2% ein.